Bathtime Stories (Kapitel 9: Pascal tut Dinge / Epilog)

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Kapitel 9: Pascal tut Dinge

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Marc war, wie nicht anders zu erwarten, sehr enttäuscht, als er erfahren musste, dass sein Vater nicht mit auf James Island fahren würde. Murrend packte er die letzten Dinge ein, die er dieses Wochenende brauchen würde. Helen sparte sich jeglichen Kommentar gegenüber ihrem Sohn. Sie hatte vor, möglichst frühzeitig aufzubrechen, um ihren Mann bis Sonntagabend nicht mehr sehen und hören zu müssen.

Warum sagt er einen Tag davor ab?“, maulte ihr Sohn.

Weil Daddy gestern wohl etwas zuviel erwischt hat und deswegen einen riesigen Kater hat“, ant­wortete Helen kühl. „Wir interessieren ihn momentan leidlich wenig, Marc. Ich will dir nicht die Lau­ne verderben, aber ich weiß nicht, wie lange ich das alles noch aushalten kann.“

Marc blickte sie besorgt an. „Was soll denn das schon wieder heißen?“

Helen schwieg und schüttelte den Kopf. „Pack deine Sachen fertig. Ich mache uns noch schnell ein paar Happen.“

Ihren Sohn befriedigte ihre Antwort nicht im Geringsten. Dennoch machte er sich auf nach oben in sein Zimmer, um seine Handkonsole zu holen.

Etwa eine halbe Stunde saßen sie im Wagen und fuhren mit quietschenden Reifen nach Norden.

Pascal erwachte etwa eine halbe Stunde später und nun, bei vollem Bewusstsein, meinte er noch immer zu träumen. Schlaftrunken stolperte er die Treppe hinunter und fand das Wohnzimmer licht­durchflutet vor. Der Fernseher war abgeschaltet und er verspürte eine gewisse Erleichterung dar­über. Schon jetzt musste es mindestens 25 Grad im Schatten haben, denn er war bereits ver­schwitzt gewesen, als er das Bett verlassen hatte.

Er ignorierte die Nachricht, die ihm Helen auf dem Esstisch hinterlassen hatte, da er sowieso wusste, dass sie bereits verschwunden war. Anschließend gönnte er sich ein mehr als kärgliches Frühstück aus dem Kühlschrank und trank ein kleines Glas Brandy dazu.

Dann ging er, wie er es gewohnt war, in den Garten. Beiläufig grüßte er einen seiner Nachbarn, den alten Steve O’ Donnahey, der so tat, als arbeite er in seinem Blumenbeet.

Am Himmel zogen nur ein paar flauschige Schönwetterwolken ihre Bahnen und er sah, dass es ein schöner Tag werden würde. Ein Tag, der Taten verlangte. Taten, die nun endlich vollbracht werden wollten.

Nachdem er noch einige Minuten mit geschlossenen Augen auf der Terasse verbracht hatte, ging er wieder hinein, um seine Utensilien zusammenzupacken. Er brauchte nicht viel, dass wusste er. Er würde nicht übernachten, dazu würde es mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr kommen.

Im Flur stand der Waffenschrank. Vor einigen Monaten hatte er einen vernickelten, kleinen Revol­ver und ein Jagdgewehr erstanden, falls es zu einem Einbruch oder etwas Ähnlichem kommen würde. Er hatte nie geglaubt, oder besser, gehofft, dass er die Waffen jemals einsetzen musste. Und er hatte keine Ahnung, ob sie überhaupt gegen dieses Wesen wirken würden. Doch nun hatte er keine Wahl. Entweder es funktionierte… oder er würde sich etwas einfallen lassen müssen.

Und dazu hatte er verdammt wenig Zeit, wenn es darauf ankam.

Er atmete verdrossen auf, dann steckte er den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn herum.

Die Waffen glänzten, als seien sie erst fabrikneu geliefert worden. Er hatte sie ein paarmal auf dem Schießübungsplatz abgefeuert und sie danach gründlich gereinigt.

Er nahm das schwere Gewehr heraus und ließ den Lauf durch seine Hand gleiten. Sie fühlte sich kalt an. Er steckte prüfend den Finger in die Mündung. Als er sie wieder herauszog, war er schwarz vom Pulver. Offensichtlich hatte er dem Lauf wenig bis gar keine Beachtung geschenkt, als er das Gewehr gesäubert hatte.

Er runzelte die Stirn. Durfte eine neue Waffe dermaßen schmutzig sein, wenn man lediglich einige Male damit geschossen hatte? Er wog sie kurz in den Händen und stellte sie dann kopfschüttelnd wieder zurück. Vermutlich wäre es auch alles andere als unauffällig gewesen, wenn er mit einem Gewehr in einem Wochenendcamp aufgekreuzt wäre.

Er nahm den kleinen Revolver, unterzog ihn einer kleinen Routinekontrolle, lud ihn mit sechs Pa­tronen und steckte ihn ins Trageholster. Dann hängte er es sich um und zog eine schwarze Leder­jacke an. Schließlich kämmte er sich die wirren Haare zu einem halbwegs seriösen Seitenscheitel zurecht und rief mit dem Mobilteil seines Festnetztelefons den Taxiservice an. Er war bereit.

