Mein Mann schreibt die Namen seiner neun Dämonen auf Post-it-Zettel und verbrennt sie in der Küchenspüle. Er isst nur Äpfel.
Ein Apfel pro Tag wird sie fernhalten.
Da spricht der Arzt, erinnere ich ihn.
Es ist alles das Gleiche.
Hier findet ihr unsere Originalstories. Manche davon findet ihr auch vertont unter der Miskatonic Avenue.
Während meine Großmutter Matzenknödelsuppe kochte, spielte ich auf dem großen gelben Feld. Sie summte vor sich hin und beobachtete mich vom Fenster aus. Sie hat es mir schon einmal gesagt: Geh nie in diesen Wald! Als sie sich umdrehte, ging ich dennoch weiter auf dem verbotenen Weg. Bäume, einst fern am Horizont, wuchsen über mich … Weiterlesen
Ich erwachte in meinem fensterlosen Turm, in dem es nach alten Büchern und Würmern roch, die sie befallen hatten, und fegte die bleichen, geflügelten Viecher aus meinen gelockten Haaren, wo sie sich eingenistet hatten. Ich schüttelte die seidigen Körper von mir, stand auf und starrte auf die weiße Kugel aus sanftem Licht, die knapp über … Weiterlesen
Es ist das erste Mal, dass Camille seine Knochensammlung sieht. Sie schlendert am Rand von Simons Bücherregal entlang und streicht mit ihren Fingern über die Exemplare in den Regalen. Die sanft beleuchteten Knochen erinnern sie an Muscheln, glatt und weiß, seidig unter ihrer Berührung. Kleine Tierschädel mit Zähnen, die scharf genug sind, um die Haut … Weiterlesen
Montag Grilt und Sly lagen auf zerbrochenen Felsen am oberen Rand eines steilen Abhangs, während die warme Morgenbrise über ihre kahlen Köpfe strich. Hinter ihnen erstreckten sich öde Bergrücken, die zu einer trockenen Ebene und einem harten Leben führten, in dem man von der Hand in den Mund lebte. Vor ihnen fiel die andere Seite … Weiterlesen
„Du hättest dir sicher was Besseres aussuchen können“, schnauzt sie. „Wie soll das die Leute hierher locken?“ „Jill, vertrau mir.“ Ich zwinkere ihr zu, während ich die letzten Styroporteile von der Figur wegblase. „Laughing Jack, wird sie schon zu uns reinlocken. Denk mal drüber nach. Das ist ein nettes nautisches Thema. Plastikkrabben und Hummer, Fischernetze … Weiterlesen
Mein Mann schreibt die Namen seiner neun Dämonen auf Post-it-Zettel und verbrennt sie in der Küchenspüle. Er isst nur Äpfel.
Ein Apfel pro Tag wird sie fernhalten.
Da spricht der Arzt, erinnere ich ihn.
Es ist alles das Gleiche.
Die Dame von ehrwürdigem Alter führte ihn die alte Holztreppe nach oben, und er verspürte einen Schauder der Begeisterung, endlich hier an diesem Ort zu sein, von dem er so oft geträumt hatte. Es war nicht leicht gewesen, das Geld zusammenzusparen, das ihn den Flug nach Paris ermöglicht hatte – aber er wusste in diesem Augenblick, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hatte. Sie erreichten den oberen Absatz und standen vor der Tür des berüchtigten Mansardenzimmers, wo die verblühte alte Dame zögerte, bevor sie den Schlüssel in das Schlüsselloch steckte.

Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.
2018 gab das Phantastikon die „Miskatonic Avenue“ heraus, eine Sammlung unheimlicher Geschichten in deutscher Erstübersetzung, gespickt mit einigen deutschsprachigen Autoren der Phantastik. 2014 sollte aus all den Übersetzungen und Einsendungen ein eigener Podcast werden, was aus verschiedenen Gründen wieder im Sande verlaufen ist. Aber die Geschichten waren bereits eingelesen und sollten dem interessierten Publikum nicht vorenthalten werden.
