Die Legende der Bloody Mary

Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen

Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 20: Die Legende der Bloody Mary
byMEP

Die Legende der Bloody Mary wurde vor allem im englischsprachigen Raum von Generation zu Generation an experimentierfreudige Jungen und Mädchen weitergegeben. Vielleicht hat aber auch schon jemand alsJugendlicher die Herausforderung angenommen, in einem dunklen Badezimmer dreimal Bloody Mary in den Spiegel zu rufen und dann schreiend zu fliehen, bevor der böse Geist erscheint. Die einen sagen, dass die blutverschmierte Frau nur im Spiegel erscheint, die anderen, dass sie sich ein Leben lang an die Versen heftet oder den neugierigen Rufer sogar tötet.

Die Legende von Bloody Mary wurde vor allem im englischsprachigen Raum von Generation zu Generation an experimentierfreudige Jungen und Mädchen weitergegeben. Vielleicht hat aber auch schon jemand als Jugendlicher die Herausforderung angenommen, in einem dunklen Badezimmer dreimal Bloody Mary in den Spiegel zu rufen und dann schreiend zu fliehen, bevor der böse Geist erscheint. Die einen sagen, dass die blutverschmierte Frau nur im Spiegel erscheint, die anderen, dass sie sich ein Leben lang an die Versen heftet oder den neugierigen Rufer sogar tötet.

Weiterlesen

Die Geschichte des Kriminalromans

Crime
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen

Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 19: Geschichte des Kriminalromans
byMEP

Ein Überblick, wie das Genre der Kriminalliteratur (kurz: Krimi) entstanden ist, was seine Vorläufer waren und wie es sich entwickelt hat.

Genrebeschreibungen sind selten eine klare Sache, aber nur deshalb kann man darüber diskutieren. Wäre immer alles klar und für jeden ersichtlich, würde ein Lexikoneintrag genügen und die Sache wäre erledigt. Heute widmen wir uns dem wohl beliebtesten literarischen Genre überhaupt. Dem Kriminalroman.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es niemals eine erschöpfende Aussage über ein Genre geben kann, und so ist auch dies nur ein kleiner Überblick.

Es gibt so viele verschiedene Arten von Kriminalromanen, dass bereits in den 1920er Jahren eine der ersten „Queens of Crime“, Dorothy L. Sayers, darüber klagte:

„Es ist unmöglich, den Überblick über all die Krimis zu behalten, die heute produziert werden. Buch um Buch, Zeitschrift um Zeitschrift strömt aus der Presse, vollgestopft mit Morden, Diebstählen, Brandstiftungen, Betrügereien, Verschwörungen, Problemen, Rätseln, Geheimnissen, Nervenkitzel, Verrückten, Gaunern, Giftmischern, Fälschern, Würgern, Polizisten, Spionen, Geheimdienstlern, Detektiven, bis es scheint, als müsse die halbe Welt damit beschäftigt sein, Rätsel zu erfinden, damit die andere Hälfte sie lösen kann.“

Dorothy L. Sayers

Beginnen wir unseren kleinen Rundgang jedoch mit einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen Rätselgeschichte und Kriminalroman, bevor wir uns einigen historischen Daten zuwenden.

Wenn man sich nicht ausschließlich auf die deutsche Terminologie beschränkt, ist es von vornherein angebracht, die hierzulande gebräuchlichen Gattungsbezeichnungen fast ausnahmslos zu verwerfen. Englisch ist die literarische Leitsprache der Populärliteratur, daran ändern auch länderspezifische Besonderheiten nichts. Ein Beispiel von vielen ist die „Mystery Fiction“, also die „Rätselgeschichte“, die hierzulande kaum als Begriff verwendet wird. Stattdessen wird der englische Begriff “Mystery” beibehalten und für eine Form der phantastischen Erzählung verwendet, die eigentlich der Weird Fiction nahe steht, während “Mystery Fiction” zur Kriminalliteratur wird. Diese wäre eigentlich Crime Fiction, die sich wiederum von der Mystery Fiction unterscheidet.

