Steven Erikson: Deadhouse Gates (Malazan #2)

Literatur

Deadhouse Gates ist das zweite Buch in Steven Eriksons epischer Fantasy-Serie The Malazan Book of the Fallen. Es wurde von Blanvalet in die beiden Teile Im Reich der Sieben Städte und Im Bann der Wüste gespalten. Hier gibt es das Vorgespräch zum Spiel der Götter. (Interessant anbei ist der Blurb von Glen Cook auf dem Umschlägen, einem Autor, der noch von keinem deutschen Verlag vollständig ins Deutsche übersetzt werden konnte).

Wenn es etwas gibt, das man über Steven Erikson sagen kann, dann, dass er keine Angst hat, Risiken einzugehen. Die Gärten des Mondes war ein Roman, der sich weigerte, seine Vision aufzugeben, auch wenn das bedeutet, dass viele Leser Mühe haben werden, mit ihr Schritt zu halten. Deadhouse Gates, das zweite Buch in der Serie Malazan Book of the Fallen, erfordert vom Leser ähnliche Zugeständnisse, aber es sind Zugeständnisse anderer Art. Am Ende von Die Gärten des Mondes gibt es eine ganze Menge narrativer Impulse, in in den Konflikt mit der Pannionischen Domäne führen, die aber erst im dritten Buch – Memories of Ice – aufgenommen werden. Stattdessen lässt Deadhouse Gates fast alle Charaktere aus dem ersten Buch zurück, zugunsten einer anderen Geschichte, die auf einem anderen Kontinent spielt.

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Robert Jordan: Die Suche nach dem Auge der Welt (Rad der Zeit #1)

Literatur
Auge der Welt

Es wird Zeit über eine der erfolgreichsten Fantasy-Serien überhaupt zu sprechen. Es gibt nicht wenige Leser, die über all die Jahrzehnte von den tiefgreifenden Auswirkungen sprechen, die das Epos auf sie hatte. Das hört sich natürlich erst einmal ziemlich pathetisch an, aber es ist bei näherem Nachdenken dann doch seltsam passend, über die kapriziösen Wendungen des Schicksals des eigenen Lebens und in diesen Büchern nachzudenken. Tatsächlich kann man nämlich behaupten, dass das Schicksal in der epischen Fantasy eine prominente Stelle besetzt.

Es ist nicht selten das, wonach wir uns in Geschichten sehnen, dieses Gefühl der Mustererkennung. Wir wollen das Signal inmitten des Rauschens finden, die Synchronizität in der Zufälligkeit; wir wollen die Gewissheit, dass (zumindest in der Geschichte) alles etwas zu bedeuten hat.

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Fairy Tale / Stephen King

Literatur
Fairy Tale Cover

Wenn ein Roman in jüngster Zeit sich gut in das hier besprochene Stephen-King-Multiversum einfügt, dann ist es dieser, den man am ehesten im King-Kanon in eine Reihe mit „Die Augen des Drachen“, die Romane um den dunklen Turm, dem Talisman oder „The Wind through the Keyhole“ (bei uns „Wind“) stellen kann.

Die alternative Märchenwelt des Buches kombiniert Grimmsche Märchenelemente mit Lovecraftschem kosmischem Horror, aber es dauert eine Weile, bis man dort ankommt. Charlie Reade, der Protagonist des Buches, beginnt seine Reise durch den Weltbrunnen erst nach etwa einem Viertel des Buches. Zunächst aber baut King das sorgfältige Porträt von Charlies Leben in der kleinen Stadt Sentry in Illinois auf. Dann aber fließt alles von Rumpelstilzchen bis zu den drei kleinen Schweinchen über Star Wars und den Hunger Games in diese mitreißende Coming-of-Age-Geschichte, die eine Erzählung von menschenfressenden Riesen, elektrischen Zombies, Duellen auf Leben und Tod, einem grausamen Herrscher und einer schönen Prinzessin umspannt.

