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Creepypasta

Was genau ist das für ein Ding namens Creepypasta? Ist es diese üble Lasagne, die deine vegane Mitbewohnerin dir letzte Woche versucht hat aufzuzwingen? Nein… es sei denn, du hast vielleicht einen menschlichen Finger darin gefunden, und als du ihr den grausigen Beweise gezeigt hast, hat sie dich nur angestarrt… und fing langsam an zu lächeln.

Für die Uneingeweihten ist Creepypasta ein Internetphänomen, aber ihr Ursprung führt in die Zeit unserer Vorfahren zurück, die sich um das Feuer kauerten und ständig über ihre Schultern blickten, um nach unbekannten Raubtieren Ausschau zu halten. Mythen und Legenden durchdringen praktisch jede Kultur auf der Welt, und das Aufkommen des Informationsaustausches rund um die Uhr verjagte diese Schatten nicht… tatsächlich gab er ihnen neue, merkwürdige Formen, die sich unsere Vorfahren gar nicht vorstellen konnten.

Kommen wir nun zu den Grundlagen: Creepypasta ist nach der „copypasta“ benannt. Das ist der Web-Slang für ein kopiertes Bild oder einen kopierten Text, der viral geworden ist. Und schließlich kann niemand mehr sagen, wo der Ursprung liegt. Eine Creepypasta ist ein Artikel, eine Geschichte, ein Bild oder Video (einige davon sind raffinierte Schwindeleien, andere einfach nur kurze Geschichten oder ein Kunstwerk) mit einem ausgesprochen schrecklichen Thema, das dann durch wiederholte Verbreitung im Netz neues Leben eingehaucht bekommt – sei es bei Twitter, Tumblr, Pinterest, Facebook, YouTube oder fast jeder anderen soziale Plattform.

Während viele frühe Beispiele aus Lagerfeuergeschichten stammen, die generationenweit zurückliegen (z.B. „Der Hakenmann„, oder „Bloody Mary„), beginnen viele beliebte Horror-Memes ihr Leben im digitalen Bereich und wachsen oft so sehr in ihrem Umfang, bis es schwierig wird, die ursprüngliche Quelle zu bestimmen… und dieses Geheimnis ist Teil dessen, was sie so beängstigend macht. Die meisten dieser Gruselgeschichten sind urbane Legenden, clevere Streiche oder sogar Auszüge aus veröffentlichten Werken, die in die Praxis umgesetzt wurden.

Selbst diejenigen, die nur sehr wenig Zeit mit Social Media verbringen, haben wahrscheinlich schon von einem der berüchtigsten Creepypasta-Themen gehört: der übernatürlichen Figur, die allgemein als „Slender Man“ bekannt ist. Der Charakter selbst – typischerweise als große, dünne, weißhäutige Figur ohne Haare und Gesicht in einem Anzug dargestellt – soll 2009 auf einer Webseite zum Thema Komödie entstanden sein, auf der häufig originell verfremdete Bilder veröffentlicht werden. Die gesichtslose Figur wurde via Photoshop in eine Reihe von alten Fotos eingefügt, mit Bildunterschriften, die darauf hindeuten, dass die Fotografen kurz nach der Aufnahme spurlos verschwanden.

Seitdem hat die Figur eine ganze Subkultur an sich inspiriert, die seitdem in Fan-Fiction, Kunst, Cosplay, Videospielen und mehr auftritt. Diese Legende wurde im vergangenen Jahr auf die schlimmste Weise Realität, als einige tief verstörte 12-jährige Fans in Wisconsin gestanden, einen ihrer Freunde 19 Mal niedergestochen zu haben. Sie behaupteten, unter dem Einfluss des Slender Man gestanden zu haben. Glücklicherweise überlebte ihr Opfer den Angriff, aber der Fall hat das Phänomen aus dem Schatten der Horror-Webkultur in die Öffentlichkeit getragen.