Weiterlesen

Schrecken der Hygiene

Journal
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen

Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 18: Schrecken der Hygiene
byMEP

Dem bizarren Umstand der unterschiedlichen Moden der Hygiene geschuldet, gibt es hier eine kleine Reise in die Merkwürdigkeiten, die mit der immerwährenden Eitelkeit einhergehen.

Stellen wir uns vor, wir könnten in eine Zeitmaschine steigen und in vergangene Epochen reisen. Diese phantastische Reise würde schnell in einen Albtraum umschlagen, nicht etwa wegen technischer oder physikalischer Hürden, die unsere Rückkehr verhindern könnten, oder weil wir uns in einer gefährlichen, gewaltbereite Zeit landen. Nein, unser Untergang wäre weitaus subtiler, heimtückischer – und dennoch unvermeidlich.

Weiterlesen

Das Geheimnis der Appalachen

Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen
Phantastikon – Magazin der Tausend Fiktionen

Der Phantastikon-Podcast ist ein literarisch-philosophisches Format über das Fantastische in all seinen Formen – von klassischer Phantastik und Horror über Mythos und Symbolismus bis hin zu modernen Grenzbereichen zwischen Realität und Imagination. Er verbindet intellektuelle Tiefe mit erzählerischer Atmosphäre und richtet sich an Hörer, die das Denken und Träumen gleichermaßen ernst nehmen.

Episode 17: Die unheimlichen Legenden des Appalachian Trail
byMEP

Die Appalachen, eine beeindruckende Gebirgskette, erstrecken sich über den Osten der Vereinigten Staaten. Die natürliche Schönheit der Wälder und Berge ist unbestreitbar, doch die düstere, mystische Atmosphäre macht sie zu einem besonderen Ort. In dieser Region gibt es eine Vielzahl von dunklen Geschichten. Sie warnen den Wanderer nicht nur vor natürlichen Gefahren, sondern auch vor den unerforschten, mystischen Elementen des Landes. Das Sprichwort „Schaunicht in die Bäume“ ist ein markantes Beispiel für diesedüstere Weisheit. Es verweist auf die tief verwurzelte Angst und den Respekt, die die Menschen gegenüber der Wildnis der Appalachen empfinden.

Die Appalachen

Die Appalachen, eine beeindruckende Gebirgskette, erstrecken sich über den Osten der Vereinigten Staaten. Die natürliche Schönheit der Wälder und Berge ist unbestreitbar, doch die düstere, mystische Atmosphäre macht sie zu einem besonderen Ort. In dieser Region gibt es eine Vielzahl von dunklen Geschichten. Sie warnen den Wanderer nicht nur vor natürlichen Gefahren, sondern auch vor den unerforschten, mystischen Elementen des Landes. Das Sprichwort „Schau nicht in die Bäume“ ist ein markantes Beispiel für diese düstere Weisheit. Es verweist auf die tief verwurzelte Angst und den Respekt, die die Menschen gegenüber der Wildnis der Appalachen empfinden.

Weiterlesen

Die drei ??? und der Phantomsee / William Arden

Piraten! Versunkene Schiffe! Ein geheimnisvoller Schatz! Ein Wettlauf um die Entschlüsselung einer Botschaft aus dem Jenseits! Der Phantomsee (1973) von William Arden, der neunzehnte Titel in der Reihe der drei Detektive, enthält all das.

Es ist sowohl eine Stärke als auch eine Schwäche der Reihe um die drei Fragezeichen, dass der Ausgangspunkt von Buch zu Buch genau derselbe sein kann: Titus Jonas kann von jemandem eine Ladung Schrott für seinen Schrottplatz kaufen, und ein Gegenstand auf diesem Schrottplatz kann für jemanden aus ungewöhnlichen Gründen wertvoll sein … das Ergebnis sind dann die jeweiligen Abenteuer. Privatdetektivromane beginnen damit, dass ein Klient durch die Bürotür tritt, Perry Mason beginnt fast jeden Fall mit der Beobachtung eines seltsamen Verhaltens – diese Tropen existieren, weil sie den Konventionen, die wir in diesem Genre erwarten, eine Form geben.

