Das geheimnisvolle Mondgesicht

Alfred E. Neumann
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 98: Das geheimnisvolle Mondgesicht des Alfred E. Neumann
byMEP

Alfred E. Neumann ist eine der geheimnisvollsten Figuren der gesamten Popkultur. Über seine genau Herkunft ist wenig bekannt, allerdings tauchte er im Laufe der Geschichte schon lange an den ungewöhnlichsten Orten auf, bevor er zum Maskottchen der Satirezeitschrift MAD wurde.

Musik: Night in Venice – Kevin MacLeod

Alfred E. Neumann ist eine der geheimnisvollsten Figuren der gesamten Popkultur. Über seine genau Herkunft ist wenig bekannt, allerdings tauchte er im Laufe der Geschichte schon lange an den ungewöhnlichsten Orten auf, bevor er zum Maskottchen der Satirezeitschrift MAD wurde.

Die berühmte Postkarte, die Norman Mingo als Vorlage zu seiner Version von Alfred E. Neumanns hernahm.

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Der Geist des Schicksals in Charles Dickens „Der Bahnwärter“

Die Geistergeschichten von Charles Dickens, der für seinen charismatischen Witz, seine Ironie und seine Satire berühmt ist, waren oft typisch für die viktorianische Ästhetik des Übernatürlichen – schaurig, aber charmant -, doch seine berühmteste kurze Geistergeschichte widersetzte sich den Konventionen, schockierte die Leser und verstört sie bis heute. Der Grund dafür mag in der persönlichen … Weiterlesen

Der Wechselbalg

Wechselbalg
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 85: Der Wechselbalg
byMEP

Der Wechselbalg wird oft mit dem Gestaltwandler verwechselt oder gar in einen Topf geworfen. Die einzige Ähnlichkeit besteht vielleicht in der Täuschung durch eine spezifische Form, aber die Vorgehensweisen und Absichten sind doch sehr verschieden.

Im Mittelalter hatten die Eltern ständig Angst vor den Wechselbälgern. In alten Quellen werden sie auch als Tölpel bezeichnet. Ein Wechselbalg war eine Kreatur, die den Platz eines menschlichen Kindes einnahm und das eigentliche Kind oft sterben ließ. Diese Kreaturen konnten sich angeblich in jede beliebige Form verwandeln, ähnelten ihren Opfern aber nur oberflächlich.

Der Wechselbalg wird oft mit dem Gestaltwandler verwechselt oder gar in einen Topf geworfen. Die einzige Ähnlichkeit besteht vielleicht in der Täuschung durch eine spezifische Form, aber die Vorgehensweisen und Absichten sind doch sehr verschieden.

Im Mittelalter hatten die Eltern ständig Angst vor den Wechselbälgern. In alten Quellen werden sie auch als Tölpel bezeichnet. Ein Wechselbalg war eine Kreatur, die den Platz eines menschlichen Kindes einnahm und das eigentliche Kind oft sterben ließ. Diese Kreaturen konnten sich angeblich in jede beliebige Form verwandeln, ähnelten ihren Opfern aber nur oberflächlich.

P.J. Lynch

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Die seltsamen Geschichten des Robert Aickman

Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 84: Die seltsamen Geschichten des Robert Aickman
byMEP

Robert Aickman ist selbst in seinem Heimatland England ein vergessener Autor. Der 1914 geborene und 1981 an Krebs gestorbene Schriftsteller ist für Peter Straub der “tiefgründigste Verfasser” von Horrorstories des 20. Jahrhunderts. Eine Leserschaft, die ihn über den Kultstatus hinaus brachte, fand er zu seinen Lebzeiten nicht. Der  renommierte britische Verlag Faber & Faber hat das zu Aickmans Hundertsten Geburtstag 2014 geändert und veröffentlichte eine Sammlung seiner lang nicht mehr in Druck befindlichen Erzählungen.

Robert Aickman ist selbst in seinem Heimatland England ein vergessener Autor. Der 1914 geborene und 1981 an Krebs gestorbene Schriftsteller ist für Peter Straub der “tiefgründigste Verfasser” von Horrorstories des 20. Jahrhunderts. Eine Leserschaft, die ihn über den Kultstatus hinaus brachte, fand er zu seinen Lebzeiten nicht. Der  renommierte britische Verlag Faber & Faber hat das zu Aickmans Hundertsten Geburtstag 2014 geändert und veröffentlichte eine Sammlung seiner lang nicht mehr in Druck befindlichen Erzählungen.