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Maria Grund: Fuchsmädchen

Das mit Spannung erwartete Debüt Fuchsmädchen von Maria Grund ist im Januar bei Random House erschienen. Die Autorin, die ursprünglich aus Stockholm stammt, derzeit aber auf Gotland lebt, ist vor allem Drehbuchautorin und hat zuvor hauptsächlich in der Film- und Medienbranche gearbeitet, unter anderem viele Jahre als Redakteurin für das britische Medienunternehmen The Smalls, bevor sie nach Schweden zurückkehrte. Von der Swedish Academy of Crime Fiction als bestes Debüt des Jahres 2020 ausgezeichnet, standen die Türen für die Autorin offen und das internationale Interesse an der Übersetzung war ungewöhnlich hoch. Für alle NordicNoir-Begeisterten dürfte Fuchsmädchen durchaus ein Leckerbissen sein, und auch wenn die Zutaten nicht in eine neue Richtung ausschlagen, sondern ein handelsübliches Setting beherbergen, macht Maria Grund ein paar entscheidende Dinge anders, die dann auch für klassische Krimiliebhaber interessant sein könnten.

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Billy Summers / Stephen King

Literatur

In einer begeisterten Rezension schrieb John Dugdale von der Sunday Times: „Diszipliniert, aber abenteuerlich, gleichermaßen gut in Actionszenen und tiefgründiger Psychologie, zeigt King mit diesem Roman, dass er mit 73 Jahren ein Schriftsteller ist, der wieder auf der Höhe seines Könnens agiert.“

Neil McRobert vom Guardian nannte es Kings „bestes Buch seit Jahren“ und lobte seine „eigene Art eines kräftigen, übersteigerten Realismus“.

Seit fünf Jahrzehnten dominiert Stephen King das literarische Erzählen und mit Billy Summers wandert dieser einzigartige Autor weiter auf jenem Pfad, der schon länger vorhanden ist, den er aber mit „Mr. Mercedes“ eindeutig eingeschlagen hat.

Stephen King kennt das Verbrechen. Er ist mit Pulp-Legenden wie Richard Stark und John D. MacDonald aufgewachsen. Um die Wahrheit zu sagen: er war schon immer ein wirklicher Noir-Fan.

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Die 20 besten Vampir-Bücher aller Zeiten

Literatur

Es gibt eine wahre Schwemme an Vampirbüchern da draußen. Um ehrlich zu sein, taugen die meisten nicht viel, auch wenn sie zu Bestsellern wurden. Doch wenn man an das richtige Buch gerät, macht der Vampirmythos wieder Spaß. Wir haben 20 nennenswerte Bücher über  Blutsauger (die manchmal auch Teil einer Serie sind) herausgesucht, die unserer Meinung nach zur Spitze der Vampirliteratur gehören. Auf eine Platzierung wird verzichtet, weil die Zeitspanne der Entstehungsgeschichten zu weit auseinander liegt, um sie sinnvoll gegeneinander abzuwägen. In diesem Sinne ist diese Liste als Aufzählung zu verstehen.

1. George R. R. Martin – Fiebertraum (Heyne)

Fiebertraum

Martin ist nicht nur der Schöpfer von „Ein Lied aus Eis und Feuer“, sondern unter anderem auch der Autor dieser blutigen wie faszinierenden Geschichte, die sich um Abner Marsh dreht, einen Bootskapitän auf dem mächtigen Mississippi, der im Jahre 1857 ein ungewöhnliches Angebot von einem Fremden erhält. Wenn es auf einem völlig gesättigten Markt  ein „Vampir“-Buch gibt, das man unbedingt lesen sollte, dann ist es dieses hier. Das Setting ist völlig exotisch, die Charaktere herausragend und komplex gezeichnet. Wer immer auf der Suche nach einem exzellenten Vampir-Roman ist, hat ihn hiermit gefunden.

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Stephen King Re-Read: Nachtschicht

Literatur

Zu Beginn seiner Karriere wollte niemand wollte eine Kurzgeschichtensammlung von Stephen King veröffentlichen. Als aber Shining, sein erster Hardcover-Schlager, gleich nach Carrie einschlug wie eine Bombe, begann seine Karriere auf Hochtouren zu laufen. Doubleday hatte King unter Vertrag und verlangte einen weiteren Roman im folgenden Jahr, aber King war mit einem Buch zugange, von dem es schien, als könne er es niemals beenden: Das letzte Gefecht. Ohne vorhersagen zu können, wie lange er noch brauchen würde, schlug er seinem Verlag vor, eine Sammlung mit Kurzgeschichten herauszugeben, die er für verschiedene Magazine wie Cavalier, Penthouse und Cosmopolitian geschrieben hatte, zusammen mit einem Vorwort von King selbst und vier neuen Storys.

