Comic Forschung

Wer etwas aufgepasst hat, der sieht, dass es diese Rubrik nun auf die Startseite geschafft hat. Das war längst überfällig und notwendig, denn die 9. Kunst ist nicht nur längst in der Weltliteratur angekommen (was uns andersherum nicht kümmern würde, aber man darf es ja mal erwähnen), sie wird derzeit auch fleißig beforscht, denn obwohl es Überschneidungen zu Film und Literatur gibt, kann der Comic in seiner Gestaltungsmöglichkeit Dinge, die andere Medien nicht können. Die Schmutzkampagnen gegen seine Überlegenheit scheinen endgültig der dunklen Zeit der Mediengeschichte anzugehören, doch man muss die unterschiedlichen Medien gar nicht gegeneinander ausspielen, denn es ist nun einmal auch so, dass jeder Rezipient anders konditioniert wurde und deshalb auch Informationen anders verarbeitet. Wenn ich das Comicschaffen also hier und da in ein Superlativ kleide, dann nur deshalb, weil wir uns in Deutschland befinden, das kulturell schon immer etwas unbeweglich war. Comics erfahren hier nach wie vor noch nicht die gleiche Wertschätzung wie im Rest der Welt. Das mag auch daran liegen, dass banale literarische und filmische Massenware auf unüberschaubar vielen Seiten durchgenudelt wird, Comics dort aber (wenn überhaupt) nur am Rande eine Rolle spielen, während sich einschlägige Plattformen, die sich mit Comics beschäftigen, meist spezialisiert zeigen. Das hat dann dazu geführt, dass „Comics“ schon fast zum Synonym für Superhelden-Comics wurden. Dazu beigetragen hat natürlich auch die mediale Unterscheidung von Comics und Graphic Novels, was natürlich völliger Unsinn ist, wie schon Alan Moore erklärte. „From Hell“ ist genauso ein Comic wie „Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden“, und sie ähneln sich sogar, wenn es um die Genauigkeit des historischen Hintergrunds geht. Diese künstliche Abgrenzung will nichts anderes als die unsägliche Tradition der Pseudounterscheidung zwischen Hoch- und Trivialliteratur weiterführen. Manche Leute brauchen das. Und sie liegen falsch.

Wenn in diesem kurzen Artikel von Comic-Forschung die Rede ist, so bezeichnet das in erster Linie mein persönliches Vorgehen. Wie wohl jeder andere auch bin ich mit Comics aufgewachsen, verlor aber das Interesse daran aufgrund der damals kaum vorhandenen Infrastruktur, und erst seit einigen Wochen befasse ich mich intensiv mit der vorhandenen Sekundärliteratur. Die vermittelt zwar da für mich notwendige Fachwissen, aber nicht den Genuss der Comicliteratur selbst. Es ist fast einfacher, das umgekehrt zu machen. Dieser im Phantastikon bisher stiefmütterliche Sektor veranlasst mich aber nicht ausschließlich zu meinem eigenen Sermon, sondern soll auch gleichzeitig jene animieren, die hierzu etwas beitragen können. Und damit hat dieser Artikel auch nur die Funktion einer Ankündigung inne, nicht zuletzt, um zu signalisieren, dass es im Phantastikon auch im 4. Jahr das Bestreben gibt, diese Plattform weiterzuentwickeln.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

"Ich bin mehr daran interessiert, meinen Geist unterschiedlichen Situationen auszusetzen, als meinen Körper." -- Alan Moore

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2 Kommentare auf "Comic Forschung"

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Erik R. Andara
Autor

Unzählige Dimensionen voller Wunder erwarten dich. Ich behaupte ja oft, dass ich in meinem eigenen Weltenbau maßgeblich von den modernen Comic-Autoren und -Autorinnen beeinflußt wurde. Was die Phantastik angeht ist die Neunte Kunst einfach übervoll mit großen Konzepten und grandiosen Ideen und changiert und erstrahlt in allen nur erdenklichen Farben. Man kann gar nicht anders als da zuzugreifen. Willkommen Forschender, laß dich hier nieder Reisender, im Geschichten-Schlaraffenland!

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