Marc hatte seinen Ärger über das Fernbleiben seines Vaters schon bald wieder vergessen und so­fort, nachdem sie mit dem Boot auf James Island gelandet waren, mit seinen Freunden gespielt. Den Aufbau seines Zeltes hatte er freundlicherweise seiner Mutter überlassen.

Helen wusste um den Umstand, dass es ihrem Filius mehr als unangenehm war, die eigene Mum als Betreuer dabeizuhaben. Daher hatte sie beschlossen, ihn an diesem Wochenende schalten und walten zu lassen, wie er wollte, solange er keinen Blödsinn anstellte. Nun war es etwa 4 Uhr nachmittags und sie half den anderen Vätern und Müttern, das abendliche Barbecue vorzuberei­ten. Gerade würzte sie ein paar Spareribs, während die ersten Sterne über der Insel zu leuchten begannen.

Auch sie hatte wieder ein wenig Kraft geschöpft und sich vorgenommen, die beiden Tage zusam­men mit ihrem Sohn zu genießen. Das triste Leben war noch lang genug, um es mit dem überge­wichtigen Spinner zu verbringen, der sich ihr Mann nannte.

Ihr gegenüber saßen Elly Schwarzfeldt und Joanna Benson, die Ehefrauen der Parteikollegen Pas­cals. Elly fiel die leichte Anspannung in Helens Gesicht bemerken und blickte sie freundlich an.

Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie besorgt.

Helen nickte kurz, ohne von ihrer Tätigkeit aufzusehen.

Ich dachte, Pascal wollte mitkommen“, fuhr ihre Freundin fort. „Was ist mit ihm los?“

Helen seufzte. „Er ist krank. Hat Fieber bekommen. Nichts Ernstes, denke ich.“

Das hoffe ich doch. Er hat in den letzten Monaten ganz schön damit herumgezogen. Irgendwann musste er sich ja mal überarbeiten. Mein Gott, er hat ja soviel um die Ohren.“

Was meinst du damit?“, fragte Helen und blickte sie nun an.

Nun ja“, erwiderte Elly. „Seit einiger Zeit wirkt er ein wenig… wie soll ich sagen… introvertiert. Während der Sitzungen läuft er manchmal ohne Grund aus dem Raum und redet mit sich selbst. Als führe er einen inneren Konflikt oder so.“

Helen stellte die Schüssel mit den Spareribs zur Seite und verschränkte die Arme.

Ich habe dergleichen noch nicht bei ihm beobachten können, meine Liebe“, meinte sie. „Aber er benimmt sich wirklich ein wenig seltsam. Er distanziert sich von mir und meinem Sohn. Jedenfalls gibt er mir das Gefühl. Manchmal glaube ich, dass ich ihn nicht mehr kenne.“

Elly zuckte mit den Schultern. „Midlife Crisis?“

Joanna kicherte verhalten.

Helen schwieg und fand Ellys Mutmaßung gar nicht so abwegig.

Ihr Gegenüber blickte nun ernster drein. „Aber denk dir nichts dabei. Bei John ist es dasselbe. Er hat gestern nacht kaum geschlafen. Er warf sich im Bett von einer Seite auf die andere und hat fast ununterbrochen geredet. Und was für einen Unsinn!“

Was hat er denn gesagt?“, fragte Helen tonlos.

Er faselte irgendwas von einem Geister-Mann und England oder so ähnlich. Vermutlich nur ein Alptraum. Oder irgendeine Erinnerung, die wieder hochkam.“

Erinnerung?“, fragte Helen.

Habe ich dir nie erzählt, dass John aus England kommt?“, erwiderte Elly. „Er ist deutscher Her­kunft, aber seine Familie hat sich im 19. Jahrhundert in Cornwall niedergelassen.“

Helen runzelte die Stirn. „Meiner ist auch Engländer. Und, wie es der Zufall will, kommt auch er aus Cornwall. Das ist ja verrückt.“

Elly klatschte so begeistert in die Hände, dass sie Joanna mit Soßespritzern besprenkelte. „Das gibt es doch nicht! Vielleicht haben sie sich bereits früher gekannt!“

Helen schüttelte mit zweifelndem Blick den Kopf. „Unwahrscheinlich. Cornwall ist groß. Und wenn sie sich schon früher gekannt hätten, würde es mich wundern. Pascal hätte es mir erzählt.“

Elly fuhr mit ihrer Arbeit fort. „Wie auch immer. Wir müssen sehen, dass wir fertig werden. Unsere kleinen Männer werden ganz schön hungrig sein, wenn sie vom Tretbootfahren wieder zurückkom­men.“

Etwa eine Stunde später war der Zeltplatz gefüllt mit krakeelenden Jungen. Die Luft war von würzi­gem Grillfleischduft durchzogen. Überall drängten sie sich um die aufgestellten Grills und die schwitzenden Männer dahinter hatten alle Hände voll zu tun, um die Meute zu versorgen.