Um die Geschichten zugänglich zu machen, wurden sie jetzt in einer Compilation von annähernd einer Stunde zusammengefasst.
W.H. Pugmire – Geisterhafte Isolation
Adrian Chamberlin – Laughing Jack
Silke Brandt – Die Melancholie alles Verlorenen
Sylvia Heike – Die Knochen und ihr Mädchen
Noah Keller – Das Museum und die Musiktruhe
Alle Texte (bis auf „Die Melancholie des Verlorenen“) übersetzt von Michael Perkampus.
Alle Stories gelesen von Michael Perkampus (bis auf „Laughing Jack“. In dieser kurzen Geschichte übernimmt Gigi den weiblichen Part).
2018 gab das Phantastikon die „Miskatonic Avenue“ heraus, eine Sammlung unheimlicher Geschichten in deutscher Erstübersetzung, gespickt mit einigen deutschsprachigen Autoren der Phantastik. 2014 sollte aus all den Übersetzungen und Einsendungen ein eigener Podcast werden, was aus verschiedenen Gründen wieder im Sande verlaufen ist. Aber die Geschichten waren bereits eingelesen und sollten dem interessierten Publikum nicht vorenthalten werden.
Um die Geschichten zugänglich zu machen, wurden sie jetzt in einer Compilation von annähernd einer Stunde zusammengefasst.
W.H. Pugmire – Geisterhafte Isolation
Adrian Chamberlin – Laughing Jack
Silke Brandt – Die Melancholie alles Verlorenen
Sylvia Heike – Die Knochen und ihr Mädchen
Noah Keller – Das Museum und die Musiktruhe
Alle Texte (bis auf „Die Melancholie alles Verlorenen“) übersetzt von Michael Perkampus.
Alle Stories gelesen von Michael Perkampus (bis auf „Laughing Jack“. In dieser kurzen Geschichte übernimmt Gigi den weiblichen Part).
Die Burg stand auf einem steilen Hügel oberhalb der Stadt. Um den Fuß des Hügels verlief die äußere Burgmauer mit einem massiven Tor, und innerhalb dieses Tores befand sich das Haus des Arztes. Die Leute konnten sich dem Schloss nur nähern, indem sie durch die Tür seiner Praxis hineingingen, durch die Gartentür hinausgingen und hundert Stufen hinaufstiegen; aber niemand machte sich die Mühe, dies zu tun, weil es im Schloss angeblich spukte, und wer will schon hingehen und ein leeres altes Haus sehen, das in Trümmer fällt? Soll der Doktor doch selbst herumspazieren, wenn er will.
„Komm schon!“ Benns Stimme dröhnt in meinem Helm und es hört sich an, als befände er sich direkt neben mir, obwohl ich zwanzig Meter hinter ihm liege. Ich war noch nie gut im Laufen. Jetzt, bei niedriger Schwerkraft, bin ich noch schlechter. Regelrecht lahm.
Normalerweise würde ich ihm sagen, er soll die Klappe halten und sich gefälligst meinem Tempo anpassen. Wie jeden Abend werden wir den Sonnenuntergang von Dzilt erleben, der sich in einem sanften Blau vom silbernen Horizont des Planeten abhebt. Aber da ich weiß, was ich weiß, lege ich einen Zahn zu. Der große Kerl grinst hinter seinem Visierhelm, als ich den Hügel erreiche, atemlos und verschwitzt in meinem hautengen Anzug. Meine Brust hebt sich. „Du hast gewonnen“, schnaufe ich.
Der für PHANTASTIKON ausgewählte Auszug fiel zum Teil der Zusammenführung beider Texte zum Opfer, da die dort geschilderte Begegnung aus zwei verschiedenen Perspektiven dargestellt wurde. Er erscheint daher an dieser Stelle exklusiv.
