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Oscar Wilde / Das Bildnis des Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray ist eine der elegantesten Romane der Schauerliteratur; das liegt vor allem an Oscar Wildes Interesse, das Makabere mit dem Sinnlichen, dem Philosophischen und dem Frivolen zu mischen. Mit seinem Fatalismus stand Wilde zeit seines Lebens selbst in Kontakt, er war eine grundsätzliche Haltung des fin de siecle. Der Roman löste kurz nach seinem Erscheinen in den frühen 1890ern einen gewaltigen Skandal aus, was nicht zuletzt seinem leicht homoerotischen Ton zu verdanken ist, den man vielleicht nicht so leicht entschlüsseln kann, weil er hauptsächlich in Symbolsprache gehalten, und von Dunkelheit durchzogen wird. Eingewebt in die Themen Schönheit, Alter, Verfall und Theorien zur Kunst, findet sich der schillernde Faden des Untergangs, der um so ergreifender wirkt, je mehr man über die Beziehung des Autors zu seinem Dorian Gray weiß, denn dass sich Oscar Wilde in sein Meisterwerk selbst hineingeschrieben hat, steht außer Frage.

Wenige Werke der Weltliteratur sind gleichermaßen überschäumend wie Dorian Gray, und genausowenige sind von diesem absoluten Pessimismus durchzogen, fähig, absolut unabhängige Bereiche so miteinander zu verbinden, dass sie geschlossen in überragender Weise als Ganzes funktionieren. Wildes Dorian ist ebenso farbenfroh wie düster, und selbst die Schwächen des Romans erscheinen schlussendlich als Stärken.

Es kommt selten vor, dass das erfolgreichste Werke eines Schriftstellers auch gleichzeitig sein lehrreichstes und brillantestes ist: Dorian Gray gehört zu diesen seltenen Blüten, ein Roman,der mit schlafwandlerischer Sicherheit zwischen Spannung und ästhetischer Herrlichkeit changiert. Als solcher ist der Roman sogar einer der besten der Literaturgeschichte: gewagt, sinnlich, bösartig, wortgewaltig, und glänzend hell in seinem Verfall.

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