Robert Aickman
Robert Aickman; (c) R. B. Russel

Bei uns brachte der DuMont-Verlag zu Beginn der 1990er Jahre zwei schmale Büchlein mit willkürlich zusammengestellten Geschichten heraus und bis zum heutigen Tag galt es als ziemlich unwahrscheinlich, dass wir mehr von diesem brillanten Autor bekommen. Doch manchmal geschehen tatsächlich Wunder, und so hat sich der Festa-Verlag der Sache angenommen und bringt in 6 Bänden die Werke des englischen Genies heraus.

48 strange stories, wie er seine Geschichten selbst nannte, sind von Robert Aickman bekannt. Für seine “Pages from a Young Girl’s Journal” bekam er 1975 den World Fantasy Award.

Um Aickman zu verstehen, muss man viel Aickman lesen. Laird Barron sagte, dass dies Arbeit bedeute. Man kehrt zu seinen Geschichten zurück, sucht nach einem Zugang, einer Nahtstelle oder dem versteckten Haken. Und sobald man ihn glaubt, gefunden zu haben, wird man später, wenn man wieder zu diesen Geschichten zurückkehrt, bemerken, dass sich alles verändert und verschoben hat. Aickman ist einer jener raren Autoren, die einen Virus im Gehirn hinterlassen. Mit diesem Autor zu interagieren, bedeutet, eine Art der Quantenverschränkung zu erleben. Seine Geschichten nehmen das Unterbewusstsein und mutieren es in einer Weise wie es die Aufgabe transgressiver Literatur ist.

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Der Ursprung der Geister

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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 73: Der Ursprung der Geister
byMEP

Seit der Mensch sich seiner selbst bewusst ist, scheint er sich auch der Geister bewusst zu sein. Die Vorstellung von Geistern, aber auch von Geistergeschichten, findet sich bereits in den Anfängen der Menschheitsgeschichte und fasziniert uns seit Generationen. Ein Rascheln im Gebüsch, ein knarrendes Geräusch und die mit unserem Überlebensinstinkt verbundene Angst lassen uns Dinge sehen oder spüren, die vielleicht gar nicht da sind.

Seit der Mensch sich seiner selbst bewusst ist, scheint er sich auch der Geister bewusst zu sein. Die Vorstellung von Geistern, aber auch von Geistergeschichten, findet sich bereits in den Anfängen der Menschheitsgeschichte und fasziniert uns seit Generationen. Ein Rascheln im Gebüsch, ein knarrendes Geräusch und die mit unserem Überlebensinstinkt verbundene Angst lassen uns Dinge sehen oder spüren, die vielleicht gar nicht da sind.

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Die Anfänge der Schauerliteratur

Schauerliteratur

Gleich zu Beginn müssen wir zunächst über eine übersetzungstechnische Definition sprechen. Schauerliteratur meint hier Gothic Fiction. Das ist – wie so oft – kein adäquater Ersatz, soll uns aber hier vorerst genügen. Was genau ist Schauerliteratur?  Und auch hier stellen wir fest, dass es keine konkrete Definition gibt, ob wir das Genre nun Gothic nennen … Weiterlesen

Burke & Hare – Die Leichenräuber

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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 63: Die Leichenräuber Burke & Hare
byMEP

Frische Leichen waren im Schottland des 19. Jahrhunderts eine begehrte Ware. Mit den Fortschritten in der modernen Medizin stieg auch die Nachfrage nach Leichen für die Forschung und den Anatomieunterricht, vor allem in Edinburgh, wo mehrere Pioniere der Anatomie ansässig waren. Allerdings sah sich die Ärzteschaft mit einem Kadavermangel konfrontiert – die einzigen Leichen, die legal seziert werden durften, waren die von Kriminellen, Selbstmordopfern und nicht abgeholten Waisenkindern.

