Es wird Novalyne Price Ellis nicht leicht gefallen sein, One Who Walked Alone: Robert E. Howard the Final Years zu schreiben. Price Ellis’ Erinnerungen an ihre Beziehung zu Howard (etwa von 1934 bis 1936) sind von ungeschminkter Ehrlichkeit. Sie sind schmerzhaft, manchmal enttäuschend und geradezu frustrierend. Wir können uns in Howards Fantasie flüchten, aber all das ist hier nicht zu finden.
One Who Walked Alone ist mutig. Ellis opfert die Wahrheit nicht zugunsten eines zu wahrenden Gesichts. Howard war ein erfolgreicher Schriftsteller und ein Freigeist, der wilde, lebhafte Geschichten erzählte, die Price Ellis unwiderstehlich fand. Aber der Texaner brachte sie auch in Verlegenheit, weil sie sich nicht mit seinem manchmal seltsamen Verhalten in der Öffentlichkeit abfinden konnte. Enttäuscht darüber, dass er nicht ihren Vorstellungen von Männlichkeit entsprach, begann sie, sich mit anderen Männern zu verabreden, unter anderem mit einem seiner besten Freunde, Truett Vinson, was Howard bis ins Mark erschütterte. Obwohl ihre Reaktion auf den ersten Blick verständlich erscheint, war sie doch recht oberflächlich und unangemessen. Und doch ist diese kompromisslose Ehrlichkeit eher bewundernswert als abstoßend.

Price-Ellis zeichnet Howard auch nicht als Heiligen. Dreist, affektiert und dumm waren einige seiner Charakterzüge. Price-Ellis spürte, dass er sich auf einem selbstzerstörerischen Weg befand; sie konnte mit dieser “Ich gegen die Welt”-Philosophie nicht leben. Howards Unfähigkeit (oder Unwilligkeit), sich der modernen Welt anzupassen, wird in diesen Aufzeichnungen besonders deutlich. H.P. Lovecraft schrieb, dass Howard selbst in jeder seiner Geschichten anwesend sei, was seine Geschichten so besonders mache. Wenn also Conan vom Niedergang der Zivilisation sprach, dann war es Howard, der das Gleiche sagte. “Diejenigen, die meine Sachen lesen, wollen dieser modernen, komplizierten Welt entfliehen, ihrer Heuchelei, ihrer Grausamkeit, ihrer Mentalität, die anderen zu fressen… Die Zivilisation, in der wir leben, ist verdammt viel finsterer als die Zeit, über die ich schreibe”, sagte er. Price Eliis kommt in ihrem Buch zu dem gleichen Schluss:
Bob konnte nicht in der Welt leben, die er vorfand. Ich hatte es zwar schon flüchtig erkannt, aber es war mir bis jetzt nicht ganz klar. Er hat es mir mehrfach gesagt, wenn er meinte: “Das Leben ist nicht wert, in dieser verrotteten Gesellschaft gelebt zu werden.” Er redete sich das solange ein, bis er es selbst glaubte. Bob war nicht bereit, an einer Straßenecke mit anderen Männern über das Wetter, die Arbeit oder sonstige alltägliche Dinge zu reden, worüber Männer eben so reden. Er war anders. Er gehörte in ein anderes Jahrhundert. Er gehörte nach England in die Kaffeehäuser, wo sich die Menschen trafen, um über die Abenteuer der Forscher in der Neuen Welt zu diskutieren, oder nach Irland, wo die Männer ihre Position von Krieg und Frieden einnahmen.
Auf einer seiner vielen Autofahrten durch das Land erwähnte Howard beiläufig: “Ich war da, Mädchen, ich bin mit Dschingis Khan geritten!” Man horcht auf, wenn man das liest. Diese kleine Episode sagt viel über Howard aus. Seine größte Leidenschaft war wohl die Geschichte. Zum einen die von Texas (er hoffte, eines Tages einen großen Roman darüber zu schreiben), zum anderen die von überlebensgroßen Eroberern wie Khan und Alexander dem Großen.