Weiterlesen

Die Geschichte der Fantasy -3- William Morris

Geschichte der Fantasy
William Morris

Kehren wir zu William Morris zurück. Betrachten wir seine drei berühmten phantastischen Werke „Die Zauberin jenseits der Welt“, „Die Quelle am Ende der Welt“ und „Das Reich am Strom“. Sind sie völlig unabhängig von der realen Welt? Alle diese Bücher rühmen sich ihrer erfundenen Geographie (Das Reich am Strom hat sogar eine Karte). Die sozialen Komponenten sind ausgefeilt und unverwechselbar, ähnlich dem europäischen Mittelalter in Bezug auf Technologie, Klassen, etc. Alles sieht so aus, als hätten wir es hier mit der gesuchten unabhängigen zweiten Welt zu tun.

Weiterlesen

Von der Existenz des Teufels

Gut. Im Wald. Es beginnt immer im Wald. Eine junge Frau im Nachthemd rennt die Gleise entlang, gerät zwischen zuschnappende Bärenfallen. Ich will nicht alles verraten, aber es ist wohl Nacht, ein Dorf, ohne Taschenlampe schwer zu finden, nicht einmal im Mondlicht, Magie hin oder her. Versteck dich, will man ihr zurufen, zieh dein Kleid aus und versteck dich dahinter!

In ihr lodern Fackeln, ihre Haut ist unbeschriebenes Pergament, ein Kuss hinterließ einst eine Rose zwischen ihren Brüsten, zwischen den Bergen, die sie simulieren. Stromschnellen zwischen den Schulterblättern, dort verirrt sich das Dickicht selbst. Die Stunden ihrer Flucht sind ihr ins Haar geflochten, aus ihren Ohren quillt Musik, verträumt sich im Ginster. Ungeliebter Regen lauert in ihren Augen, der nächste Schritt löst das Bedauern aus. Etwas Luftiges fällt zu Boden und ihre Hand ist ganz nass. Es ist noch nicht ganz Blut. Sie sagt: „Was wäre ich ohne den Teufel?“

Weiterlesen

Die Geschichte der Fantasy -2- Was ist eine erfundene Welt?

Geschichte der Fantasy

Lin Carter, der sich zusammen mit L. Sprague de Camp mit dem Nachdruck und der Sammlung alter Fantasy-Werke beschäftigte, beantwortete die Frage so: Der erste, der eine solche Geschichte schrieb, war William Morris, der Autor von „Die Quelle am Ende der Welt“ und „Die Zauberin jenseits der Welt“. (Und auch die deutsche Übersetzung wirbt mit dem Etikett “Begründer der Fantasy”). Auf den ersten Blick wirken diese beiden Romane tatsächlich wie „High Fantasy“. Aber spielen sie wirklich in einer anderen Welt?

Weiterlesen

Wie Ziegen den Kaffee erfanden

Journal

In einer Welt, die vom Alltagstrott gefangen gehalten wird, gibt es ein Getränk, das seit Jahrhunderten unsere Sinne erweckt und die Flamme unserer Leidenschaften entfacht. Dieses geheimnisvolle Elixier, kein geringeres als der Kaffee, hat Revolutionen befeuert, Künstler inspiriert und Menschen in stiller Einkehr zusammengeführt. Aus einer schlichten äthiopischen Beere entsprungen, hat es sich zu einem globalen Phänomen entfaltet, gehüllt in Rätsel und erfüllt von tiefgründiger Vielschichtigkeit.

Die Legende besagt, dass Honoré de Balzac, der französische Autor der menschlichen Komödie, bis zu 50 Tassen Kaffee am Tag trank, um sich in einen Rausch der Kreativität zu versetzen. Gekleidet in die weiße Kapuze eines Dominikanermönchs, ausgerüstet mit Tinte, Federkiel und einem endlosen Vorrat an Kaffee, begann Balzac seinen Schreibtag um 2 Uhr morgens und verließ seinen Schreibtisch nur, um sich um seine persönliche Limoges-Cafetière – eine Kanne mit Stövchen – zu kümmern, die seinen starken Kaffee während seiner langen Schreibnächte warm hielt. Er brauchte 15 Tassen oder mehr, um diese Schreibanfälle überhaupt zu stillen.

