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Blob – Schrecken ohne Namen

Er ist keine Schönheit. Blob. Der Dickkopp-Fisch. Und er ist keine Weltklasse. Blob. Der Horror-Film. Was die beiden miteinander verbindet: Sie werden verkannt. Bei näherem Hingucken gewinnt man sie richtig lieb. Weil sie auf ihre ganz spezielle Art etwas Besonderes sind, kein Allerweltsschnickschnack wie eben doch so viele andere wenig originelle Schauerstreifen oder von Natur aus unsympathische Haie. Was die beiden unterscheidet: Blob im Film ist ein verfressenes Glibber-Monster, Blob im Südwestpazifik ist prinzipiell harmlos. Freilich hinterlistig: Der unauffällige Tiefseebewohner versteckt sich im Meeresboden und wartet einfach, bis irgendein unbekümmerter Krebs oder Seeigel vorbei kommt in dem Glauben, da liege wohl ein glatter grauer Stein herum. Eben nicht.

blobblubVor genau zwei Jahren wurde der Blobfisch, der bis zu 30 Zentimeter lang wird und bis zu 1200 Metern abwärts wohnt, auf dem British Science Festival in Newcastle zum „hässlichsten Tier der Welt“ gekürt. Das klingt nicht nett, ist aber als Auszeichnung für den somit ins Rampenlicht Geholten weitaus weniger tragisch zu nehmen als die „Goldene Himbeere“ für einen Schauspieler. Diese Abstimmungen erwecken schließlich positive Aufmerksamkeit und führen dazu, sich auch mit all diesen „eigentümlichen und wunderbaren Kreaturen“ (Simon Watt, Präsident der „Ugly Animal Preservation Society“)) zu beschäftigen, die es halt so gibt und die es (natürlich!) allesamt zu erhalten gilt, ob sie nun aus gallertartiger Masse bestehen oder nicht. In Gruselwerken spielt das aber schon eine Rolle, da wird so was eklig.

Blob – Schrecken ohne Namen ( The Blob, Regie: David Cronenberg) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-/Horror-Film aus dem Jahr 1958 mit Steve MqQueen in seiner ersten Hauptrolle. stevejungDie Premieren-Lorbeeren teilte sich der damals 28Jährige ergo mit einer amöbenartigen außerirdischen Kreatur, die für immenses Aufsehen sorgt. Das schwer definierbare Lebenswesen hat einen mächtigen Appetit und wächst, je mehr es frisst. The Blob lief in den deutschen Kinos auch unter dem Titel „Angriff aus dem Weltall“ und wurde 1988 unter der Regie von Chuck Russell neu verfilmt, krasserer Mode entsprechend härter und mit mehr Schockeffekten „gehübscht“. Schon einige Jahre zuvor, 1972, hatte der Schauspieler Larry Hagman (J.R. Ewing) als bekennender Blob- und MqQueen-Fan mit einer Fortsetzung versucht, das Schleim-Monster bloß nicht in der Versenkung verschwinden lassen. In Beware! The Blob! macht es Jagd auf Hippies, das wirkt mehr unbeschwert komisch denn sinnig-fürchterlich, und dabei blieb es denn. Die einzige Regiearbeit des Dallas-Stars ohne Deutschland-Kino-Start gilt freilich heute als Schätzchen aus der Hollywood-Klamottentruhe. Wer darin gern stöbert, muss gucken, Charme hat der Blobby, – Insider-Kosename -, in allen drei (Film-)Fällen.
Demzufolge ist es auch unfair, einfach mal den Blob zu nennen, wenn es darum geht, die schlechtesten Filme der letzten Jahrzehnte im Science-Fiction-Bereich aufzulisten. Da fällt immer noch hier und da in sogenannten Expertenkreisen der Name, vor allem, wenn es um Produktionen geht, die das Genre als puren Trash charakterisieren. Dabei hat Blob längst schon seinen eigenen, außergewöhnlichen Status, er wird gesch
ätzt. Vielleicht auch beschmunzelt. Aber geliebt. Und immerhin wurde der Ur-Blob in einer Zeit erdacht, die primär ganz andere Angstmacher bot. Das anfänglich kleine Glibber-Tier war kein Fellmonster oder ein zum Riesen mutiertes Insekt, es kam aus dem All, um satt zu werden. Und auf Futtersuche den Tod zu bringen. Allein die Idee macht’s hier, und die hat Eindruck hinterlassen.