Wenn ich jetzt etwas Unbehagen verbreitet habe, dann tut es mir Leid. Ihr könnt euch nun in dem Wissen zurücklehnen, dass die folgende Liste zehn berühmter, gruseliger Begebenheiten wahrscheinlich keine direkte Bedrohung für eure Sicherheit darstellt. Einige von ihnen halten einer Recherche gegenüber ihrer Entlarvung sicher stand, man kann sie zumindest als „unbestimmt“ oder „nicht klassifizierbar“ abtun.

Die Ausdruckslose

(c) Anthony Armstrong-Jones

Für mich ist diese unter die Haut kriechende, gruseligste Geschichte so elegant einfach, so eindringlich, so grotesk, dass ich sie seit Jahren in meinem Kopf herumtrage. Sie beschreibt eine stumme, unbekannte Patientin, die im Juni 1972 in das Cedar Sinai-Krankenhaus in Los Angeles eingeliefert wurde. Ihr glattes, blasses, puppenartiges Gesicht erschreckte das Personal so sehr, dass sich zunächst aus Angst niemand um sie kümmern wollte. Als sie schließlich sediert wurde und ein Arzt sich ihr näherte, lächelte sie ihn an und enthüllte einen Mund voller rasiermesserscharfer Zähne… man kann wahrscheinlich erraten, was als nächstes geschah.

Diese Geschichte wurde wahrscheinlich durch ein Foto von Anthony Armstrong-Jones mit dem Titel „Student Nurses with Waxwork Patient“ aus seinem 1972 erschienenem Buch „Assignments“ inspiriert. Das obige Bild ist fast immer im Artikel enthalten, wo immer er bisher erschienen ist. Wenn es irgendwo ein besseres Bild als Beispiel für das „Uncanny Valley“ gibt, muss ich es noch finden.

Candle Cove

(c) Kris Straub

Warum sind Marionetten so oft eine Quelle des Ur-Terrors? Sind es die flachen, ausdruckslosen Augen der Figuren und die riesigen, grinsenden Münder? Sind es die schrillen, hohen Stimmen, mit denen sie versehen werden? Oder ist es die Idee, dass Bildnisse aus Gummi, Filz oder Kunststoff sich nicht wie selbstbewusste Wesen benehmen sollten? Vielleicht ist das die Quelle des Schreckens, die die Legende über Candle Cove so effektiv macht.

Es begann 2005 mit der Frage in einem Forum, ob jemand eine Kinderfernsehsendung unter diesem Titel gesehen hätte. Es schien wie eine einfache, legitime Frage, aber die Antworten auf den gleichen Thread waren… nun, beunruhigend. Plötzlich behaupteten User, sich an die Show als Quelle von Alpträumen und unnatürlichen Ereignissen zu erinnern. Einer der Nutzer erinnerte sich sogar daran, dass die Marionetten eine ganze Episode lang endlos in die Kamera schrien… danach behauptete die Mutter des Kindes, sie hätte eine halbe Stunde lang nur statisches Rauschen im Fernsehen empfangen. Allerdings: es gab nie eine Kindersendung mit diesem Titel.

Jeff the Killer

Jeff the Killer, der 2008 erstmals auf dem Bild eines Gesichts mit lidlosen Augen und einem dämonischen Grinsen auftauchte, liegt wahrscheinlich in der viralen Popularität gleich an zweiter Stelle hinter Slender Man. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Geschichten über Jeff geschrieben; die denkwürdigste davon ist die über einen tyrannisierten Jungen, der sein eigenes Gesicht verstümmelte, bevor er sich auf eine Mordtour begab, seinen eigenen Bruder ermordete und dabei die Worte „Geh einfach schlafen“ flüsterte. Die Ursprünge des Bildes sind dürftig, aber eine gängige Theorie ist, dass es sich dabei ursprünglich um ein Mädchen handelte, das Selbstmord beging, woraufhin jemand Photoshop benutzte, um ihr letztbekanntes Foto in eine groteske Karikatur zu verwandeln. Die ist wahrscheinlich auch gefälscht, aber es fügt der Legende eine finstere Metaebene hinzu.