Balzacs berühmte Kaffeekanne

Weiterlesen

Die drei ??? und die rätselhaften Bilder / William Arden

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass das bisherige Werk von Dennis Lynds, der unter dem Pseudonym William Arden in der Serie der drei Detektive arbeitet, ein solides, unspektakuläres Mittelmaß darstellt, während seine gegenwärtigen Kollegen – Nick West, M.V. Carey – sowohl die Höhen als auch die Tiefen ausloten.

Die ersten drei Bücher von Lynds – Der Teufelsberg (1968), Der lachende Schatten (1969), und Die schwarze Katze (1970) – sind eher Kost, die auf Nummer sicher gehen und den jugendlichen Detektiven Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews wenig Neues bieten. Wenn Nick West mit Der unheimliche Drache (1970) vielleicht den Tiefpunkt der Serie vorgelegt hat – sich dann aber mit dem ausgezeichneten Der rasende Löwe (1971) rehabilitieren konnte, während dann Carey den Post-Robert-Arthur-Höhepunkt Die singende Schlange (1972) schrieb, ist es doch so, dass Ardens Beiträge im Augenblick noch schwer einzuschätzen sind.

Weiterlesen

Die Geschichte der Fantasy -1- Wer war der Er­s‍te, der eine Geschichte in einer anderen Welt ansiedelte?

Geschichte der Fantasy

Wenn wir uns ein wenig mit dem Genre beschäftigen, stellen wir zunächst fest, dass es nicht die eine Geschichte der Fantasy-Literatur gibt. Jeder leitet alles, was wir heute bewundern können, von einem anderen Vorfahren ab.

Dennoch gibt es Unterschiede in der Definition, denn die enorme Bandbreite der Fantasy enthält natürlich verschiedene Merkmale, die für die Bestimmung des Genres wesentlich sind. Die „High Fantasy“ kann im Großen und Ganzen dadurch definiert werden, dass sie in einer Welt spielt, die nicht die unsere ist. Es ist eine Welt mit eigener Geographie und eigener Kulturgeschichte. Es ist also eine andere Welt, in der die Geschichte spielt. Viele Kritiker gehen davon aus, dass mit „High Fantasy“ der Kern umrissen ist, wenn wir von Fantasy sprechen. Das ist aber noch etwas vage. Eine zweite oder fremde Welt ist nicht unbedingt eine andere Welt.

Weiterlesen

Die Bestie mit den fünf Fingern / W. F. Harvey

Die Bestie mit den fünf Fingern

Wir gehen heute etwas in der Zeit zurück, um uns einen Klassiker aus dem Hause Diogenes anzuschauen. Ein Verlag mit einem überhaupt interessanten Profil, dessen Credo besagt: „Jede Art des Schreibens ist erlaubt, nur nicht die langweilige“. Zugegeben, das Buch, um das es heute geht, besser gesagt, die Sammlung von Geschichten, ist dort schon lange nicht mehr zu finden. Sie wurde 1979 veröffentlicht und so weit ich weiß, niemals nachgedruckt, aber antiquarisch ist das Taschenbuch nicht schwer zu finden: „Die Bestie mit den fünf Fingern“.

William Fryer Harvey wurde in das faszinierende Zeitalter der Psychoanalyse hineingeboren. Als Arzt sind ihm die Unternehmungen Freuds um 1900 natürlich nicht entgangen. Die Surrealisten zogen ihren eigenen Spuk daraus, andere lehnten die Psychoanalyse rigoros ab. In der Kunstwelt fand Freud – wenig erstaunlich – den größten Anklang, aber Harvey ist einer jener Schriftsteller, die aus der Psychoanalyse Gespenstergeschichten ableiteten.

Harvey
Harvey

Es gibt neun Sammlungen von ihm, aber wir haben hierzulande leider nur eine bekommen: “Die Bestie mit den fünf Fingern“, die jedem nur ans Herz gelegt werden kann. Die Sammlung enthält neben der berühmten Titelgeschichte auch die anderen Meisterwerke wie “Augusthitze” und “Der Begleiter”.