„Der Blob hat gute Chancen, ein Klassiker der Americana zu werden. Wo bei David Cronenberg die Beschäftigung mit dem Organischen und Synthetischen ganz nach innen zielt, veräußerlicht Russell diese Zwangsvorstellungen vollkommen. Das ist die logische Konsequenz der amerikanischen Küche: Die Killerburger schlagen zurück.“ (M. Althen, Die Zeit)

Die Story: Steve und Jane beobachten an einem romantischen Abend, wie eine Sternschnuppe aus dem All im Wald landet. An der Einschlagsstelle treffen die beiden auf einen Einsiedler, der die Sternschnuppe als kleinen Meteor identifiziert. Mit einem Stock zieht er eine gallertartige Substanz heraus, die ihm an die Hand rutscht. Der alte Mann kriegt das Ding nicht ab, seine Hand beginnt, furchtbar zu schmerzen. Steve und Jane fahren mit ihm zum Arzt, dann allein wieder zurück zum Tatort. Derweil kümmert sich der Doktor um den Verletzten, beschließt, dass nur eine Amputation ihn retten könne, kommt aber nicht mehr dazu, weil der Blob seinen Patienten verschlingt, dabei beachtlich wächst und anschließend auch ihn selbst und die Arzthelferin frisst. Bei ihrer Wiederankunft sehen Steve und Jane durch das Fenster, was da Scheußliches passiert, und alarmieren die Polizei, die ein völlig verwüstetes Haus vorfindet. Die wüste Geschichte nimmt den jungen Leuten niemand ab, man geht von einem Einbruch aus, und den Arzt wähnt man auf der Konferenz, die er besuchen wollte. Steve und Jane müssen mit zur Wache und werden von ihren Eltern abgeholt, schleichen sich aber wieder aus dem Haus, um weiter zu forschen. Am Kino treffen sie Freunde, mit denen sie sich zusammen tun, um alle zu warnen, aber niemand glaubt die Horror-Story. In einem Supermarkt, der dem Vater von Steve gehört, sehen sie nach dem Rechten, werden vom Blob attackiert und retten sich in den Kühlraum. Der Blob folgt ihnen nicht, er wahrt deutlich Abstand zur Kälte, die ist ergo seine Schwachstelle. Auf der Straße randalieren die jungen Leute, um die Polizei anzulocken. Der Blob ist mittlerweile noch sehr viel größer geworden, befindet sich nunmehr im Kino, wo treffsicher Daughter of Horror mit Bela Lugosi läuft (1988 ist es ein Slasher-Film), und macht sich über das Publikum her. Panik bricht aus. Der Blob, erneut gewachsen, legt sich quer über ein Diner, in das Steve, Jane, ihr kleiner Bruder und noch einige andere geflüchtet sind. Steve gibt den Tipp mit der Kälte, Feuerlöscher werden besorgt, und mit geballter Kraft wird der Blob eingefroren. Den Eisklotz wirft die Air Force über der Antarktis ab. Ende. Und kurz noch mal an den Anfang gespult, der Vorspann ist genial gut 60er Jahre: Beware of the blob, it creeps, it leaps… Burt Bacharas Titelsong, präsentiert von den Five Blob, die damit in den Top 40 landeten. Blob, der Ohrwurm. Hat was.