The Grifter

Ein hartnäckiges Thema ist das Gerücht um das „verbotene Video“ – meist ein Bericht über selbstgemachtes Filmmaterial, einen Experimentalfilm oder einen Ausschnitt aus einer Fernsehsendung, die sich teuflisch auf den Zuschauer auswirkt: Wer es sich ansieht, wird verrückt oder kurz darauf sogar sterben. Natürlich wird das angebliche Material nie gezeigt, sondern nur beschrieben, was den mythischen Charakter der Geschichte noch verstärkt. Ein Beispiel ist die Geschichte von „The Grifter“, einem Video, das Berichten zufolge Aufnahmen von toten oder sterbenden Säuglingen enthält, die mit Tracking-Aufnahmen von einem unbekannten Ort, gruseligen Puppen und anderen bizarren Bildern angereichert wurde. Wie so oft, wenn diese Dinge viral werden, haben unerschrockene Redakteure eine Scheinversion auf die Plattform 4Chan hochgeladen – bestehend aus Szenen aus LITTLE OTIK, einem surrealen Film des tschechischen Regisseurs und Animators Jan Švankmajer.

Das russische Schlafexperiment

Die anschaulichen Details dieser makabren Geschichte trugen dazu bei, ihre virale Kraft zu verstärken: Sie konzentriert sich auf fünf Häftlinge in einem namenlosen sowjetischen Gefangenenlager, denen die Freiheit angeboten wurde, wenn sie sich freiwillig für ein 30-tägiges Schlafentzug-Experiment zur Verfügung stellten. Nach weniger als einer Woche ohne Schlaf begannen die Häftlinge, Anzeichen extremer Unruhe und Paranoia zu zeigen; in der zweiten Woche begannen sie endlos zu schreien, zerstörten den Inhalt ihrer Zelle und verbarrikadierten das einseitige Beobachtungsglas. Nach zwei Wochen wurde der Raum tödlich still… und da begannen die wahren Schrecken. Die Geschichte hält der wissenschaftlichen Prüfung nicht stand – der aktuelle Guinness-Weltrekord für Wachbleiben liegt bei über 18,5 Tagen, und die Frau, die es geschafft hat, trug angeblich keine schädlichen Auswirkungen davon. Dennoch bleibt die grafische Bildsprache dieser Geschichte im Gedächtnis haften.

Der lächelnde Hund

Wie Jeff the Kiler ist diese bizarre Creepypasta aus einem Photoshop-Bild hervorgegangen – in diesem Fall handelt es sich um das körnige Foto eines Hundes (normalerweise als sibrischer Husky dargestellt), der seine schrecklichen menschenähnlichen Zähne mit einem verwirrenden Lächeln entblößt. Dieses Foto enthält auch eine ausführliche Hintergrundgeschichte, in der es sich meist um eine Frau namens „Mary E.“ handelt, die behauptet, durch das Öffnen einer .jpg-Bilddatei des Hundes in den Wahnsinn getrieben worden zu sein. Um das Entsetzen noch zu verstärken, führt der Erfinder der Gestalt in der Regel noch einen Epilog hinzu, in dem es heißt, dass das „echte“ Bild des lächelnden Hundes noch nie im Internet veröffentlicht wurde und es sich bei dem, was verbreitet wird, nur um eine Nachbildung des Originals handelt. Das eigentliche Bild anzusehen würde den Betrachter anscheinend ins das gleiche Schicksal stürzen wie die Frau in der Geschichte… die sich laut dem Autor schließlich das Leben genommen hat.