Zwanzig Geschichten also, die über mehr als ein Jahrzehnt hinweg geschrieben wurden, einige davon bereits als King erst 22 Jahre alt war. Das wurde widerwillig akzeptiert, und so erschien das Buch ohne Cover-Artwork in einer ersten Auflage von 12 000 Exemplaren. Das Buch beginnt und endet mit zwei Geschichten, die den in Brennen muss Salem etablierten Mythos ergänzen. Die erste, „Briefe aus Jerusalem„, kann man durchaus als Vorgeschichte zu Salem’s Lot lesen und ist eine Verneigung vor H.P Lovecrafts Cthulhu-Mythos. Der Schauplatz könnte durchaus auch Innsmouth sein. Angesiedelt im Jahre 1850 erzählt die Geschichte von einem uralten Übel, das in einer kleinen verlassenen Stadt gefunden wird, die der Vorfahre des Erzählers und sein Diener dort entdecken. Der Nachkomme, der uns die Geschichte erzählt, ist dazu verdammt, die Fehler seines Vorfahren zu wiederholen. King hat später oft und gerne „Pastiches“ geschrieben, d.h. Erzählungen in Anlehnung an einen bekannten Stil. Ich denke da an Arthur Conan Doyle oder Raymond Chandler. Auch ist die Briefform ein beliebtes stilistisches Manöver des 19ten Jahrhunderts gewesen, um einem Sachverhalt den Anstrich von Realität einzuhauchen.

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Hexenvolk / Fritz Leiber

Er war ein brillanter Schachspieler, Prediger, Lehrer, ein Meister im Fechten, Theaterschauspieler (vornehmlich für Shakespeare-Rollen), und hatte sogar einen Film mit Greta Garbo zusammen gedreht. Der große Wurf allerdings gelang ihm im Zusammenhang mit einem Spiel: Dungeons & Dragons, dem Klassiker des Rollenspiels, für das die bahnbrechende epische Heldengeschichte von Fafhrd und dem Grauen Mausling Pate stand. Bis heute sind deren Abenteuer die bekanntesten Geschichten des großen amerikanischen Autors.

Dabei legte Leiber den Fokus gar nicht so sehr auf das Schreiben, begann damit erst in seinem dreißigsten Lebensjahr, freilich unter dem Einfluss von Autoren wie Lovecraft (der sein Mentor wurde), Carl Jung, Robert Graves oder Joseph Campbell.

Sein Debut, Conjure Wife (Die zaubernde Ehefrau; übersetzt mit “Hexenvolk”, ungekürzt erschienen in der Edition Phantasia – siehe Artikelende) erblickte 1943 das Licht der Welt und gilt heute als eines der einflussreichsten Werke moderner Horror-Literatur. Alle paar Jahrzehnte kommt es zu einer filmischen Adaption (1944, 1961 u. 1980). United Artist hat sich die Rechte an einer vierten Variante gesichert.

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Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle / Stuart Turton

Literatur

Stuart Turtons Debütroman „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ ist ein origineller, hochkomplexer Kriminalroman, der als eine Mischung aus Robert Altmans Gosford Park und Christopher Nolans Inception beschrieben wird, allerdings in Anlehnung an Agatha Christies „Mord im Orient Express“, denn obwohl es sich hier um die Aufklärung eines Mordes handelt, ist der übergeordnete Hintergrund eher in der Phantastik zu suchen.

Als der Roman 2018 erschien, konnte es für viele Kritiker keinen Zweifel geben, dass dieser höchst originelle Krimi das beste Buch des Jahres sein würde, und so bekam Stuart Turton auch gleich den Costa Book Award für das beste Debüt.