blobrotDie Neuinszenierung von 1988 ist ganz klar komplexer und raffinierter, es wird verstärkter gefressen, wilder geflüchtet, mehr Akteure mischen mit, gerecht verteilt in Gut und Böse, und natürlich wird viel mehr Angst gemacht. Erklärt wird natürlich auch: Der im Wald eingeschlagene Meteroit war tatsächlich ein Satellit, und Blob ist das Ergebnis eines fehlgeschlagenen biologischen Waffentests. Am Schluss kann Blob, der ziemlich viel gewütet und verschlungen hat, eingefroren werden. Die letzte Szene zeigt den Reverend der Gemeinde, der klammheimlich ein Fragment des Blobs geklaut hat, um es für den Jüngsten Tag aufzuheben. Wenn das so hinhaut…
Die Basis für den Film bleibt, da unterscheiden sich Original und Remake nicht: Junge Leute, ergo Halbstarke, erkennen eine Bedrohung, werden nicht ernst genommen und finden erst Gehör, als es schon so richtig geknallt hat. Und dann können sie zur Rettung schreiten. Im Lexikon des Internationalen Film heißt es dazu, Blob gelte als…

„…zum Kultfilm avancierter Grusel-Klassiker (…) über den Generationskonflikt im Amerika der 50er Jahre“.

Es ist aber nicht nur die grundsätzlich gesetzesmäßige Rebellion der aufmuckenden Jugend gegen die etablierte Erwachsenenwelt mit ein Thema, gleichwohl sollte der hochinfektiöse und alle(s) fressende Blob (so die ursprüngliche Intention Ende der 60er) als Metapher für den Kommunismus herhalten. Der Schrecken ohne Namen hatte seinen Ursprung in einer Zusammenarbeit zwischen der Drehbuchautorin Kate Phillips und dem evangelikanen Filmemacher Irvin S. Yeaworth. Zumindest gut angedeutet sollte Blob die antikommunistische Verkündung in den so genannten Mainstream einbringen. Ob das nun so funktioniert hat, sei mal überlegt und auch wieder verworfen.kinoblob

Faktum für uns bleibt allemal: Der Blobby hat schon was Kultiges. Das hat man zumindest in Phoenixville in Pennsylvania längst schon erkannt. Dort wird seit 2000 jährlich im Sommer das Blobfest gefeiert. Im Colonial Theater, in dem damals auch die Kino-Szene für den Film gedreht wurde, läuft zuerst der Klassiker, anschließend spielen die Zuschauer die im Film gezeigte Panik-Flucht vor dem Glibber-Untier nach. Und auch die weltberühmten Simpsons wissen die Qualität eines nimmersatten Furchtmachers auf der Leinwand zu schätzen; in der Halloween-Folge „Krieg der Welten“ wird Homer zum Blob und frisst halb Springfield auf. Hunger (auf Horror!) stirbt eben nie.

Karin Reddemann
Über Karin Reddemann (149 Artikel)
Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: "Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut." - Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“, e-books: „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ ( Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), Beiträge in: „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag Jürgen Eglseer), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM, Doc Nachtstrom und Bernhard Reicher), "Zwielicht 9" und "Zwielicht Classic" (Achim Hildebrand, Michael Schmidt)
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3 Kommentare auf "Blob – Schrecken ohne Namen"

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John
Gast

David Cronenberg??? Das ist wohl eher ein (naheliegender) Wunschgedanke 😉

Das Original wurde von Irvin S. Yeaworth jr. und Russell S. Doughton jr. (ungenannt) in Szene gesetzt. (Yeaworth wird gegen Ende des Beitrags doch noch erwähnt.)
Als der Film mit Steve McQueen ins Kino kam, war David Cronenberg gerade mal 15 Jahre alt.
D2x von Steve McQueen, nicht Steve MqQeen – (2x)

John
Gast

Hmpf … jetzt selber über die Tastatur gestolpert wie der Steve MQQueen 😉

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