Hier haben wir also die eine Sammlung psychologischer Gespenstergeschichten von W. F. Harvey vorliegen, die alle etwas anders sind als die bekannten Variationen. Zwar könnte man behaupten, eine Gespenstergeschichte sei immer auch psychologisch in ihrer Aussage und läge damit nicht falsch, aber uns interessiert hier die Frage nach der Einbildung. Wenn wir davon überzeugt sind, dass es in einer Geschichte um das Übernatürliche geht, nehmen wir als Leser eine andere Haltung ein, als wenn wir berechtigte Zweifel haben, die sich aber nie aufdecken lassen, weil der Autor uns in ein Grenzland schickt: Zufall? Einbildung? Grauen? Alles zusammen?

Weiterlesen

Die drei ??? und die singende Schlange / M. V. Carey

Die singende Schlange

Mary Virginia Carey sollte im Laufe der Zeit mehr Bücher in der Serie der drei Detektive schreiben als jeder der vier anderen Autoren, die daran arbeiteten, aber mit Die flammende Spur (1971) hatte sie zunächst einmal einen etwas wackeligen Start. Wird sie mit ihrem zweiten Titel, Die singende Schlange (1972), in besserer Form sein?

Wenn man bedenkt, dass die einzige wirkliche geographische Konstante in diesen Geschichten der Schrottplatz von Jonas und das darin versteckte Hauptquartier der drei Detektive ist, muss man Carey zunächst einmal dafür loben, dass sie einen neuen Weg gefunden hat, dieses Universum mit dem stattlichen Jamison-Anwesen, dem Zuhause der jungen Allie Jamison, die von ihrer exzentrischen Tante Miss Patricia Osborne betreut wird, auf bisher ungeahnte Schauplätze auszudehnen. In einem Bruch mit der Tradition, wenn auch nur für kurze Zeit, wird Allie, die diesmal die jugendliche Freundin in diesem Abenteuer sein soll, zunächst nicht gerade als sympathische Figur eingeführt: Ihr erster Auftritt ist von Unnahbarkeit geprägt, der bald eine gewisse Aggressivität folgt, als Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ihr Pferd erschrecken und sie daraufhin abgeworfen und verletzt wird.

Weiterlesen

Der letzte Sündenesser

Wenn Teile der Kulturgeschichte über die Zeit hinweg von Generation zu Generation geflüstert werden, verändern sich die Einzelheiten der Erzählung jedes Mal ein wenig – die Bedeutung verschiebt sich, wird manchmal verschleiert oder geht ganz verloren – bis die Geschichte ein köstliches Gewirr aus Tatsache, Erfindung und Magie ist.

Die Folklore der Sündenesser ist die geflüsterte Variation eines Spiels, das wir als „Stille Post“ kennen, und irgendwie trifft das auf alles zu, was früher einmal geschehen sein soll. Wir kennen es nur aus Erzählungen und unserer Imagination, die uns dabei hilft, die Dinge in unterschiedlichen Variationen ständig neu zu gestalten. So auch hier.

Schottisches Begräbnis im 19. Jahrhundert: The Print Collector/Print Collector/Getty Images

Weiterlesen

Das Phantom von Versailles

In der langen Geschichte der menschlichen Wahrnehmung gibt es Ereignisse, die sich einer einfachen Erklärung entziehen. Sie existieren in einer Grauzone zwischen dem, was wir für Realität halten und Illusion, zwischen dem, was wir für Wissenschaft halten und Mystik. Eine solche Begebenheit ereignete sich an einem drückenden Augustnachmittag des Jahres 1901, als zwei englische Akademikerinnen namens Eleanor Jourdain und Charlotte Moberly, auf den gepflegten Wegen des Schlosses von Versailles wandelten – und sich, wie sie nicht ganz zu Unrecht glaubten, unversehens in eine andere Zeit versetzt sahen. Ihr Bericht, später in dem Buch An Adventure publiziert, wurde zu einer der bemerkenswertesten und kontroversesten Erlebnisse der paranormalen Literatur.