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Was der Fluss erzählt / Diane Setterfield

Literatur

Zwei Jahre hat es gedauert, bis wir den dritten Roman von Diane Setterfiled nun auch in Übersetzung vorliegen haben, immerhin eine Autorin, die 2006 mit „Die dreizehnte Geschichte“ einen Orkan in der Verlagswelt verursachte. Wie man hört, ist jetzt leider sogar eine TV-Serie zu „Was der Fluss erzählt“ geplant; wer die Verfilmung der dreizehnten Geschichte gesehen hat, wird das „leider“ leicht verstehen können. Aber so ist das Geschäft. Auf der anderen Seite beweist das aber auch einmal mehr, dass Diane Setterfield ein herausragendes erzählerisches Talent besitzt und hier einen kraftvollen Roman darüber vorgelegt hat, wie wir uns selbst und anderen die Welt erklären, über den Sinn des Lebens in einem Universum, das undurchdringlich geheimnisvoll bleibt.

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Jim Butcher: Sturmnacht (Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1)

Literatur
Sturmnacht

Harry Dresden ist zweifellos einer der besten Detektive aller Zeiten. Dass er auch noch Magier ist, mag ihm dabei helfen, tut es aber nicht. Jim Butcher hat Harry ins Leben gerufen, ohne zu ahnen, dass er damit die beste und erfolgreichste Urban-Fantasy-Serie aller Zeiten zu Papier gebracht hat. Inzwischen wurde sie zigfach kopiert, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Hierzulande hat die Veröffentlichungspolitik dieser über alle Maßen erfolgreichen Bücher leider einen unglücklichen Weg genommen, der nun aber beendet zu sein scheint. Die ersten Bände erschienen noch bei Knaur, bevor der Verlag das Interesse verlor und Harry zu Feder & Schwert wechselte. Wäre der Verlag nicht in Konkurs gegangen, hätte er es fast geschafft, alle 17 Bände zu veröffentlichen.

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Joe Abercrombies Klingen-Trilogie

Literatur

Abercrombie betrat die Bühne im Jahre 2006 als ein junger Filmeditor, der sich der Schreiberei zuwandte. Sein erstes Manuskript, „The Blade itself“, wurde vom britischen Verlag Victor Gollacz Ltd. gekauft. Interessanterweise erschien die deutsche Ausgabe bei Heyne im selben Jahr, während der Roman in den USA erst 2008 herausgegeben wurde (da hatte Abercrombie seine Trilogie mit „Before They Are Hanged“ und „Last Argument of Kings“ bereits abgeschlossen). Das ist deshalb gesondert hervorzuheben, weil Abercrombie, wie wir gleich sehen werden, zu einer günstigen Zeit ins Feld schoss.

Ich begrüße euch zur Buchbesprechung der sogenannten Klingen-Trilogie von Joe Abercrombie, die im Original „First Law-Trilogie“ heißt und aus folgenden Büchern besteht: „The Blade itself“, „Before they are hanged“ und „Last Argument of Kings“. Heyne hat – wie üblich, Überschriften gewählt, die im Gegensatz zu den sprechenden Titeln eine einzige Frechheit sind, an die sich das deutsche Publikum jedoch mittlerweile gewöhnt haben dürfte: Kriegsklingen, Feuerklingen und Königsklingen.

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The Stranger Times / C. K. McDonnel

Literatur

Das erste Buch dieser Reihe – The Stranger Times – ist im Eichborn Verlag erschienen, von dem ich auch das Rezensionsexemplar habe. Der zweite Band ist im Original für Januar 2022 angekündigt (was sich auf den 22. September verschoben hat). Gleich vorweg: McDonnell hat hier ein dickes Eisen im Feuer. Dieser dunkle Humor, gepaart mit dem Seltsamen und dem Wunderbaren, mag oberflächlich betrachtet in die Fußstapfen von Terry Pratchett und Douglas Adams treten und andere an Ben Aaronovitchs „Die Flüsse von London“ erinnern, aber das ist nur eine ungefähre Markierung. McDonnells Ansatz und Weltenbau ist ein ganz anderer, nämlich der, dass die Realität seltsamer und fremdartiger sein kann als jede Fiktion.

„The Stranger Times“ stellt uns eine Reihe von Charakteren in einer wunderbaren Mischung von Persönlichkeiten vor, die von exzentrisch bis schlichtweg ungehobelt reichen und alles dazwischen. Die Stranger Times ist eine Zeitung für das Seltsame und Wunderliche in Manchester und wird von dem völlig heruntergekommenen Alkoholiker Vincent Banecroft geleitet, einem ehemals recht erfolgreichen Chefredakteur eines angesehenen Nachrichtenmagazins. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Nach dem Verlust seiner Frau geriet Vincents Leben in eine Abwärtsspirale. Er verlor jeglichen Respekt vor sich selbst und anderen und legt seitdem die Whiskyflasche nicht mehr aus der Hand.

