BuCon 2017 – rein subjektiv

Im dritten Jahr jetzt stehe ich mit meinem Whitetrain-Verlag auf der BuCon in Dreieich-Sprendlingen. An meiner Seite der Künstler Ulf Berlin, vor uns der Verlagsstand mit Ausgaben meiner eigenen Bücher und des IF Magazin. Jenseits unseres Tischs flanieren die Gäste.

So ein Tag beginnt früh mit dem Beladen des Autos, der Fahrt zur Con und dem Aufbau des Stands vor 10 Uhr. Erste Hände werden geschüttelt, Lächeln getauscht, man kennt sich oder könnte sich an diesem Tag kennenlernen. Da ich auch auf der Marburg Con Aussteller bin, habe ich viele der Anwesenden erst vor ein paar Monaten zuletzt gesehen, in der Zwischenzeit scheint einerseits wenig geschehen zu sein, die Menschen sind dieselben, andererseits liegen schon wieder neue Bücher auf den Tischen, sind neue Projekte in Planung. Das Bürgerhaus, in dem diese Con stattfindet, brummt schon und summt wie ein Bienenstock.

Die Veranstalter sind geschäftig unterwegs, zwei antiquarische Stände lassen sich kurz nach Neuzugängen überfliegen, Erik Schreiber (Saphir im Stahl) – Resident – verkauft Klassiker für einen Euro (“Kane: Kreuzzug des Bösen”, von Karl Wagner geht in meinen Besitz über).

Das kleine Ouevre des Whitetrain liegt bereit, unser Glanzstück IF #666, die Horrorausgabe, thront auf einem Ehrenplatz.

Michael Buttler, der in der Ausgabe die Eröffnungsstory stellt, ist mir schon begegnet, aber vor ihm kommt Markus Korb an den Stand. Wir unterhalten uns, unser Standnachbar schießt ein schnelles Foto von uns beiden.

Dann steht Eric Hantsch vor mir und wir tauchen in die Materien der Weird Fiction, des Magazin-Geschäfts und textarchäologischer Funde ein.

Aus der Thermoskanne wird Kaffee eingeschenkt, getrunken, dazu Kuchen gegessen, dabei werden Gäste sondiert, man wird selbst sondiert, viele schlendern vorbei, ein paar bleiben stehen, manche schauen genauer und schließlich wird das erste Buch verkauft.

Bei einer Kippe vor der Tür sieht man Leute am Eingang Schlange stehen.

Diese Con ist nicht so sehr ein Szenetreff, sondern mehr ein Treffen verschiedener Szenen, die sich unter dem Oberbegriff Phantastik zusammenfassen lassen. Man zieht hier unterschiedliche Register. Die einen mit jenen, die anderen mit denen, man überkreuzt sich und fängt Gesprächsfetzen auf. Hier geht es um Urban Fantasy, da um bloß-keine-Elfen, dort um die und die Lesung und die Qualität der Bratwurst. Im Gegensatz zur Marburg Con, die durch den Vincent-Preis den Horror herausstreicht, ist die BuCon sehr in Richtung Fantasy und, mit Abstrichen, aber durch den Science Fiction-Treff Darmstadt traditionell, in Richtung SF orientiert.

Da dieses Jahr weder Zwielicht, noch Goblin-Press/Edition CL mit Ständen vertreten sind, fehlt mir an der Bandbreite der Händler etwas am Horror. Immerhin, Amrun, Blitz und Thorsten Low halten die Fahne mit einigen Büchern hoch, und wir selbst natürlich, wobei wir uns ja nicht speziell darauf festlegen. Weirdness allerdings vermisse ich doch – und Magazine. Die Leute von Exodus, die letztes Jahr einen Stand hatten, sind diesmal nur als Gäste da. phantastisch! allerdings ist auf dem Atlantis-Stand mit vertreten und Weirdness, nun ja, das sind dann wir selbst.

Als „Big-Shots“ unter den Verlagen wäre wohl Feder und Schwert zu nennen, größer wird es auf der BuCon nicht. Wer echte Größen sucht, kann das unweit stattfindende Buchmesse-Megaevent besuchen. Der Vorteil dieser räumlichen Nähe: Autoren und Besucher, die einen Abstecher von dort nach hier unternehmen. Kai Meyer fällt mir als wahrscheinlich prominentester Besucher der Con auf. So mischt sich auch das Hobby-Volk (nein, nicht das Hobbit-Volk!) mit Professionellen.

Schön ist, nach drei Jahren Präsenz selbst von Autoren, Illustratoren und Verlegern angesprochen zu werden. Für die nahe Zukunft ergeben sich daraus vielversprechende Zusammenarbeiten.

Besonders freut mich ein längeres Gespräch mit Jörg Kleudgen, das mein eigenes Schreiben betrifft, und eines mit Gerd Rottenecker, alias Tim Stratmann, dem Übersetzer von Steven Eriksons “Das Spiel der Götter”. Hier kann ich mich mit einem erfahrenen Genre-Mann über die bedeutendste Fantasy-Reihe aller Zeiten unterhalten und dabei einen wirklich angenehmen Menschen kennenlernen. First in – Last out ist unser Schlagwort des Tages.

Und ja, am Ende des Tages darf ich die Ankunft Herbert W. Frankes miterleben, doch zum Besuch seines Auftritts, wie von Lesungen, Talk-Runden oder sonstiger Panels im Programm komme ich als Händler nicht. Das ist eine Seite der Con, von der jemand anderes berichten müsste.

 

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Das Foto wurde freundlich zur Verfügung gestellt von Markus Lawo (Ich habe überhaupt nicht mitbekommen, dass Jörg Kleudgen, etwas angeschnitten auch Uwe Sommerlad und ich da mitgeschossen wurden – links unten im Banner – oder was der Grund dieser Gruppenzusammenstellung war, aber oben rechts sieht man Roger Murmann, Con-Orga und Mitinitiator, darunter Eric Hantsch – Edition CL – links daneben hockend Markus Korb und natürlich viele andere illustre Personen)

Tobias Reckermann

Tobias Reckermann

Tobias Reckermann, Jahrgang 1979, lebt und schreibt in Darmstadt und arbeitet als Maschinist bei Whitetrain (www.whitetrain.de). Er ist Redakteur und Herausgeber des IF Magazin für angewandte Fantastik. Als Schriftsteller widmet er sich neben anderen Zweigen der Fantastik im Besonderen der Weird Fiction und chinesischer Wuxia-Literatur. Seit 2014 erschienen sind seine Romane Das Schlafende Gleis, Langfaust und Die zwei Schneiden des Glücks, außerdem die Erzählbände Venom & Claw und Graund, sowie mehrere Beiträge in Magazinen und Anthologien.

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