Selten nur wurde ihnen eine Pause für einen Schluck Bier gewährt, da ständig ein anderer nach Spareribs schrie. Ein Grill kippte um und der sich darauf befindliche Rost verbrannte einem der Jungen die Hand.

Helen und die anderen kamen kaum mehr mit dem Ausschenken von Cola und Limonade nach.

Marc indes hatte sich zu einigen seiner Freunde gesetzt und gab sich alle Mühe, vermeintlich nicht zu seiner Mutter zu gehören. Seine Kameraden vermieden es netterweise, ihn deswegen aufzuzie­hen. Sie alle hatten ihren Spaß gehabt. Als sie die Tretboote aus der langen Bootshütte getragen und diese zu Wasser gelassen waren, waren sie etwa einen halben Tag auf dem Wasser gewesen und Marc hatte eine Premiere besonderer Art erlebt: Er hatte seine erste Zigarette geraucht, die ei­ner seiner Freunde dabei hatte. Sie waren in ein Binsendickicht gefahren und hatten sie dort inha­liert (Marc hatte geglaubt, seine Lunge zöge sich zu einem Eisenklumpen zusammen).

Die aufgestellten Boxen spien plärrende Rockmusik aus, während ein riesiges Lagerfeuer seine Flammenzungen in den dunklen Nachthimmel streckten. Einige der Jungen spielten Tischtennis auf von brennenden Fackeln umrundeten Platten. Andere veranstalteten ein Versteckspiel in dem kleinen Wäldchen, welches James Island zum größten Teil bedeckte.

Marc allerdings war nicht nach Spielen zumute. Er war müde vom Tretbootfahren und legte sich auf den Boden, um den wolkenlosen, schwarzen Himmel zu beobachten. Rockmusik, Spareribs, Coleslaw, Freunde und eine weiche Picknickdecke auf dem weichen Gras, während die Bäume um ihn herum im sanften Sommerwind rauschten. Diese Kombination wohliger Umstände war es wohl, die dazu führte, dass ihm die Augenlider schwer wurden und er immer größere Schwierigkeiten hatte, wach zu bleiben. Ein düsterer Schleier legte sich über seine Augen und die Sterne über ihm schienen zu verblassen. Dann versagten ihm seine Sinne ihren Dienst. Zuletzt hörte er nurmehr das sanfte Knacken der Flammen des Lagerfeuers, begleitet von dem sanften Säuseln einer leisen Prise durch das Kraut.

Plötzlich stieg ihm etwas in die Nase und er schrak auf. Der Nebelschleier vor seinen Augen hatte sich noch nicht gelöst und gab ihm nur zögerlich, aber kontinuierlich die Sicht frei.

Er befand sich zu seinem Schrecken nicht mehr im Camp seiner Schulmannschaft, sondern er lag mitten auf einem Waldweg. Beide Seiten des Weges waren von brennenden Fackeln gesäumt. Sie knisterten leise und der Schein ihrer überverhältnismäßig großen Flammenkronen erleuchtete rauchspeiend den Nachthimmel. Der seltsame Geruch, den er bis vor wenigen Sekunden noch empfunden hatte, war zu einem widerlichen Gestank geworden. Es war eine Kombination aus Mundgeruch und extrem fauligen Zähnen. Er musste sich zusammenreißen, um nicht zu erbre­chen.

Langsam stand er auf und kämpfte gegen die aufkommende Übelkeit an. Dann hörte er Schritte und fuhr herum. Ein Junge lief langsam an ihm vorbei und schien ihn überhaupt nicht wahrzuneh­men. Die wenigen Sekunden, während denen Marc das Gesicht des etwa Gleichaltrigen erkennen konnte, genügten, um ihn vor Schreck zusammenfahren zu lassen.

Er kannte diesen Jungen. Seine Gesichtszüge wirkten auf eine Weise vertraut. Er konnte sich nicht erklären, warum dies so war.

Er wartete noch einen Augenblick lang und blickte dem fremden Jungen noch eine Weile hinterher, dann beschloss er, ihm zu folgen. Er wusste nicht, warum er es tat. Doch nun glitten die Fackeln an ihm vorbei wie feurige Gestalten. Dies alles wirkte ein unwirklicher Tanz aus Flammen. Marc bekam es ein wenig mit der Angst zu tun und drehte sich verunsichert um. Doch sah er lediglich den fackelgesäumten Weg hinter ihm ins Unendliche laufen. Dasselbe Bild bot sich ihm auf der Seite, in die er lief. Und doch kam ihm die Umwelt in dieser Richtung unheimlicher vor. Gewaltige Büsche türmten sich zu beiden Seiten des Pfades auf und streckten ihm drohend ihre dornenbe­wehrten Äste entgegen. Er kniff die Augen zusammen und beschloss, nur noch geradeaus zu ren­nen…

Mit einem Male wurde es entsetzlich kalt. Er riss die Augen wieder auf und befand sich noch im­mer auf dem Waldweg. Doch er war nicht länger alleine. Zwei Gestalten befanden sich vor ihm. Die kleinere der beiden erkannte er. Es handelte sich um jenen Jungen, der ihm vorher bereits be­gegnet war und dem er gefolgt war.