Die Begegnung mit dem Vergangenen

Eleanor Jourdain und Charlotte Moberly
Eleanor Jourdain und Charlotte Moberly

Weiterlesen

Die drei ??? und der rasende Löwe / Nick West

Der rasende Löwe

Willkommen im Dschungelland!

Der rasende Löwe

Es mag fast schon verwundern, dass die beiden Themen „Jugendliche Detektive“ und „Tierpark“ erst im 16ten Buch der drei Fragezeichen auftauchen. Sicher, Tiere spielen immer wieder eine Rolle, aber ein ganzer Park eben nicht.

In Der rasende Löwe (The Secret of the nervous Lion – 1971) finden wir uns in genau dieser Konstellation wieder: Die Jungs werden von Alfred Hitchcock angeheuert, um das Dschungelland zu untersuchen, „eine Art Wildfarm mit Löwen und anderen herumstreunenden Tieren“, die „eine Touristenattraktion sein soll“. Deren zahmer Löwe George legte in den letzten Monaten ein zunehmend nervöses Verhalten an den Tag.

„Er ist sehr gereizt. Er wohnt ja bei uns im Haus, aber in letzter Zeit schläft er nicht mehr ruhig. Fast jede Nacht steht er auf und knurrt und läuft herum, und immer versucht er ins Freie zu kommen. Jim gelingt es nicht, ihn so zu beruhigen, daß er wieder einschläft, und er gehorcht auch nicht mehr wie früher auf Befehle. Es wird immer schwieriger, mit ihm fertigzuwerden – ich habe richtig Angst, daß er einfach nicht mehr das gutmütige, zahme Tier von einst ist.“

Weiterlesen

Unheimliche Gesellschaft / Carlos Fuentes

Literatur
Unheimliche Gesellschadt

Als einer der grundlegenden Autoren des „Booms“ hat der Mexikaner Carlos Fuentes in seinen wichtigsten Romanen – „Nichts als das Leben“ (1962), „Terra Nostra“ (1975), „Die Jahre mit Laura Diaz“ (1999) u.a. – eine interessante Reflexion über die kulturelle Vielfalt und Geschichte seines Landes angestellt. Gleichzeitig hat Fuentes, wie jeder Autor von Rang, mit Erzählungen wie jenen, die in seinem ersten Buch „Verhüllte Tage“ (1954) dargeboten werden, den Kurzromanen „Aura“ (1962) und „Das gläserne Siegel“ (2001), die Phantastik in seine Erzählungen einfließen lassen.

In diesem Sinne ist „Unheimliche Gesellschaft“ (2004) eine Sammlung von Rätsel- und Horrorgeschichten, ein Band mit sechs Geschichten und einer Schlüsselfrage: „Ist Leben diese kurze Spanne, dieses Nichts zwischen Wiege und Grab?“

Weiterlesen

Das Korsett / Laura Purcell

Das Korsett Purcell

War bereits Laura Purcells Die stillen Gefährten ein herausragendes Debüt im Sektor der neuen Welle der Schauerliteratur, ist ihr Buch von 2018, das uns jetzt mit einiger Verspätung erreicht, nicht weniger bemerkenswert, was im Grunde zu erwarten war. Gegenwärtig gibt es – neben historischen Romanen – bereits zwei weitere Gothic Novels von ihr, und man kann nur hoffen, dass der Festa-Verlag an dieser Autorin dran bleibt. Es wäre gar nicht auszudenken, wenn wir hier wie so oft nur Publikum zweiter Klasse wären.

Auch dieser Roman ist im viktorianischen England angesiedelt und die Atmosphäre ist in etwa dieselbe wie in Purcells Debüt. Während wir allerdings in den stillen Gefährten eine Insassin in einem Irrenhaus hatten, finden wir hier ein junges Mädchen von 16 Jahren namens Ruth Butterham im Oakwood-Gate-Gefängnis inhaftiert. Sie wird bald des Mordes angeklagt und höchstwahrscheinlich droht ihr der Strick, schließlich hat sie mehrere Morde gestanden.

Im Buch ist die die eine  Hälfte der beiden Erzählerinnen, die andere ist Dorothea Truelove. 

Weiterlesen