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Dark Land – Band 7, Die schwarze Witwe

Nachdem Rafael Marques die Latte im letzten Band ziemlich hoch gehängt hat, übernimmt erneut Uwe Voehl alias Logan Dee, der uns bereits Sinatown nahe gebracht hat. Ich erwähne das, weil ich davon ausgehe, dass jeder Autor sein eigenes Plot-Zentrum besitzt. Und Sinatown hat Logan Dee ins Spiel gebracht. In Band 7 ist davon aber nicht die Rede. Hier haben wir ein Abenteuer vor uns, das zwar weitere Rätsel anhäuft, aber dennoch fast als Stand-Alone-Story durchgehen kann, oder – wie manche es nennen – Monster of the Week.

Zunächst werden wir Zeuge einer hässlichen häuslichen Szene im Hause Baldwin, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben, obwohl es zwischen der „rebellischen“ Abby und ihrem Vater immer wieder zu Spannungen kam. Hier aber kommt es zum ersten Mal zu Handgreiflichkeiten. Das scheint zunächst unpassend, ist aber Sir Rogers Sorge um die Tochter geschuldet. Zu Arg leidet der Vater, der Abby behütet wissen will, dass sie wieder und wieder Schliche und Trick findet, die magischen Sicherungen um das Haus herum zu umgehen, um sich gemeinsam mit Wynn in Lebensgefahr zu begeben. Der Aufreger ist diesmal: Nachdem sich Abby bereits als Schauspielerin (im berüchtigten Nachtclub Ripp Tide), als Sängerin einer Band und als Malerin versucht hatte, will sie nun Reporterin werden – oder ist es viel mehr heimlich schon. Beim Twilight Evening Star nämlich, der legendären Tageszeitung von TC.

Die Präsentation der Leserseite bei DARK LAND, gestaltet von Timo Kümmel

Dass sich der Bastei-Verlag hat einfallen lassen, auf der Leserseite ab und zu Auszüge aus dem Evening Star, die Geschichten begleitend, zu bringen, zeigt einmal mehr, dass man an dem Projekt DARK LAND durchaus Spaß hat. Man weiß scheinbar, dass man da ein heißes Eisen im Feuer hat. Die Berichte im vorliegenden Band stammen von Nigel Night, dem Starreporter des TES, den allerdings noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat, und sie korrespondieren mit dem vorliegenden Abenteuer in einer Weise, dass sie eben nicht nur Beiwerk sind, sondern zur Geschichte gehören. Vorliegend ist das der Artikel „Feuernacht im Geisterhaus“, der mit Abbys Erlebnis korrespondiert, als sie Tosh und Kajahn als Reporterin zu einem Tatort begleiten darf und dort eben Zeugin eines Spukphänomens wird, das – hier noch unklar – ein wichtiges Puzzleteilchen der gesamten Geschichte ist.

Seit drei Wochen arbeitet Abby nun also schon für den TES, als sie auch Wynn dort einen Job im Archiv verschafft. Das hört sich jetzt erst einmal so an, als würde etwas Ruhe in die bis jetzt unglaublich rasant vorgetragene Serie einkehren, denn Wynn räumt zum ersten Mal ein, dass er die Spur zu Norek vielleicht für immer verloren haben könnte. Bis dahin war das ja durchaus anders. In Wirklichkeit wird aber hier das Setting vorbereitet, das die ganze Story trägt.

Abby Baldwin wird auf den Fall der „Ripperin“ angesetzt, eine mysteriöse Geschichte, an der Bella Tosh die polizeilichen Ermittlungen leitet. Die „Ripperin“ holt sich ihre Opfer über die Kontaktanzeigen des TES. Es sind allesamt Männer. Doch so platt mach Voehl das nicht, er streut auch hier interessante Ausnahmen ein, die sich am Schluss zu einem Ganzen fügen werden, um den Band gelungen abzuschließen.

Der Vergleich der „Ripperin“ mit unserem Jack ist nicht unbegründet, denn die Leichen sind auf schreckliche Weise zugerichtet. Und eine Ripper-Story, wie es mittlerweile viele gibt, ist das eben nicht. Dazu ist Logan Dee viel zu ausgebufft.

Nun, Abby arbeitet also einen ganzen Nachmittag an ihrem Bericht, der eine Sensation zu werden verspricht, während Wynn sich in den Kellergewölben als Archivmitarbeiter verdingt, geht zur Toilette – und als sie wiederkommt, ist ihre ganze Arbeit spurlos verschwunden, obwohl sich um diese Zeit niemand mehr in ihrer Abteilung befindet.

Überhaupt das Gebäude des Twilight Evening Star: riesengroß, hoch und finster. Der TES ist in TC eine mächtige Institution, denn alles, was dort jemals vorgefallen ist, befindet sich in den abgründigen Tiefen des Archivs verzeichnet, das unüberschaubar viele Kellergewölbe aufweist. Mr. Bee, Herrscher über das Imperium nennt man nicht umsonst „Das Gedächtnis“, denn er weiß nahezu alles über die Stadt. Und jeder Einwohner ist irgendwo auf Papier verewigt. Das hört sich nach NSA an? Klar, nur eben magischer.

Ein schweres Unwetter ist im Gange, als Abby und Wynn das Gebäude verlassen, ein Bus taucht auf und die beiden steigen zu. Sie sind die einzigen Fahrgäste. Das Dumme an der Sache ist, dass es sich im einen Gespensterbus handelt, der durch alle Fahrzeuge einfach hindurchfährt, um sie in Red Chapel abzuliefern.

Abbys sechster Sinn sagt ihr, dass sie noch einmal in das „Mörderhaus“ wird gehen müssen, dem Tatort, an dem sie mit Tosh und Kajahn schon war. Wynn und Abby werden dort Zeugen der Schlüsselszene, die in den Showdown führt, von dem ich hier natürlich nicht sprechen will.

Ja, wir haben hierein wenig Luft schnappen können, was den Hauptverlauf der Serie betrifft. Keineswegs aber fällt dieser Teil deshalb aus der Rolle. Im Gegenteil ist er wieder einmal herausragend, auch wenn er uns auf den ersten Blick ein Monster of the Week beschert. Doch die Rätselhaftigkeit wächst weiter an, wir erfahren wieder ein wichtiges Detail (eben über den Twilight Evening Star) … und was mich betrifft, ist die Begeisterung für DARK LAND nicht zu bremsen. Wer noch nicht dabei ist: böser Fehler!

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