Die andere war bedeutend größer. In der Hoffnung, auch diesmal nicht entdeckt zu werden, schlich sich Marc noch näher heran und verschwand so langsam und leise wie möglich in einem naheliegenden Busch. Von dort aus würde er beobachten können, was hier vor sich ging. Die Fa­ckeln waren erloschen.

Der Junge konnte das Gesicht des Mannes erkennen. Es wirkte alt und eingefallen. Er konnte schwarzes Zahnfleisch sehen und ein schiefes Lächeln wahrnehmen. Er sprach in zischendem Ton mit dem vor ihm stehenden Knaben, welcher sichtlich eingeschüchtert wirkte.

Plötzlich packte der Mann den Jungen am Arm, worauf dieser sich panisch zu wehren begann.

Wir werden Spaß haben, ohooo, was werden wir für einen Spaß haben!“, kreischte eine unglaub­lich hässliche Stimme und eine Welle fauligen Gestanks schlug Marc entgegen.

Das Ding holte mit einem Mal aus und riss seinen Kontrahenten zu boden. Dann begann es, den Jungen gewaltsam seiner Hose zu entledigen.

Er hielt den Atem an und schüttelte krampfhaft und zu Tode schockiert den Kopf.

Bitte Anthony. Tu mir nichts!“, keuchte der Junge mit tränenerstickter Stimme und wurde sofort da­nach zu dem Gebüsch gezogen, in dem sich Marc befand.

Die beiden kamen immer näher auf das Dickicht zu und Marc spürte die heiße Panik in sich ko­chen. Der Junge, den das Wesen mit sich schleppte, würgte und schrie in den höchsten Tönen. In den Augen der anderen Gestalt spiegelte sich die pure Grausamkeit wider, als sie ihre Beute dem Wegrand entgegenschleppte.

Dann trafen sich ihre Blicke. Marc schrie laut auf, sprang auf und rannte wie wahnsinnig den Weg zurück. Nun befand er sich wieder unter den Fackeln, deren Tanz nun noch wilder ausfiel als vor­her, weil Marc rannte und schrie, rannte und schrie, rannte und das Wesen lachte hässlich.

Du gehörst mir auch bald, mein Jüngelchen, ohooo, du gehörst mir auch bald!“

Doch das hörte der Junge nicht mehr, weil ihm die Tränen die Wangen herunterliefen und er immer weiter den Pfad entlang rannte, um der Kreatur zu entkommen, die sich den anderen Jungen ge­holt hatte. Mit einem Mal stolperte er über eine Wurzel und schlug bäuchlings auf dem Boden auf. Der widerwärtige, faulige Gestank von vorhin drängte sich ihm nun derartig auf, dass er beinahe das Bewusstsein verlor.

Marc!“, hörte er eine krächzende, spöttische Stimme über sich. „Aufwachen, mein Süßer!“

Der Junge drehte sich langsam und mit schweißgebadeter Stirn auf den Rücken…

und blickte seiner Mutter ins Gesicht. Helen blickte besorgt drein. Nun waren sie wieder da, die Rockmusik und das prasselnde Lagerfeuer. Marc setzte sich zitternd auf.

Ist alles in Ordnung mit dir, Liebling?“, fragte Helen und streichelte ihm das wirre Haar aus der Stirn.

Marc nickte kurz. „Ich muss wohl eingenickt sein.“

Seine Mutter lächelte. „Ihr habt ja heute auch jede Menge Spaß gehabt, nicht wahr?“

Der Junge zuckte zusammen, als er die letzten sechs Wörter hörte, die sie ausgesprochen hatte.

Ist wirklich alles okay?“, fragte sie noch einmal.

Ja“, sagte Marc. „Ich habe schlecht geträumt.“

Helen lachte kurz auf. „Das habe ich nicht überhört. Du hast gestöhnt und geschrien wie ein Schwein.“

Du hättest mich ja wecken können“, antwortete Marc etwas erbost.

Dann hättest du vielleicht einen Schock erlitten“, konterte seine Mutter mit einem spöttischen Grin­sen. „Jedenfalls habe ich das gehört. Du weißt schon. Das ist dasselbe wie bei Schlafwandlern. Sie fallen vom Dach, wenn man sie weckt, Süßer.“

Marc blinzelte sie an und ihm fiel auf, dass sie Tränen in den Augen hatte.

Was ist los?“, fragte er. „Mir geht es wieder gut. Abgesehen davon, dass ich hundemüde bin.“

Helen schüttelte traurig lächelnd den Kopf. „Es geht nicht darum, Marc. Es geht um deinen Vater. Komm mit. Ich bring dich zu deinem Zelt.“

Der Junge stand langsam auf und ließ sie nicht aus den Augen. Seine Mutter legte ihm einen Arm um die Schulter.

Du weißt, wir beide haben dich wahnsinnig lieb, nicht wahr?“, meinte sie schwer aufatmend, wäh­rend sie sich ihren Weg durch das kleine Lager bahnten.

