News Ticker

Christopher Lee alias Dracula

Der Godfather der Nacht ist tot. Stephen King hat sich, als er die Nachricht erhalten hat, als einer der Ersten mit einem letzten Gruß vor dem großen Mann, dem größten Vampir aller Zeiten verneigt. Christopher Lee starb mit 93 Jahren in einem Krankenhaus in seiner Geburtsstadt London. Ein hohes, gutes, gesegnetes Alter. Sagt man so. Ist auch richtig. Und trotzdem fügt man ein bedauerndes „Schade“ hinzu. Nicht, weil man töricht denkt, dass im Olymp das Feuer ewig brennt. Irgendwann erlischt es auch da oben für diejenigen, die wir schon zu ihren Lebzeiten unsterblich nennen. Aber man denkt: Jetzt eben auch er. Und darf getrost wehmütig werden. Es ist halt wichtig, es ist richtig. Durchaus betroffen zu sein. Traurig. Ja. Er ist ein Stück Geschichte. Er bleibt ein Stück Erinnerung. Für viele von uns.

Dracula hat Christopher Lee weltberühmt gemacht. Unvergesslich ist dieses erste Bild von ihm. So schwarz, so böse, so schön. So unheimlich und doch so verlockend.

Er war die Angst unserer Kindheit. Diese Augen, diese Ahnung. Diese Plötzlichkeit. Die Furcht. Der Schrei. Damals. Unser Schrei, hinein gebissen in ein Sofakissen. Er war die Neugier, Faszination unserer Jugend. Diese Bedrohung, diese Warnung. Verführung. Eleganz. Diese Erotik der Finsternis.

Lee hat so manchen, der heute im Horror-Genre zuhause ist, schreibt, Filme macht, liest oder eben einfach nur zuschaut, eine Wegweile begleitet. Und in dem genialen Gefühl bestätigt, dass es gut ist, in der Dunkelheit nach Abenteuern zu jagen. Das Düstere, Unheimliche zu lieben, das ist großartig, dachten und denken wir, solange die Sonne immer noch aufgeht, solange die Grenzen nicht verwischen, solang der Horizont da vorn noch weit ist. Irgendwo. Aber eben präsent. Lee, einem klugen, sympathischen Kopf, war das klar. Uns ja nun oder wohl auch. Irgendwie.

Natürlich wollte Lee, gebürtig Christopher Frank Carandini, geboren 1922, nicht verdammt dazu sein, als Vampir und eben nur als solcher, – wenn auch als der… -, im Gedächtnis zu bleiben. Ursprünglich hatte der 1,96-Gentleman mit englisch-italienischen Wurzeln eh andere Pläne: Der musikalisch Versierte, der er auch blieb, wäre gern Opernsänger geworden. Ein guter. Er wurde Schauspieler. Ein besserer. Er wurde Dracula. Der Beste. Ein Meistergriff des britischen Studios Hammer Film, das ihn 1957 unter Vertrag nahm und ihn zuerst das Monster in Frankensteins Fluch spielen ließ, bevor 1958 der erste von acht Filmen mit ihm in der Hauptrolle als „Kronprinz des Schreckens“ (so wurde er tituliert) in die Kinos kam und die Richtung wies: SO sollte es sein, so sollte ER sein.

Lee war nicht nur Dracula. Er war viele. Auch ein James-Bond-Schurke (Der Mann mit dem goldenen Colt). Er war Scaramanga. Dooku. Später ein Tolkien-Zauberer. Saruma. Als Schauspieler mit den meisten Credits (genannte Rollen im Vor- oder Abspann), – über 280 Filme -, steht er im Guiness-Buch der Rekorde. Als Sir Christopher Lee. 1992 wurde er von der Queen geadelt.

„Schauspielurgesteinsbösewicht“ nennt ihn ein Fan im Internet, „Meister des Makabren“ sagt Londons Bürgermeister Boris Johnson, würdigt ihn als „einen der größten britischen Schauspieler“.

Ich mag keine Schubladen.“ Machte Lee später in Interviews deutlich. Halbherzig, seufzend, ärgerlich, genervt…das soll hier gar nicht bewertet werden. Es ist ein nachvollziehbares, ehrliches Wort, durchaus. Dem genauso grundehrlich voranging: „Dracula habe ich das Meiste zu verdanken.“

Wir auch. Thank you, Sir.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Um einen Kommentar zu verfassen, müssen Sie mit den Datenschutzbedingungen einverstanden sein.

*