#leichenräuber #mörder #schottland

Frische Leichen waren im Schottland des 19. Jahrhunderts eine begehrte Ware. Mit den Fortschritten in der modernen Medizin stieg auch die Nachfrage nach Leichen für die Forschung und den Anatomieunterricht, vor allem in Edinburgh, wo mehrere Pioniere der Anatomie ansässig waren. Allerdings sah sich die Ärzteschaft mit einem Kadavermangel konfrontiert – die einzigen Leichen, die legal seziert werden durften, waren die von Kriminellen, Selbstmordopfern und nicht abgeholten Waisenkindern.

Was sollte ein Anatom tun, wenn das legale Angebot an Leichen in Schottland versiegte? Nun, einige besorgten sich ihre Leichen von Grabräubern. Andere wendeten sich einer noch einfallsreicheren Lösung zu: Mord. Hier kamen die berüchtigten Mörder Burke und Hare ins Spiel, die sich gerne zur Verfügung stellten.

Damals wurden die Leichendiebe, die frisch begrabene oder noch nicht begrabene Leichen von den örtlichen Friedhöfen stahlen und an Anatomieschulen verkauften, als Auferstehungsmänner bezeichnet. Obwohl die Auferstehungshelfer eine kurze Blütezeit erlebten, wurde die Öffentlichkeit bald auf sie aufmerksam. Um zu verhindern, dass der Leichnam eines geliebten Menschen gestört wurde, ergriffen die Familien eine Reihe von Maßnahmen: Sie stellten Wachen ein, die auf den Friedhöfen patrouillierten, errichteten Wachtürme und bauten Mortsafes, also eiserne Käfige, die die Grabstätten abdeckten.

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Die Tanzwut

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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 52; Die Tanzwut
byMEP

In den Annalen der Geschichte gibt es einige Ereignisse, die sich einer rationalen Erklärung entziehen. Ein solches Ereignis ist die Tanzwut von 1518. Während dieses bizarren Ereignisses begannen mehrere Menschen in Straßburg unkontrolliert zu tanzen, und einige tanzten sich sogar zu Tode. Das Phänomen dauerte etwa einen Monat lang an und ist bis heute ein faszinierendes Rätsel.

#tanzwut #veitstanz #geschichte #mittelalter

In den Annalen der Geschichte gibt es einige Ereignisse, die sich einer rationalen Erklärung entziehen. Ein solches Ereignis ist die Tanzwut von 1518. Während dieses bizarren Ereignisses begannen mehrere Menschen in Straßburg unkontrolliert zu tanzen, und einige tanzten sich sogar zu Tode. Das Phänomen dauerte etwa einen Monat lang an und ist bis heute ein faszinierendes Rätsel.

Die Tanzwut von 1518 begann im Juli, als eine Frau namens Troffea in den Straßen von Straßburg (damals eine freie Stadt im Heiligen Römischen Reich, heute in Frankreich liegend) eifrig zu tanzen begann. Was als einsamer Akt begann, entwickelte sich bald zu etwas viel Größerem. Frau Troffea tanzte erstaunliche 6 Tage lang ununterbrochen und zog die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Das wirklich Bemerkenswerte war jedoch, dass sich ihr bald andere anschlossen, die dem Zwang, sich in einem unsichtbaren Rhythmus zu wiegen, nicht widerstehen konnten.

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Spring-Heeled Jack

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Episode 31: Spring-Heeled Jack
byMEP

Ende 1837 begann sich um Clapham in Südlondon eine Welle der Panik auszubreiten. Etwas Schreckliches taumelte aus dem Nebel und überfiel die Anwohner. Eine ältere Dame, die den Friedhof von Clapham besuchte, war eine der ersten, die auf die beängstigende Gestalt traf. In einen dunklen Umhang gehüllt, mit einem Hut, der über das Gesicht gezogen war, sah sie, wie er einen unmöglichen Sprung über den hohen Zaun machte und in der Dunkelheit verschwand.

Ende 1837 begann sich um Clapham in Südlondon eine Welle der Panik auszubreiten. Etwas Schreckliches taumelte aus dem Nebel und überfiel die Anwohner. Eine ältere Dame, die den Friedhof von Clapham besuchte, war eine der ersten, die auf die beängstigende Gestalt traf. In einen dunklen Umhang gehüllt, mit einem Hut, der über das Gesicht gezogen war, sah sie, wie er einen unmöglichen Sprung über den hohen Zaun machte und in der Dunkelheit verschwand.