Das hoffe ich doch“, meinte er. „Ich würde es doch merken, wenn es anders wäre.“

Helen atmete noch einmal tief durch. „Nun, zwischen mir und deinem Vater sieht es schlecht aus- ich will es ganz offen aussprechen, ohne lange drum herumzureden. Ich werde mich von ihm scheiden lassen. Es ist das beste für uns alle.“

Marc blickte sie ungläubig an. „Was hast du gesagt?“

Helen blickte ernst zurück. „Du hast mich schon richtig verstanden. Dein Vater und ich werden zu­künftig getrennte Wege gehen.“

Aber wovon wollen wir dann leben?“, fragte Marc mit zitternder Stimme. Noch war er nicht imstan­de, das ihm Gesagte zu realisieren.

Ich habe Freunde, Marc“, antwortete seine Mutter. „Bei denen können wir eine zeitlang unterkom­men, bis ich Arbeit gefunden habe. Ich habe bereits alles diesbezüglich organisiert.“

Schlagartig wurde Marc bewusst, was das bedeutete. Sie würden wesentlich weniger Geld zur Verfügung haben. Wenn seine Mutter mit ihm an einen anderen Ort ziehen würde, sah er seine Freunde und seine Lehrer nie wieder. Er musste sich an eine neue Schule gewöhnen. Kein Vater mehr, der ihm wenigstens ein oder zweimal im Quartal beim Baseballspielen zusehen würde. So etwas wie ein Baseballcamp würde es, abgesehen davon, vielleicht nicht wieder geben. Keine spa­ßigen Straßenrennen mehr mit anderen Autofahrern.

Er begann, unverhohlen zu weinen.

Seine Tränen wollten nicht versiegen. Selbst als er endlich in seinem Schlafsack lag, wälzte er sich unruhig und aufgewühlt von einer Seite zur anderen.

Sein Magen hatte sich verkrampft und ein schon beinahe schmerzhaftes Ziehen pochte in seinem Hals. Sein Kehlkopf schien irgendwie gewachsen zu sein und raubte ihm die Atemluft. Doch er wusste, dass dies nur auf die ihn plötzlich übermannenden Emotionen zurückzuführen war.

Wusste sein Vater schon von Helens Plänen? Und wenn nicht, wie würde er reagieren?

Das Treiben im Zeltlager legte sich langsam und James Island versank in nächtlicher Ruhe. Diese wurde lediglich durch das sanfte Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume untermalt. Ab und wann wurde die Stille durch das Keckern einiger naseweiser Waschbären gestört. Auf James Island konnte man diesen Tieren zuhauf begegnen, welche sich nun auf ihren nächtlichen Streif­zug begaben.

Marc ließ den Schlaf nun ergeben über sich kommen und versuchte, sich zu beruhigen. Langsam erstarben seine Gedanken und er sah vor seinem geistigen Auge seinen Vater vor sich, wie die­ser…

damit beschäftigt ist, ein paar Spare-Ribs zu braten. Es ist ein heller sonniger Tag im Spätsom­mer, als die Laubbäume sich bereits zu färben beginnen. Die Kronen der Eichen sind in hellgelbe und rote Farben getaucht.

Marc ist wieder fünf Jahre alt und seine Eltern haben die Nachbarn zum BBQ eingeladen. Die Temperaturen sind warm für einen Sommer in Seattle. Mit 97,52 °Fahrenheit liegen sie sogar ex­trem weit über dem Durchschnitt. Pascal steht schwitzend über dem brutzelnden Fleisch und das Wasser rinnt ihm in den Nacken, so dass sein Hemd bald völlig durchnässt ist. Marc spielt mit eini­gen der Nachbarkinder „cops and robbers“, das Spiel, welches er erst seit zwei Jahren kennt. Es duftet nach scharfen Gewürzen, Nachos, Tortillas, Chili con Carne und argentinischem Hüftsteak.

Mütter und Väter grinsen über’s ganze Gesicht und belohnen die Fangerfolge ihrer Sprösslinge mit Ovationen.

Marc stürzt und schlägt sich die Knie auf dem Steinboden der Steinterrasse blutig. Doch er steht tapfer wieder auf. Ein echter Amerikaner kennt keinen Schmerz, hat Daddy immer wieder gesagt, wenn er sich wehgetan hat. Daddy war schließlich ein Teufelskerl. Der wusste schließlich, was er sagt. Dennoch lässt sich der Junge von seiner Mutter die wunden Stellen säubern und mit Dr. Spenglers Kinderjod versorgen. Das Zeug, das nicht brennt, wenn man es auf die Wunde aufträgt. Kaum behandelt, springt Marc wieder zurück zu seinen Spielkameraden.

Dann verschwimmt das Bild vor Marcs Augen und er erlebt einen Szenenwechsel.