Als Erich Stern in den Ruinen eines norditalienischen Klosters das Tagebuch seines Landsmannes Ernst Heinrichs findet, ahnt er nicht, dass dieses Entdeckung sein Leben verändern wird. Vor der surrealen Kulisse Venedigs durchlebt er Heinrichs bizarre Abenteuer und macht bald Entdeckungen, die ihn zum unfreiwilligen Protagonisten im TEATRO OSCURA machen.
Der alte Gort öffnete die Tavernentür persönlich und verabschiedete Viona Makanar mit einer tiefen Verbeugung, die nicht nur seine Knochenplatten laut krachen ließ, sie stellte zudem etwas dar, was die Gäste der Spelunke nicht alle Tage zu sehen bekamen. Jedoch lagen die meisten Blicke nicht auf der gekrümmten Gestalt des Glisk, sondern folgten der eleganten Frau, deren Präsenz sich aus dem Schankraum zurückzog wie das Meer vor einer Sturmflut.
Mit ihr schienen die Kerzen zu kleinen Stummeln zu schmelzen, deren Licht kaum mehr ausreichte, die vernarbten Bretter der Tische zu beleuchten. Der Qualm aus dutzenden Pfeifen und dem verrußten Kamin gewann dagegen an Festigkeit, als wollte er die schwindende Helligkeit durch seine eigene Herrschaft ersetzen.
Heute war Alfredo Moros großer Tag. Heute würde er Unsterblichkeit erlangen, wenn er das nicht schon längst gewesen wäre. In einer Stunde würde seine Privataudienz beim Papst beginnen. Eine unglaubliche Ehre für einen einfachen Priester.
Doch Alfredo Moro war kein einfacher Priester. Man konnte den gutaussehenden gebräunten Mittdreißiger mit den pechschwarzen nach hinten gekämmten Haaren und dem gewinnenden Lächeln getrost als höchst außergewöhnlich bezeichnen.
Das außergewöhnlichste an ihm war, dass von seinem Werdegang vor diesem denkwürdigen Tag, dem Samstag, den 6. Juni nichts bekannt war. Man wusste nur durch entsprechende Aufzeichnungen, dass Alfredo Moro bis vor vier Jahren das Priesterseminar in Augsburg besucht hatte. Niemand aus seinem Jahrgang konnte sich später an den Mann erinnern, obwohl sein angenehmes, verbindliches Auftreten eigentlich hätte im Gedächtnis bleiben müssen.
Ihre lustigen Lachfältchen waren zu meinem Vergnügen verschwunden. Ich korrigiere. Wahre Freude empfand ich nur bedingt, als ich sie dort unten liegen sah, skurill verdreht wie eine häßlich gekleidete Gummipuppe in ihrem getupften Kittelkleid, der man die Beine um den Hals hätte knoten können, ohne, dass sie aufmuckt. Ich war nicht spontan zufrieden, ich war besorgt um mich.
Es wäre durchaus möglich gewesen, dass sie noch lebt, ihre kaputten Knochen ignoriert und mich frech anglotzt, herum keift und geifert. Das wäre die Hölle gewesen, ich hätte widerwillig das Kissen benutzen müssen, das ich in meinen Rucksack gestopft hatte. Nur für den Fall. Aber Grete Schnieder brauchte nicht erstickt zu werden, das blieb ihr erspart, gottlob für uns beide, ich bin auf dem Gebiet recht ungeübt, und es hätte mir nicht gut getan, mich noch weiter mit ihrem korrekten Ableben beschäftigen zu müssen.
(Diese kurze Geschichte, die uns der Schriftsteller Guido Rohm zur Verfügung stellte, erschien im letzten Jahr an der Seite von Thomas Ligottis “The Old Shelters” in der Zeitschrift “Die Novelle”. Wir können sie durchaus als kleine Conte Cruel durchgehen lassen.)