Etwa zur gleichen Zeit berichtete ein junges Mädchen namens Mary Stevens von einer Begegnung mit derselben seltsamen Gestalt. Sie tat einen riesigen Sprung aus einer dunklen Gasse, griff das Mädchen an und riss ihre Kleidung mit ihren kalten, feuchten Krallen auf. Das Mädchen schrie um Hilfe und die Kreatur floh. In der nächsten Nacht sprang eine ähnliche Figur auf einen Pferde-Bus zu, der daraufhin verunglückte. Mehrere Zeugen sahen, wie das Wesen das Weite suchte, indem es über eine 3 Meter hohe Wand sprang und mit einem schrillen Lachen in der Ferne verschwand.

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Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 27: Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
byMEP

Basiert Sweeney Todd auf einer wahren Geschichte oder ist er nur eine Figur, die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?

Basiert Sweeney Todd auf einer wahren Geschichte oder ist er nur eine Figur, die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?

Ich bin sicher, ihr habt alle schon einmal von ihm gehört. Sweeney Todd, der teuflische Barbier der Fleet Street. Sein Friseurstuhl war auf geniale Weise präpariert, denn nachdem Todd einem Kunden die Kehle durchgeschnitten hatte, bediente er einen Bolzen, der die Leiche rückwärts durch eine Falltür schickte, die in den Keller führte. Dort wurden die Opfer zu Fleischpastete verarbeitet, die in der angrenzenden Konditorei verkauft werden sollte. Geleitet wurde das Geschäft von einer Mrs Lovett, deren Vorname – je nachdem, wer die Geschichte erzählt – variiert.

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Die Geschichte des Kriminalromans

Crime
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Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 19: Geschichte des Kriminalromans
byMEP

Ein Überblick, wie das Genre der Kriminalliteratur (kurz: Krimi) entstanden ist, was seine Vorläufer waren und wie es sich entwickelt hat.

Genrebeschreibungen sind selten eine klare Sache, aber nur deshalb kann man darüber diskutieren. Wäre immer alles klar und für jeden ersichtlich, würde ein Lexikoneintrag genügen und die Sache wäre erledigt. Heute widmen wir uns dem wohl beliebtesten literarischen Genre überhaupt. Dem Kriminalroman.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es niemals eine erschöpfende Aussage über ein Genre geben kann, und so ist auch dies nur ein kleiner Überblick.

Es gibt so viele verschiedene Arten von Kriminalromanen, dass bereits in den 1920er Jahren eine der ersten „Queens of Crime“, Dorothy L. Sayers, darüber klagte:

„Es ist unmöglich, den Überblick über all die Krimis zu behalten, die heute produziert werden. Buch um Buch, Zeitschrift um Zeitschrift strömt aus der Presse, vollgestopft mit Morden, Diebstählen, Brandstiftungen, Betrügereien, Verschwörungen, Problemen, Rätseln, Geheimnissen, Nervenkitzel, Verrückten, Gaunern, Giftmischern, Fälschern, Würgern, Polizisten, Spionen, Geheimdienstlern, Detektiven, bis es scheint, als müsse die halbe Welt damit beschäftigt sein, Rätsel zu erfinden, damit die andere Hälfte sie lösen kann.“

Dorothy L. Sayers

Beginnen wir unseren kleinen Rundgang jedoch mit einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Rätselgeschichte und Kriminalroman, bevor wir uns einigen historischen Daten zuwenden.

Wenn man sich nicht ausschließlich auf die deutsche Terminologie beschränkt, ist es von vornherein angebracht, die hierzulande gebräuchlichen Gattungsbezeichnungen fast ausnahmslos zu verwerfen. Englisch ist die literarische Leitsprache der Populärliteratur, daran ändern auch länderspezifische Besonderheiten nichts. Ein Beispiel von vielen ist die „Mystery Fiction“, also die „Rätselgeschichte“, die hierzulande kaum als Begriff verwendet wird. Stattdessen wird der englische Begriff “Mystery” beibehalten und für eine Form der phantastischen Erzählung verwendet, die eigentlich der Weird Fiction nahe steht, während “Mystery Fiction” zur Kriminalliteratur wird. Diese wäre eigentlich Crime Fiction, die sich wiederum von der Mystery Fiction unterscheidet.

