Batman/Flash-Crossover: Der Button

(c) DC-Comics/Panini

Es war mehr als aufsehenerregend, als DC ihr Comic-Universum reformierten, denn diesmal handelte es sich nicht nur um einen Neustart aller Figuren, damit auch neue Leser eine Chance bekämen, bei einer neuen Nr. 1 anzufangen. Die Idee: Alles, was den Lesern am neuen DC-Universum (New 52) nicht gefiel, soll durch eine Figur aus Alan Moores epochemachendem Meisterwerk Watchmen verursacht worden sein. Es hat etwas gedauert, bis wir mehr über Doktor Manhattan erfahren konnten, der ein ganzes Jahrzehnt aus der Kontinuität des DC-Universums „gestohlen“ hat, was überhaupt erst zur Version der New 52-Events geführt hat. In diesem Band greift der das nuklearblaue und gottähnliche Wesen nun tatsächlich ein.

Im Crossover zwischen Batman und Flash, dessen vier Teile in „Der Button“ jetzt bei Panini zusammengefasst wurden, erfährt man zwar einige neue Dinge, so wirklich näher kommt man dem Mysterium allerdings nicht. Es ist ein kleines, rasantes Puzzleteil und ein Appetitmacher für das im April 2019 angekündigte Event Doomsday Clock. Wer möchte, kann sich das auf 12 Hefte anberaumte Ereignis bereits in englischer Sprache zu Gemüte führen.

Wer hat den Reverse-Flash ermordet?

In Der Button geht es vor allem um den Tod eines Hauptschurken, und es kommt zu einem epischen Familientreffen, wie es nur das DC-Universum bieten kann. Im Folgenden lassen sich Spoiler kaum vermeiden.

(c) DC-Comics; Der Reverse-Flash gar nicht mehr so munter

Batman und Flash gehen hier der Frage nach, wer Eobard Thawne, den Reverse-Flash, getötet hat, jenem kriminellen Wissenschaftler aus der Zukunft, der von Flash besessen ist. Er ist genau die Person, von der man sich nicht wünscht, dass sie nach Belieben durch die Zeit reisen kann. Thawnes Macht fußt jedoch auf der ironischen Tatsache, dass sein Ursprung so sehr von der Existenz Barry Allens abhängig ist, dass der Tod seiner Nemesis auch Thawne zerstören würde. Stattdessen entschied er sich dafür, Barrys Familie zu zerstören, indem er seine Mutter ermordete und seinen Vater für die Tat verantwortlich machte.

Thawne erscheint genau in dem Moment, in dem Batman und der Flash im Begriff sind, zusammenzuarbeiten, um endlich den Ursprung eines seltsamen Objekts zu enträtseln, das vor Monaten auf mysteriöse Weise in der Batcave gefunden wurde: einen gelben Smiley, der mit einem Tropfen Blut befleckt ist und der eine Strahlung absondert, die buchstäblich nicht von dieser Welt ist.

(c) DC-Comics/Panini

Thawne schnappt sich den Smiley und flüchtet mit ihm durch den Zeitstrom, um dessen Ursprung für sich selbst zu entdecken, nur um einen Moment später in der Batcave wieder aufzutauchen, wobei die Hälfte seines Körpers von einer schrecklicher Energie versengt wurde.

Barry Allen und Bruce Wayne sind wohl nicht in der Lage, den Mord mit dem blauhäutigen Wesen zu verbinden, das über die Seiten hinaus schwebt, aber die Leser können es definitiv.

Der Band schließt mit dem charakteristischen Watchmen-Raster, das aus neun Teilen besteht und den Button zeigt, der von einer leuchtend blauen Hand aufgenommen wird, einer Hand, die der Doktor Manhattans gleicht. Diese Szene wird begleitet von einem Zitat Doktor Manhattans, das ebenfalls aus Watchmen stammt: „Alles ist vorherbestimmt, selbst meine Antworten.“

Dieses Zitat stammt aus dem Dialog, den Jon auf dem Mars mit Laurie Juspeczyk führt. Es ist das Gespräch, das Doktor Manhattans Dilemma in den Mittelpunkt rückt, das daraus besteht, Wert in einem Leben zu schaffen, dessen Perspektive von Zeit und Realität sich für ihn verschoben hat. Alles war bereits so, wie es sein würde, ist so, wie es ist, und wird so sein, wie es vorherbestimmt ist. Jon glaubt, dass alle Menschen in seinem Leben nur „Marionetten“ waren, die die Existenz nur so lebten, wie sie es eben konnten. Er selbst war nur die Marionette, die diese Fäden jetzt sehen konnte.

Der Kontrast zwischen Thawne und Manhattan liegt auf der Hand. Thawnes Anspruch auf Ruhm verändert die Zeitlinie, während Doktor Manhattans Wahrnehmung aller Zeiten als einen einzigen unveränderlichen Moment das zentrale Thema in Alan Moores Watchmen ist.

Thawne begeht den Fehler, anzunehmen, der Mann hinter dem Button aus einem weniger ernstzunehmenden Grund im Verborgenen bleibt. Er versteckt sich nicht, ist nicht schüchtern oder bleibt aus Angst unsichtbar…. er hält sich bedeckt, weil er nicht gesehen werden will – noch nicht.