Er plantscht mit seinen Schwimmflügeln im Gartenpool seines Vaters, zusammen mit den Nach­barskindern. Dem seltsamen Völlegefühl in seinem Magen nach zu urteilen, haben sie das ge­meinsame BBQ wohl beendet. Marc blickt sich mit strahlenden Augen um. Einige der Eltern sitzen zusammen mit seiner Mutter und seinem Vater an der Gartenlaube und trinken Champagner. Dad­dy hat sich als einziger einen Whiskey eingeschenkt. Nichts besonderes eigentlich, denn Marc hat ihn in letzter Zeit immer öfters mit einem Glas Bourbon gesehen.

Aus heiterem Himmel verdreht sich sein Arm und einer seiner Schwimmflügel rutscht bis zum Un­terarm hinauf. Mit einem erstickten Schrei taucht er unter Wasser.

Chlor dringt ihm in die Augen und lässt sie wie Feuer brennen. Er strampelt mit den Beinen und nimmt verschwommen die paddelnden Beine der anderen Kinder wahr. Wasser dringt ihm in die Nase und in den vor Panik weit aufgerissenen Mund. Er kann nicht denken, sondern nur spüren. Es ist der beginnende Todeskampf, der seinen Geist überfordert und zu zerreißen droht. Als ein bedrohliches Schwarz von allen Seiten auf ihn eindringt, spürt er, wie er am Arm gepackt und nach oben gezogen wird.

Als er wieder zu sich kommt, liegt er in den Augen seiner Mutter, umringt von vielen besorgten Ge­sichtern. Kinder und Erwachsene haben sich um ihn herum versammelt. Marc fühlt sich von der Situation überfordert und bricht in Tränen aus, während er verschlucktes Wasser erbricht.

Seine Mutter streichelt ihm liebevoll das nasse Haar aus der Stirn und redet beruhigend auf ihn ein.

Sollen wir einen Krankenwagen rufen?, hört Marc eine Stimme wie aus weiter Ferne.

Nicht nötig, eine andere.

Wir sollten ihm eine warme Decke holen!, eine dritte.

Hast du eine Fleecedecke, Helen?, eine vierte.

Helen nickt und sagt Marc, dass sie gleich wieder da ist.

Der aufkommende Geruch starken Alkohols verrät dem Jungen, dass sein Vater sich über ihn ge­beugt hat.

Wie geht’s meinem Großen?, fragt er sanft, Du hast uns einen ganz netten Schrecken eingejagt.

Marc dreht den Kopf zur Seite und erschrickt leicht.

Unter den Gästen ist ein Mann, den er noch nie zuvor gesehen hat. Er wirkt sehr dünn und steht ein wenig abseits. Sein Gesicht ist faltig und irgendwie alt. Keiner scheint ihn wirklich wahrzuneh­men, obwohl er sich doch sehr von den anderen unterscheidet.

Plötzlich dreht er sich um und blickt dem Jungen direkt in die Augen. In seinem Blick liegt nichts, was man auch nur ansatzweise beschreiben könnte. Es ist kein Mitleid, aber auch keine Schaden­freude darin zu erspähen. Seine trüben Pupillen starren den Jungen auf dem Boden an.

Mit einem Mal glaubt Marc, den Mann doch zu kennen. Hat er ihn in letzter Zeit schon einmal ge­sehen? Schließlich kann Marc den seltsamen Blick des dünnen Herrn nicht mehr ertragen und wendet sich wieder dem Gesicht seines Vaters zu.

Bourbongeruch steigt ihm aufdringlich in die Nase. Doch der scharfe Geruch beginnt sich auf ei­genartige Weise zu verändern. Er wirkt auf einmal merkwürdig faulig. Eine Note verdorbener Eier steigt Marc in die Nase. Es riecht so ähnlich wie das heiße Schwefelwasserbecken, in dem seine Eltern meist sitzen, wenn sie ins Erlebnis-Spa-Schwimmbad an der 40. Ecke Brandon Ave gehen.

Der Geruch wird so intensiv, dass Marc die Sinne schwinden. Seine Umgebung versinkt abermals in Schall und Rauch und er…

erwachte mit einem Aufschrei.

Zu seinem Entsetzen hing der ekelerregende Gestank noch immer in der Luft. Er starrte auf den Zelteingang und bemerkte, wie der Reißverschluss langsam und ruckartig geöffnet wurde. Dann wurde die Plane scheinbar von selbst langsam nach oben gerollt.

Dahinter lag Finsternis. Nicht einmal der Schein des Lagerfeuers drang an Marcs Augen. Dafür drang ihm der Schwefelgestank mit einer Intensität in die Nase, dass ihm schlecht wurde.

Mit erstaunlicher Geschwindigkeit griff eine dünne, gelbe Hand durch den Eingang. Der dürre, blei­che Arm, der ihr folgte, ließ Marc vor Angst aufquietschen. Ein entsetzliches, faltiges Gesicht schäl­te sich aus der übernatürlichen Dunkelheit, die außerhalb des Zeltes herrschte. Schreiend rutschte er in den hintersten Winkel seines Zeltes und tastete nach einem zweiten Fluchtweg, den es nicht gab.