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Wie Ziegen den Kaffee erfanden

Journal

In einer Welt, die vom Alltagstrott gefangen gehalten wird, gibt es ein Getränk, das seit Jahrhunderten unsere Sinne erweckt und die Flamme unserer Leidenschaften entfacht. Dieses geheimnisvolle Elixier, kein geringeres als der Kaffee, hat Revolutionen befeuert, Künstler inspiriert und Menschen in stiller Einkehr zusammengeführt. Aus einer schlichten äthiopischen Beere entsprungen, hat es sich zu einem globalen Phänomen entfaltet, gehüllt in Rätsel und erfüllt von tiefgründiger Vielschichtigkeit.

Die Legende besagt, dass Honoré de Balzac, der französische Autor der menschlichen Komödie, bis zu 50 Tassen Kaffee am Tag trank, um sich in einen Rausch der Kreativität zu versetzen. Gekleidet in die weiße Kapuze eines Dominikanermönchs, ausgerüstet mit Tinte, Federkiel und einem endlosen Vorrat an Kaffee, begann Balzac seinen Schreibtag um 2 Uhr morgens und verließ seinen Schreibtisch nur, um sich um seine persönliche Limoges-Cafetière – eine Kanne mit Stövchen – zu kümmern, die seinen starken Kaffee während seiner langen Schreibnächte warm hielt. Er brauchte 15 Tassen oder mehr, um diese Schreibanfälle überhaupt zu stillen.

Balzacs berühmte Kaffeekanne

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Die Vampirin vom Amazonas

Habt ihr schon einmal von Marie Camille Monfort gehört?

Im Juni 2023 tauchten in den sozialen Netzwerken Bilder einer angeblichen lyrischen Sängerin auf, die Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hatte, aus Frankreich eingewandert war und sich in der brasilianischen Stadt Belém do Pará niedergelassen hatte.

Die Geschichte für diejenigen, die sie nicht gelesen haben, lautet wie folgt:

CAMILLE MONFORT, DIE VAMPIRIN DES AMAZONAS

Camille

Im Jahr 1896 erlebte Belém durch den weltweiten Kautschukhandel einen Aufschwung, der die Grundbesitzer über Nacht bereicherte. Sie errichteten ihre reichen Paläste mit Materialien aus Europa.

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Robert Johnson – Pakt mit dem Teufel

Dies ist die Legende von Robert Johnson, einem armen Bluesgitarristen, der um Mitternacht an eine Kreuzung ging und einen Pakt mit dem Teufel schloss, um der beste Bluesmusiker aller Zeiten zu werden.

Tief im Mississippi-Delta, inmitten von Voodoo und okkulten Praktiken, auf einem einsamen Feldweg, fand Robert Johnson nach Einbruch der Dunkelheit zu seinem Talent und veränderte die Musikgeschichte für immer. Der Begriff Crossroads beschreibt wörtlich den Ort, an dem sich die Wege zweier verschiedener Straßen kreuzen. Kreuzungen wurden schon immer mit kulturellem Aberglauben und magischen Einflüssen in Verbindung gebracht. Feen, Hexen, Trolle, Geister und Dämonen sollen sich an weniger befahrenen Kreuzungen manifestieren, um dort ihren dunklen Geschäften nachzugehen. Geisterkreuzungen werden seit langem für das seltsame Verschwinden von Reisenden verantwortlich gemacht. Gespenstische Reiter, dunkle Gestalten und bedrohliche Wesen wurden an einsamen Kreuzungen kurz nach Sonnenuntergang gesehen.

Legenden aus dem tiefen Süden der USA besagen, dass Kreuzungen Orte sind, an denen Pakte mit dem Teufel geschlossen werden können oder an denen Wettkämpfe ausgetragen werden, um Pakte mit einer bestimmten Seele zu schließen. Eine alte Legende besagt, dass die verlorenen Seelen von Selbstmördern an einer Kreuzung gefangen bleiben. In der Nacht von Halloween am 31. Oktober erscheinen die Seelen der Toten und können an der Kreuzung beschworen werden. Die berühmteste Kreuzungslegende stammt aus der Delta-Stadt Greenwood in Mississippi. Jahrhunderts war die Sklaverei bereits seit Jahrzehnten abgeschafft. Doch das Leben im Delta war für die ehemaligen Sklaven und ihre Familien oft ebenso bedrückend wie das Sklavenleben zuvor.