Der Brieffreund

Penpal (Der Brieffreund) ist unter den Creepypastas einzigartig, da sein Schöpfer, Dathan Auerbach, das Unternehmen von Anfang an als eine Sammlung von kurzen Geschichten geplant hatte, indem er lange Kapitel über Reddits populäres NoSleep-Unterforum (Geburtsort vieler exzellenter Creepypastas) veröffentlicht hat und die Geschichten durch Fragen anderer Nutzer verfeinerte. Das Ergebnis ist die sich entwickelnde Saga eines Jungen, der eine Notiz an einem Ballon bindet, in der Hoffnung, eine Korrespondenz mit demjenigen beginnen zu können, der sie findet. Nach Jahren ohne Antwort ist er überrascht, dass seine Bemühungen tatsächlich erfolgreich waren… bis er zu seinem Schrecken erfährt, dass dieser „Freund“ nicht das ist, was er zuerst zu sein scheint. Auerbach veröffentlichte Penpal schließlich als Roman, der die Struktur des Journals beibehält und die Geschichten zu einer semi-linearen Erzählung zusammenfügt. Die Rechte wurden für eine Filmadaption vergeben, aber ich habe seit 2012 keine Updates mehr dazu gesehen.

Polybius

Die Geschichte des „tödlichsten Videospiels der Welt“ hat im Laufe der Jahrzehnte mehrere Formen angenommen, aber die Polybius-Geschichte ist die am tiefsten in der Popkultur verwurzelte (so sehr, dass sie bei den SIMPSONS erwähnt wurde). Das Spiel galt als Prototyp eines Arcade-Modells, das von einer mysteriösen deutschen Firma entworfen und 1981 an eine Handvoll Spielhallen in Portland vergeben wurde. Die Geschichte besagt, dass die Spieler seltsame Nebenwirkungen bekamen, die von Alpträumen, Halluzinationen, bis hin zu Migräne und anderen Symptomen reichten. Es wird auch gesagt, dass mysteriöse Männer in Schwarz bei der Inspektion der Spielautomaten gesehen wurden, nur wenige Tage bevor sie überall wieder entfernt wurden. Die Legende inspirierte den Kurzfilm POLYDEUS des Regisseurs Drew Daywalt.

Selbstmord-Cartoons

Es kursieren etliche Legenden über „verlorene Episoden“ oder seltene Outtakes aus Fernsehsendungen, die darauf hindeuten, dass sich die Macher dieser Programme mit okkulten oder bewusstseinsverändernden Technologien beschäftigt haben könnten. Am prominentesten ist „Squidward’s Suicide“, ein Videoclip, in dem der düstere SPONGEBOB SQUAREPANTS-Charakter endlich seiner Angst nachgibt und sich das Leben nimmt… doch zuvor läuft eine Montage aus schrecklichen Bildern, blutenden Augen, dämonischem Lachen und unterschwelligem Material, darunter Camcorder-Filmmaterial von ermordeten Kindern. Beim anderen Clip handelt es sich um einen alten Micky Maus-Kurzfilm, in dem das ikonische Nagetier, das traurig und verwirrt aussieht, ziellos durch eine zunehmend surreale Landschaft wandert, wobei sich Gesicht und Körper schließlich verzerren, während der Soundtrack in eine Kakophonie aus Schreien übergeht. Wie bei ähnlichen Legenden wurde der „originale“ Clip bequem aus dem Internet entfernt… obwohl einige unerschrockene Filmemacher versucht haben, ihre eigenen Versionen zu erstellen.

This Man

Ja, dieser Typ. Sein Bild sieht gruselig genug aus… aber was ist mit all den Leuten, die behaupten, von ihm in ihren Träumen besucht worden zu sein, obwohl sie ihn noch nie zuvor gesehen haben? Die Website thisman.org soll ein Forum für Menschen auf der ganzen Welt sein, die glauben, das kräftige, schwach grinsende Gesicht gesehen zu haben, als sie schliefen. Die Website enthält Zeichnungen und andere Darstellungen des Mannes, die angeblich von denjenigen eingereicht wurden, die von ihm „besucht“ worden waren, sowie Fotos von Flugblättern, auf denen „HABEN SIE DIESEN MANN GESEHEN?“ steht, die auf der ganzen Welt veröffentlicht wurden. Die Macher der Website leugnen, dass dieses Projekt ein Marketing-Trick oder ein soziales Experiment ist, behaupten aber, dass unbekannte Parteien mehrmals versucht haben, die Webseite schließen zu lassen, und ihre Updates wurden 2011 eingestellt. Aber keine Sorge… er ist jetzt auf Facebook.

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