Arsène Lupin (Der Gentleman-Dieb)

In der ersten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts veröffentlichte der französische Schriftsteller Maurice Leblanc “Arsène Lupin kontra Herlock Sholmes”, einen Kriminalroman, in dem sein beliebter Gentleman, Arsène Lupin, vorgestellt wurde. Insgesamt schrieb Leblanc 21 Romane und Kurzgeschichten über den genialen Meisterdieb, der als die diebische französische Antwort auf Conan Doyles aufrechten Sherlock Holmes galt. Was “Arsène Lupine” von Leblancs anderen Lupin-Romanen unterscheidet, ist der Untertitel: “Eine Aufzeichnung über ein Duell der Intelligenz zwischen Arsène Lupin und dem englischen Detektiv .” Der verquaste Titel von Lupines Gegner ist kein Tippfehler, sondern eine Vorsichtsmaßnahme gegen eine eventuelle Urheberrechtsverletzung. Wir sehen, dass es dieses Thema bereits 1910 zu beachten galt.

Betrachten wir die Arbeit des Meisterdiebes. Wenn Sie mit Lupin nicht vertraut sind, stellen Sie sich Cary Grant in “Über den Dächern von Nizza” oder George Clooney in den “Ocean”-Filmen vor. Er ist kein einfacher Einbrecher. Begeistert von einem Moment poetischer Inspiration über eine einzigartige Gelegenheit, beginnt der Meisterdieb damit, mit Hingabe und Vertrauen in seine Fähigkeit, die Erwartungen, Wahrnehmungen und die Realität derer zu manipulieren, die er zu täuschen versucht, nämlich seine Leser. Während sein ursprüngliches Konzept vielleicht ein anderes war, weiß er, dass seine Fähigkeit darin liegt, verschiedene Masken und Identitäten anzuwenden. Das schließlich führt ihn zum Erfolg. Und das ist auch sein Plan. Außerdem ist das die eigentliche Handlung. Und manchmal ist das auch genug.

Arsène ist ein sehr eleganter “Gentleman-Dieb”, der für sich selbst, aber auch für diejenigen stiehlt, die es am meisten brauchen, und er nimmt immer nur von den Reichen. Als Liebhaber von Frauen, Glücksspiel, Luxus, und natürlich Geld, zeichnet sich Lupin durch einen bemerkenswerten Sinn für Humor aus. Er ist ein intelligenter Verwandlungskünstler, der in der Lage ist, Make-up und Kleidung nach Bedarf anzulegen, und seine unterschiedlichen  Charaktere perfekt zu mimen. Es wird auch beschrieben, wie kompetent er im Sport, insbesondere in den Kampfkünsten ist. Die Qualitäten eines Illusionisten sind ihm zu eigen und auch vom Fliegen versteht er etwas. Dass er dabei auch noch ein Kunstliebhaber ist, versteht sich von selbst, und was die Künste der Verführung betrifft, steht er einem Casanova kaum nach. Gewalt wendet er selten an, und wenn, dann nur, um sich selbst zu verteidigen.

Seine Gegner sind Inspektor Garimard von der französischen Polizei und natürlich der britische Detektiv Herlock Sholmes.

Von Anfang an schrieb Leblanc sowohl kurze Krimis als auch längere Romane, und seine längeren Bände, die stark von Schriftstellern wie Flaubert und Maupassant beeinflusst waren, wurden von der Kritik gewürdigt, hatten aber wenig kommerziellen Erfolg. Leblanc galt weitgehend als wenig mehr als ein Autor von Kurzgeschichten für verschiedene französische Zeitschriften, als die erste Arsene Lupin Geschichte erschien. Sie wurde als Erzählreihe in der Zeitschrift “Je Sais Trout” ab dem 15. Juli 1905 veröffentlicht. Offensichtlich auf redaktionelle Anfrage unter dem Einfluss und als Reaktion auf die äußerst erfolgreichen Sherlock Holmes-Geschichten entstanden, war der schurkische und glamouröse Lupin ein Überraschungserfolg. Aufgrund dieses Erfolges zog sich Lablanc später in ein wunderschönes Landhaus in Etreat (in der Region Haute-Normandie im Nordwesten Frankreichs) zurück, das heute ein Museum beherbergt, das den Büchern von Arsène Lupin gewidmet ist. Für seine Verdienste um die Literatur wurde Leblanc mit der Legion d’Honneur – der höchsten Auszeichnung Frankreichs – ausgezeichnet. Er starb am 6. November 1941 im Alter von sechsundsiebzig Jahren in Perpignan (der Hauptstadt des Departements Pyrenees-Orientales in Südfrankreich), und ist auf dem prestigeträchtigen Friedhof von Montparnasse in Paris beigesetzt.

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