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100 Jahre Hercule Poirot – Das fehlende Glied in der Kette

Literatur

Mit zwei Milliarden Büchern, die in über 100 Sprachen übersetzt wurden, ist Agatha Christie die unangefochtene Königin des Kriminalromans, die weltweit meistverkaufte Romanautorin und die wohl erfolgreichste weibliche Bühnenautorin aller Zeiten. Im Oktober 2020 jährte sich die Veröffentlichung ihres ersten Romans “Das fehlende Glied in der Kette” zum 100ten Mal, und damit auch das Erscheinen des legendären Hercule Poirot, des kleine Mannes mit dem tadellos gepflegten Schnurrbart, der mit Hilfe seiner  „kleinen grauen Zellen“ jedes Verbrechen lösen konnte. 

Obwohl er möglicherweise nach Sherlock Holmes der zweitberühmteste Detektiv der britischen Kultur ist, ist Poirot gar kein Brite, sondern ein Flüchtling. Er kam als Teil einer Gruppe von Belgiern, die durch den Ersten Weltkrieg vertrieben worden waren, nach England, doch seine Wiege liegt in Brüssel. Indem sie über diesen pensionierten belgischen Polizisten schrieb, der Fälle in ganz Großbritannien und auf der ganzen Welt löste, konnte Christie die Komplexität des Englischen und seine Beziehung zu Kontinentaleuropa erforschen (und sich manchmal auch darüber lustig machen).

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Die Gärten des Mondes / Steven Erikson

Literatur

Die Gärten des Mondes ist das erste Buch der Serie “Das Spiel der Götter”, die man lieben oder hassen wird (oder vielleicht aufgeben, bevor man das Ende des ersten Buches erreicht hat) ist nun also der Auftakt zum heiligen Gral des Fantasy-Genres.

Wer sich das Vorgespräch zur Entstehung und Form der Fantasy-Reihe noch nicht angehört hat, sollte das jetzt nachholen: “Das Spiel der Götter. Ein Vorgespräch“.

Die Serie besteht im Original aus zehn Büchern, aber Die Gärten des Mondes bereiten vermutlich am meisten Schwierigkeiten. Zwar ist es oft auch woanders so, dass man etwas Zeit benötigt, sich in Stil und Weltenbau zurechtzufinden, hier aber ist die sehr vielfältige und scheinbar endlose Besetzung von Charakteren für viele Leser bereits ein Grund, das Buch beiseite zu legen und die Serie nicht weiter zu verfolgen. Wir begegnen Magiern und Soldaten, Menschen und Nichtmenschen, Dämonenherren und sprechenden Raben, Göttern und Niemanden, Helden und Schurken, und all dem, was sich im grauen Raum dazwischen aufhält. Es gibt sehr viele sich überschneidende Handlungsstränge – riesige Kampagnen, Assassinenkriege, magische Schlachten, politische Manöver, verdeckte Missionen – und all das scheint anfänglich nicht sehr gut zusammenzupassen.

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Der Uhrmacher in der Filigree Street / Natasha Pulley

Literatur

Auf Natasha Pulley wurde ich allein schon deshalb aufmerksam, weil die junge Dame in Oxford Literatur studierte und ich ein nicht geringes Faible für das einzigartige Milieu von Oxford und Cambridge hege, ob nun als fiktive Hintergrundkulisse wie in einigen berühmten Kriminalromanen oder falls sich Autoren aus dieser Kulisse erheben. Ein weiterer Grund für mich, genauer hinzuschauen, war das Setting des Romans: das viktorianische England, das auf mich stets wie ein zusätzlicher Magnet wirkt.

Natasha Pulleys Debüt „The Watchmaker of Filigree Street“ erschien bereits im Jahre 2015. Damit gewann die Autorin einen Betty Trask Award, der für Erstlingsromane von Autoren unter 35 Jahren vergeben wird, die in einem derzeitigen oder ehemaligen Commonwealth-Staat ansässig sind.

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