Price-Ellis alltägliche Beobachtungen offenbaren ebenfalls Howards empfindsame Seite. Ein kleines Beispiel:
Kein anderer Mann, den ich jemals kannte, hielt an, um einen schönen Sonnenuntergang zu betrachten. Aber hier war diese große Mann, ungeschickt, plump, der so kenntnisreich über Barbaren, Morde, Kriege, Kämpfe und Tod sprach, und hielt inne, um sich den Sonnenuntergang anzusehen. Ich versuchte, nicht zu sprechen. Ich beobachtete ihn. Ich glaube, er befand sich tief in einer Geschichte und hatte mich völlig vergessen.
Die ergreifendste, denkwürdigste Szene in One Who Walked Alone betrifft den verhängnisvollen Tag des 24. Februar 1936. Der sich rapide verschlechternde Gesundheitszustand seiner Mutter und Novalyns offene Begegnung mit Truett Vinson veranlassen ihn, ihr sein Herz zu öffnen: “Ich will leben! Ich möchte eine Frau lieben, eine Frau, mit der ich mein Leben teilen kann, die an mich glaubt, die mich will und die mich auch liebt! Weißt du das nicht?” Dies ist die schmerzliche, herzzerreißende Szene einer Seele in extremis. An diesem Punkt, als Howard am verletzlichsten war und sein Leben buchstäblich in der Schwebe hing, verweigert ihm Price-Ellis ihre Zuneigung. Sie findet sich nicht in der Lage, mit Mitgefühl oder gar Freundlichkeit zu reagieren; alles, was sie zustande bringt, sind schwache Witze über einen Schnurrbart. Es wäre für Price-Ellis ein Leichtes gewesen, diesen Vorfall unter den Teppich zu kehren, einen intimen und privaten Moment während ihrer zahlreichen Autofahrten. Aber sie breitet die Szene dennoch unerschrocken aus.
Es gab bessere und lustigere Zeiten auf ihren langen Reisen durch Texas. Aber natürlich muss die Geschichte mit einer Tragödie enden. Wenn Price-Ellis das schicksalhafte Fernschreiben vom 11. Juni 1936 vorliest („Heute Morgen hat Bob Howard Selbstmord begangen. Seiner Mutter geht es sehr schlecht.“), spüren wir den herben Verlust eines jungen Menschen, der plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Es gibt keine Bücher mehr zu lesen, keine Geschichten zu erzählen. Price-Ellis erleidet einen furchtbaren Schock und macht sich furchtbare Vorwürfe, nicht mehr getan zu haben, um diese Tragödie zu verhindern.
Doch es ist schwer, zu sagen, ob sie überhaupt etwas dazu hätte beitragen können. Im gesamten Buch erfahren wir, dass sich Howard stets als alt beschrieb, wie einer, der sich im körperlichen Verfall befindet, und das mit gerade mal 30; das Zitat, das er dafür benutzt stammt aus Shakespeares Macbeth:
Ich lebte lang genug; mein Lebensweg
Geriet ins Dürre, ins verwelkte Laub.
Er rutsche häufig in die Depression und zog sich wieder heraus, vielleicht aus Selbstverpflichtung seiner kranken und sterbenden Mutter gegenüber, damit er sich um sie kümmern konnte. Price-Ellis beobachtet, dass Howard ein Mann mit Fesseln zwischen “Pflicht und Aufgabe” war.
Darüber hinaus kämpfte Howard mit dem Wandel der Zeit und den seiner Meinung nach degenerierten gesellschaftlichen Werten. Er glaubte an Reinkarnation und sehnte sich nach einer robusten, einfachen Vergangenheit, in der das Leben noch einen Sinn hatte und man sein Schicksal mit dem Schwert in der Hand selbst gestalten konnte. Er war in vielerlei Hinsicht ein Fremder in einem fremden Land; der Titel, den Price-Ellis wählte, ist sehr treffend. Und es sind genau diese Züge der Selbstzerstörung, die Howard unverwechselbar zu Howard machen. Es ist unwahrscheinlich, dass er ohne sie den gleichen kreativen Funken gehabt hätte.
Entdecke mehr von Phantastikon
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.