Dark Land – Band 13, Dead End Asylum

[stextbox=“info“]Es ist nun ein glattes Jahr her, dass ich ein paar harsche Worte über die Enwicklung verlor. Aber ich hatte auch stets eingeräumt, die Serie trotz der anstehenden Unterbrechung nicht aus den Augen zu verlieren. Damals berichtete das Phantastikon von dieser aufregenden Serie sozusagen von der vordersten Linie. Das war für einige sehr ungewohnt, denn die Nostalgiker der Heftroman-Szene konnten wir mit unseren Beiträgen nicht gerade gewinnen. Aber ich bleibe dabei: Dark Land hat Potenzial; vor allem aber einen Ton, der mich persönlich interessiert. Sicher ist die Folge 13 heute, da die Leserschaft Band 35, 36 vorliegen hat, kalter Kaffee. Eine Möglichkeit wäre es gewesen, im Verlauf die grobe Entwicklung zu skizzieren – und soweit kommt es vielleicht sogar. Nach meiner etwas längeren Abstinenz stieg ich aber genau da wieder ein, wo ich mich erst einmal verabschiedet hatte. Bei Dead End Asylum von Uwe Voehl. Und ich war sofort wieder entflammt. Wenn das so ist, dachte ich mir, dann schreibe ich – auch wenn es sich nicht um die aktuelle Ausgabe handelt – Dark Land weiter. Das ist es, was das Phantastikon tun sollte.[/stextbox]

Dead End Asylum ist ein riesiges Herrenhaus im Renaissance-Stil mit schwarzen Mauern. Eine Art Privatsanatorium zunächst, dann aber zu einer Anstalt für gemeingefährliche Verbrecher umfunktioniert. Immer wieder ist von Todesfällen die Rede und von verschwundenen Patienten. Abby und Marylyn zelten in der Nähe dieses im Moor gelegenen Sanatoriums. Sie haben nicht weniger im Sinn als Marylyns Schwester Vicky zu befreien, die ihres Zeichens eine Todsprecherin ist, also genau das Gegenteil der Heilerin.

Das ist die eine Geschichte. Die andere handelt von Wilbur Abercrombie, einem Bastard, halb Mensch, halb Wolf. Sein Vater hatte ihn entdeckt, als er die zerfetzte Leiche seiner Mutter in den Armen wiegte, die in Wirklichkeit jedoch von einer Kraak-Sippe getötet worden war. (Wir erinnern uns, dass ein Kraak in Twilight City auch als Schnabeldämon bekannt ist). Nachdem sein Vater immer wieder auf ihn einschlug, weil er seinen Sohn für den Mörder hielt, brachte Wilbur ihn schließlich im „Rausch des Dämons“, der in ihm wohnt, um.

In einem Park begegnet Wilbur dem „Müllmann“, der vorgibt, ihn in seiner Mülltonne verstecken zu wollen, als das Polizeiauto von Bella Tosh und dem Panthermann Kajahn vorfährt. Allerdings ist diese Mülltonne keine gewöhnliche Mülltonne, sondern eine Art Verdauungsmechanismus. Wilbur fällt tief in den Morast und findet sich in einem Gewölbe wieder, aus dem Hände nach ihm greifen. Wilbur wäre wahrscheinlich ebenfalls absorbiert worden, wenn er nicht von den beiden Polizisten gerettet worden wären. Gleich darauf wird er jedoch wegen Mordes an seinen Eltern verhaftet. Einem Todesurteil vor Gericht entgeht er gerade noch so (der Richter, ein Kraak, ist nicht sonderlich gut darauf zu sprechen, dass Wilburs Mutter angeblich von einer Kraak-Sippe umgebracht worden ist und hält Wilbur für einen Lügner), landet stattdessen aber in Dead End. Bei der in TC herrschenden Justiz fragt man sich ohnehin, wozu sie gut sein soll, sie ist launisch, willkürlich und gar nicht daran interessiert, nach Beweisen zu fragen.

Jetzt allerdings haben wir die beiden Erzählstränge, die nach Dead End Asylum führen, beisammen und können nachsehen, was Abby so treibt.

Arkham Mansion dürfte in etwa das Flair von Dead End verstörmen. © Batman Arkham World Wiki

Abby und Marylyn hören in ihrem Zelt liegend einen Schrei aus dem Asylum dringen. Ihnen gelingt es, sich Zugang zur Anstalt zu verschaffen. Während Marylyn unten wartet, klettert Abby eine Ranke an der Hausmauer nach oben und sieht durch ein erleuchtetes Fenster, wie der einbeinige Dr. Shelley gerade eine alte Frau von den Toten zurück ins Leben holt. Reminiszenzen lassen in dieser Serie nicht lange auf sich warten, und so ist der Name des Arztes natürlich von Mary Shelley entlehnt, die sich im Jahre 1818 den Frankenstein ersonnen hatte. Die postmoderne Spielerei mit Namen, Begriffen und Andeutungen machen einen großen Reiz von Dark Land aus – und wer Vergnügen daran findet, kann sich gern selbst auf die Suche machen; ich selbst werde auch nicht alles finden.