Die Augen wirkten eingefallen und dunkel. Das Gesicht lächelte und entblößte faulige, wackelige Zähne, die aus schwarzem Zahnfleisch herauswuchsen. Mit jedem rasselnden Atemzug der Krea­tur schlug dem Jungen eine neue Welle widerlichen Gestanks entgegen.

Dann tauchte die zweite Hand auf. Was sie zwischen den Fingern hielt, ließ Marc derartig erschau­ern, dass sein Herz aus seiner Kehle zu springen drohte. Es war der Revolver seines Vaters. Er kannte ihn genau.

Was… was hast du mit meinem Dad gemacht?“, flüsterte er leise und zitterte am ganzen Körper. Die Kreatur kroch immer näher und grinste breit.

Dann öffnete sie den Mund zu einem entsetzlichen O und lachte heiser auf.

Was ich mit deinem Dad gemacht habe? Ohooo, das wirst du schon noch sehen, mein Jüngel­chen!“

Tu mir nichts“, stammelte Marc und spürte, wie seine Hose nass wurde.

Tu mir nichts!“, äffte das Wesen ihn nach. „Ich tue nur das mit dir, was ich mit deinem Daddy ge­macht habe. Er war so jung, ohooo, so jung und so… zart. Er war so alt wie du. Sooo jung und sooo uuunschuldig, nicht wahr, mein Jüngelchen?“

Mum!“, schrie Marc.

Mummy hört dich nicht, mein Süßer“, quakte die Kreatur und hob den Revolver. „Ich habe deine Mummy toootgemacht, mein Perlchen.“

Du lügst!“, brüllte Marc und versuchte, das Wesen abzuwehren. Er strampelte panisch mit den Beinen. Jedesmal, wenn seine nackten Füße die Arme oder die Hände des Eindringlings berühr­ten, hörte es sich an wie ein Patschen auf schwammig- weichem, fauligen Fleisch.

Mach dich frei, damit wir unseren Spaß haben können, ohooo, unseren Spaaaß!“

Dann packte eine der dünnen Hände seinen Fuß und zerrte den Jungen mit unglaublicher Kraft zum Zelteingang. Marc konnte vor Entsetzen nicht mehr schreien, sondern zwickte sich mit einer Hand in die andere, in der Hoffnung, es handle sich um einen Alptraum.

Schließlich sah er den stinkenden Schädel der Kreatur über sich.

Jetzt haben wir Spaaaaaa…“

Die Worte des Wesens gingen in einen langgezogenen Schrei über. Der Mundgeruch des Wesens war überwältigend. Marc hielt sich die Hände vors Gesicht und blinzelte durch seine Finger.

Die Gesichtszüge des Wesens hatten sich verändert.

Das sadistische Grinsen hatte sich in einen Ausdruck reinen Entsetzens verwandelt. Eine dunkle Flüssigkeit tropfte zwischen den verfaulten Zähnen hindurch auf Marcs Hände herab. Muskelsträn­ge verkrampfen sich an dem dünnen, faltigen Hals in unvorstellbaren Qualen. Dann kippte das Wesen seitwärts weg und riss dabei einige der Stricke und Heringe aus dem Boden.

Nach einigen Sekunden wagte es Marc, die Hände von seinem Gesicht wegzunehmen. Er sah wieder ein Gesicht über sich.

Doch es war das seiner Mutter. Sie weinte hysterisch und drückte ihren Sohn an sich. Marc fiel in ihr Weinen ein und versuchte, sie gleichermaßen zu beruhigen.

Sie zog ihn aus dem Zelt und zeigte mit einem zitternden Finger auf die Kreatur, während sie zu­gleich lachte und weinte.

Marc griff mit beiden Händen nach dem Wesen, während er den Schein des Lagerfeuers nurmehr durch einen Tränenschleier wahrnehmen konnte. Als erstes erkannte er das Küchenmesser, wel­ches ihm im Rücken stak. Er drehte den Leichnam um, um ihm ins Gesicht zu sehen. Dann stieß er einen hellen Schrei der Trauer aus. Die Leiche trug die beinahe friedvollen Gesichtszüge seines Vaters.

Mutter und Sohn lagen nun weinend und aneinandergekuschelt vor dem Zelt und bemerkten nicht, wie immer mehr Kinder und Erwachsene zu ihnen eilten, um zu sehen, was geschehen war.

EPILOG

Vier Jahre später steht Marc Corn mit der Schulbaseballmannschaft seiner neuen Schule, der Thomas-Jefferson-Highschool New Jersey, auf dem Busparkplatz. Er hat gewaltige Fortschritte gemacht, sagt sein Sportlehrer. Er schreckt nicht einmal davon zurück, Marc zum persönlichen Fa­voriten für die Mayor League zu küren.

Auch wenn die entsetzlichen Ereignisse auf James Island fast ein halbes Jahrzehnt zurückliegen, bleiben sie dem Jungen doch in einer Erinnerung, die immer mehr vom Blick in die Zukunft zurück­gedrängt werden. Seine Mutter hatte, nachdem sie nach New Jersey gezogen waren, durch ihre Beziehungen nach Seattle einen äußerst anständig bezahlten Posten in der Verwaltung erhalten. Marc hat sogar eine Freundin namens Deborah an der Jefferson High gefunden, mit der er seit etwa einem halben Jahr in einer glücklichen Beziehung lebt. Sie begleitet ihn auch auf diesem Auswärtsspiel, das sie in den Norden bis Maine führt.