Thawne bedauert seine Entscheidung, so vermessen mit der Figur vor ihm gesprochen zu haben, die in einer seltsamen, astralen Plattform verborgen ist. Sobald sich die Figur offenbart – sichtbar nur in Strudeln von blau-weißem Licht, das von außerhalb der Comic-Panels eindringt – erkennt Thawne, dass er wirklich nicht in dieser Liga spielt. Als er stirbt, ist der er Meinung, Gott gesehen zu haben.

Zurück zum Flashpoint

Aber zurück zu Thawnes Leiche in der Batcave: Flash und Batman beschließen, seiner Spur durch den Zeitstrom zu folgen, um herauszufinden, was ihn getötet hat und möglicherweise den Ursprung des Buttons zu entdecken. Hier kommt es zur Wiedergeburt eines der denkwürdigsten Artefakte des Flash-Kanons: der kosmischen Tretmühle. Eigentlich ist es ein Laufband, das Flash erlaubt, durch Zeiten und Dimensionen zu reisen. Gemeinsam mit Batman versucht er, genau das zu tun. Die beiden werden aber von einem kosmischen Sturm von ihrem Kurs abgedrängt und landen in einer anderen Zeitspur, in jener nämlich, in der der junge Bruce Wayne anstatt seiner Eltern von einem Straßenräuber getötet wurde und sein Vater Thomas Wayne der Batman ist.

(c) DC-Comics; Batman mal zwei

Mit dieser alternative Zeitlinie beschäftigte sich die Miniserie Flashpoint und lieferte die Voraussetzung für den Neustart des DC-Universums der New 52-Runs. Am Ende dachte Barry, er hätte die Zeitlinie wieder in Ordnung gebracht. Wenn dem so war, wie können er und Batman dann überhaupt in dieser alternativen Geschichte des Flashpoint landen? Denn eigentlich dürfte es sie ja gar nicht mehr geben. Etwas hat dafür gesorgt, dass diese Welt erhalten blieb. Und wenn die Flashpoint-Zeitlinie nach wie vor existiert, dann liegt es nahe, dass auch andere alternative Zeitlinien weiterhin vorhanden sind. Das betrifft nahezu alle Ereignisse, die nicht mehr kanonisch sind, wie die Gründung der Justice League im Silbernen Zeitalter oder die Crisis on Infinite Earths-Geschehnisse.

Kehrt die Justice Society zurück?

(c) DC-Comics; Sheldon Moldoff; Flash-Comics Nr. 1 von 1940

Eine der größten Änderungen, die das neue DC-Universum an der Kontinuität vornahm, war das Fehlen der Justice Society, jener Heldengruppe des Goldenen Zeitalters vor der Justice League.

Tatsächlich scheint es so, als würde alles auf die Rückkehr des berühmtesten Mitglieds der Society hinweisen: Jay Garrick, der ersten Inkarnation des Flash. Barry Allen vertraut Batman an, dass er Visionen von Garricks Helm hat, und im vierten Kapitel des Bandes bekommen wir eine Hommage in Form des Titelbildes der allerersten Flash-Ausgabe.

Und obwohl Garrick leibhaftig auftaucht, um Batman und Flash zu retten, die in Zeit und Raum verloren gegangen wären, gelingt es ihm nicht, zu bleiben.

Wie Wally West in DC-Rebirth Special braucht er jemanden, der sich an ihn erinnert, oder der kosmische Druck wird ihn wieder aus dem Universum verdrängen. Der ältere Held wird von einer Säule mit der gleichen blau-weißen Energie erfasst, die Thawne getroffen hat, und verschwindet.

Batman zweifelt

Batman und Flash landen – im Zeitstrom vom Kurs abgekommen – in der Batcave der Flashpoint-Timeline und treffen dort auf Thomas Wayne, der in dieser Parallelwelt Batman ist. Alle drei Helden sind verwirrt, dass diese überhaupt noch existiert, denn wie bereits gesagt, hätte Flash sie längst gelöscht haben sollen. Allerdings ist diese Realität nicht stabil und sie beginnt in ein blau-weißes Licht überzugehen. Kurz bevor Batman und Flash der zusammenbrechenden Welt entkommen, gibt Thomas Wayne seinem Sohn eine letzte Botschaft mit auf den Weg:

„Hör auf, Batman zu sein!“

Eine der letzten Szenen des Bandes zeigt Bruce, wie er über Thomas‘ letzte Worte nachdenkt. Vielleicht war genau das der Grund dafür, warum das Flashpoint-Universum noch existiert hatte. Jemand wollte, dass Bruce seinen Vater kennenlernt, um genau diese Botschaft zu erhalten. Ist es wirklich vorstellbar, dass er darüber nachdenkt, das Superheldenleben zu beenden?

Das ist nicht die einzige Frage, mit der auf den Lippen wir uns der Doomsday Clock nähern.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

Kulturanthropologe, Übersetzer, Sammler von Comics, phantastischer Literatur und Filmen. Gründer des Phantastikon, Eskapist.

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