Abby stürzt ab, verletzt sich aber nicht. Man wird jedoch auf sie aufmerksam und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Flucht nach vorn – ins Asylum – anzutreten, das sie durch eine wenig beachtete Seitentür betritt. Dort findet sie sich in einem Trakt wieder, der tatsächlich etwas an Gotham City’s Arkam Asylum erinnert, nur dass dort keine Superschurken in den Zellen hausen, sondern degenerierte oder mutierte Wesen (was für Wesen das sind, ist in Twilight City nie eindeutig zu bestimmen). Eine alte Frau, deren weißes Haar durch die Zelen weht, bleibt ihr dabei besonders in Erinnerung.

Abby wird erneut entdeckt und Dr. Shelley erwartet sie bereits, streitet aber alles ab, was in seinem Hause angeblich vorgehen soll. Darüberhinaus erklärt er Abby, dass er sie schon als ganz kleines Mädchen kenne. Und natürlich hatte er auch ihre Mutter gekannt, was Abby wütend macht und etwas ratlos.

[stextbox=“black“]Dass Abby keine Informationen über ihre Mutter hat und sich danach sehnt, etwas über ihren Tod in Erfahrung zu bringen, ist eines der Leitthemen der laufenden Serie.[/stextbox]

Marylyns Schwester befindet sich, laut Shelley, nicht im Sanatorium. Sie sei geflohen und vermutlich im Moor umgekommen. Abby gefällt das alles gar nicht, aber sie kann auch nichts dagegen tun, des Hauses verwiesen zu werden. Seit ihrer Kletteraktion ist nun auch noch Marylyn verschwunden. An ihrem Zeltplatz ist sie ebenfalls nicht, also beschließt Abby – trotz der drohenden Gefahr – sie zu suchen und gerät tiefer in den Sumpf, als ihr lieb ist.

Sollte noch das Buch erwähnt werden, das Abby, als die beiden jungen Frauen hier ankamen, aus ihrem Rucksack zieht: Dead End Legends – Hexen und andere Gerüchte im Dead End Moor. Denn diese Hexen scheint es wirklich zu geben – und sie retten nicht nur Abby vor dem Hunger des Sumpfes, sondern bringen ihr auch Marylyn zurück.

Fast Hätten wir Norek vergessen, der ja noch immer (oder besser gesagt: wieder) im Keller von Baldwin House eingesperrt ist. Natürlich flieht er erneut und gibt dabei wie so oft eine jämmerliche Figur ab, als er dabei erwischt wird, wie er in Abbys Zimmer einbricht, weil er damit rechnet, sich die Tochter als Geisel schnappen zu können. Warum er nicht einfach aus dem Haus spaziert, wo er doch schon aus dem Keller entkommen konnte, liegt freilich auf der Hand: In Baldwin House gibt es Gänge, die nirgendwo hinführen, Wände, die plötzlich auftauchen, wo vorher keine gewesen sind, flüsternde Stimmen, die den Eindringling in die Irre führen können, kurz: das Haus weiß sich und die seinen sehr gut zu schützen, innen wie außen. Zunächst entkommt Norek und veranlast Wynn dazu, sich voller Hass eine Waffe aus Sir Baldwins Jagdzimmer zu schnappen, um Norek ein für allemal zu erledigen. Doch daraus wird nichts, Wynn wird von Baldwin und seinem Diener Esrath weiterhin hinters Licht geführt, indem man ihm erklärt, Norek sei entkommen. In Wirklichkeit hatte man ihn bereits wieder in Gewahrsam.

„Es wird zu gefährlich, ihn länger hierzubehalten. Wäre Abby im Zimmer gewesen, hätte er sie getötet – oder er hätte sich mit ihr unterhalten. Ich weiß nicht, was schlimmer gewesen wäre“.

Sagt Sir Baldwin zu seinen Diener und der pflichtet ihm bei. Das ist zumindest beunruhigend, wenn man bedenkt, dass von Anfang an Sir Baldwins gönnerhafte Haltung gegenüber Wynn im Grunde nur Eigennutz ist. Und die Liebe zu seiner Tochter vielleicht auch nur hinter seine Absichten zurücktreten muss, von denen wir nach wie vor nichts wissen.  Und Norek ist ein gewichtiger Teil davon. Deshalb schleppen sie ihn zu Dr. Shelley, der mit Baldwin natürlich bestens bekannt ist. Dort wird ihm das Gehirn entnommen und in den Kopfr Wilburs gepflanzt. Der Kraak ist damit Geschichte, seine Erinnerung und sein Wissen aber nicht.

Jetzt kann man Wynn den toten Kraak präsentieren, der es gar nicht fassen kann und eine aufkeimende Leere in sich fühlt, denn seine Mission scheint zwar beendet zu sein, aber seine Mutter bekommt er dadurch nicht wieder.

Am Ende gibt es ein Fest, bei dem Abbys Vater ihr Dr. Shelley offiziell vorstellt, als einen alten Freund des Hauses sozusagen. In Abby rumort es, aber sie macht gute Miene zum bösen Spiel und erinnert sich an die weißhaarige Patientin, die ihr im Kellertrakt der Anstalt kurz begegnet war – natürlich in einer Zelle sitzend. Die weißen Haar hatten sich aus der Zellenöffnung um Abby gesponnen. Hilf mir, Schwester … Das war ihr geistiger Hilferuf in dieser Kurzen Episode gewesen. Und Abby schwor sich, sie zu befreien. Und heimlich nannte sie sie ebenfalls … Schwester.

 

Michael Perkampus

Michael Perkampus

Kulturanthropologe, Übersetzer, Sammler von Comics, phantastischer Literatur und Filmen. Gründer des Phantastikon, Eskapist.

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