Adam Smith, Photo Guide; Crossroads

Die ehemaligen Sklaven waren freie Männer und Frauen, aber die meisten von ihnen, die um die Jahrhundertwende noch nicht in den Norden gezogen waren, arbeiteten immer noch als Sharecroppers auf den Plantagen der Südstaaten. Sie arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf den Baumwollfeldern und verrichteten in glühender Hitze Schwerstarbeit, für die sie fast kein Geld erhielten. In dieser Zeit suchten die hart arbeitenden Menschen nach Möglichkeiten, dem grausamen und quälenden Dasein im Delta zu entkommen. Kirchenlieder, Gedichte und Arbeitslieder wurden zum musikalischen Zeitvertreib. Damals ahnte noch niemand, dass im Mississippi-Delta ein Musikstil geboren wurde, der die Welt revolutionieren sollte. Rhythm and Blues. In den Vororten der Städte entstanden Bars, die Juke Joints. Juke Joins waren Orte, an denen die Feldarbeiter am Wochenende Whiskey tranken, Kontakte knüpften und Blues hörten.

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Ein Toast auf Edgar Allan Poe

Zu Jahresbeginn ist der Himmel in Baltimore stets bewölkt, es ist kalt, und Schnee perlt aus einem dunklen Himmel. Im Schrank hängt eine nicht zu verachtende Garderobe, aber das darf es heute nicht sein, heute hat der etwas abgetragene Mantel seine große Stunde. Auf dem Kaffeetisch liegt ein Band der von James Albert Harrison herausgegebenen siebzehn Bände umfassenden Reihe der Complete Works of Edgar Allan Poe von 1902.

Die Nacht senkt sich schnell, es ist die perfekte Bühne für einen namenlosen Mann, der sich wie jedes Jahr am 19. Januar in einer frostigen Nacht aufmacht, um auf dem alten Westminster-Friedhof drei Rosen und eine Flasche Cognac auf das Grab der berühmten Gedenkstätte zu legen. So geheimnisvoll wie der Unbekannte er gekommen ist, verschwindet er auch wieder. Vielleicht ist sein Kopf angefüllt mit Gedichten, die einen unglaublichen Klang besitzen, wenn man sie laut ausspricht. Wie Zaubersprüche, nur noch wirksamer.

Once upon a midnight dreary, while I pondered, weak and weary…
Mitternacht umgab mich schaurig, als ich einsam, trüb und traurig…

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Die Blutlust der Elizabeth Bathory

Im Abendlicht bog sich das nur schemenhaft zu erkennende Gebäude in die Länge. Das im Nebel liegende Anwesen selbst verlor sich im Nichts der Karpaten. Der Horizont wurde beherrscht von einer drohenden, schwerfälligen Masse unbestimmter Formen, die kaum mehr von einer vergeblichen Sonne durchdrungen werden konnte. Jahrmillionen alte Berge bissen in das weiche, fahle Himmelsfleisch und bildeten einen Klumpen konzentrierter Bösartigkeit.

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Fantasy: Eine Blaupause für die Welt

Fantasy

Die Fantasy hat ihre symbolischen Krallen in uns alle geschlagen. Ihre Ursprünge sind uralt, sie wurzeln in der isländischen Edda und in altenglischen Dichtungen wie Beowulf. Sie ist Shakespeare verpflichtet, den Abenteuererzählungen des 18. Jahrhunderts, der Gotik, der Romantik, dem Mittelalter der Präraffaeliten und dem Fin de siècle. Als eigenständiges Genre trat sie jedoch erst in Erscheinung, als Autoren wie George Macdonald (1824-1905), William Morris (1834-1896) und Lord Dunsany (1878-1957) die phantastische Erzählung populär machten. Zusammen mit einigen anderen Autoren legten sie den Grundstein für die Konzepte der Fantasy, die später von J.R.R. Tolkien zur Epic Fantasy zusammengefügt wurden.

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