Als er etwas gedankenverloren auf den Bus starrt, der sofort, nachdem er angehalten hat, von schwätzenden Jugendlichen erstürmt wird, tritt sie zu ihm.

Was ist los, Liebling?“, fragt sie. „Willst du nicht einsteigen?“

Marc schüttelt den Kopf und lächelt. „Noch nicht. Ich will mir noch etwas zu lesen kaufen. Geh du schon mal vor und reservier’ mir einen guten Platz.“

Sonst noch was, Pascha?“, fragt sie spöttisch und zeigt ihm diese gespielt- abweisende Art, die er insgeheim so an ihr liebt.

Vielleicht bekommst du ja später noch was von mir, wenn du verstehst, was ich meine“, kontert er frech zurück.

Fick dich selbst!“, lacht sie und streckt ihm den ausgestreckten Mittelfinger hinterher, als er auf den einsamen Kiosk am Ende des Parkplatzes zuschlendert.

Als er an dem Stand eintrifft, wird er überwältigt von der Auswahl verschiedener Zeitschriften. Klatschblätter geben sich mit Computerzeitschriften und Erotikmagazinen ein buntes Stelldichein, während Taschenromane und Kitschblätter die kompletten Innenwände des kleinen Lädchens aus­kleiden.

Marc lässt seinen Blick über das ganze Brimborium schweifen und hält schließlich bei den Lokal­blättern inne. Er nimmt eines davon in die Hand und seine Augen weiten sich vor Erstaunen. Eine große, fettgedruckte Schlagzeile sticht ihm ins Auge.

STADTRATSKANDIDAT VOR GERICHT- VERDACHT AUF BEIHILFE ZUR VERGEWALTIGUNG

Seattle: Der bekannte Lokalpolitiker und Stadtratskandidat John Schwarzfeldt hat sich vorgestern selbst wegen Beihilfe zu einer Vergewaltigung angezeigt, die sich vor 25 Jahren in Südengland zu­getragen haben soll. Der Verdächtige soll damals im Alter von 17 Jahren dabei geholfen haben, einen etwa gleichaltrigen anderen Jungen in einem christlichen Jugendcamp zu vergewaltigen. Die britischen Behörden wurden bereits informiert und erhoffen, durch eine möglichst rasche Aufklä­rung des Falles eine Verbindung zu dem furchtbaren Amoklauf herstellen zu können, dem am Fol­getag der Vergewaltigung 25 junge Menschen zum Opfer fielen. Laut dem britischen Polizeispre­cher Michael-Dean Clarke kann bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass es sich bei dem Opfer, einem vermutlichen Gothic- Anhänger, um den Amokläufer handelte. Der Junge wurde von einem der Überlebenden mit der eigenen Waffe erschossen. Die Komplizin des Amok­läufers ist seit dem tragischen Blutbad nicht mehr vernehmungsfähig und auf lebenslange psychia­trische Betreuung in einer Nervenklinik angewiesen.

Tragischerweise versuchte Corn, der selbst zusammen mit dem Verdächtigen für den Stadtrat kan­didierte, vor vier Jahren seinen eigenen Sohn zu missbrauchen, wurde aber in Nothilfe erstochen. Aufgrund dessen würde sich die weitere Suche nach Zeugen als schwierig erweisen, so die Staatsanwaltschaft.

Mehr zu diesen tragischen Umständen lesen Sie in der morgigen Ausgabe.

Marc nickt langsam und lächelt dem Kioskbesitzer freundlich zu, bevor er sich umdreht, um zurück zum Bus zu gehen.

Kurz bevor er das Fahrzeug erreicht, hält er inne. Er bemerkt zwei Jungen, die in den Bus einstei­gen. Er kann sich nicht erinnern, dass sie je in seiner Baseballmannschaft mitgespielt hätten. Sie tragen lange, schwarze Mäntel und eine Art Hundehalsband mit eisernen Spikes. Pascal starrt sie ungläubig an. Was hat das zu bedeuten? Sollen die beiden eine Art zusätzliche Aufsicht sein?

Die beiden Jungen bleiben kurz stehen und einer der beiden schenkt Marc ein schüchternes Lä­cheln. Doch dieser erwidert es nicht.

Stattdessen grinst er breit.

Was für Freaks!, denkt er und seine Augen beginnen zu leuchten.

Thomas Buckel

Thomas Buckel

1980 in Augsburg geboren.
Erste Schreibversuche im Alter von 10 Jahren.
Ausbildung zum Verkäufer und in der Altenpflege.
Zur Zeit Abendgymnasium in Augsburg.

Veröffentlichungen: Bathtime Stories beim AAVAA-Verlag/Berlin (erhältlich seit 01.09.2016)

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