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Akte X: Yes, we can!

Akte X ist wieder da. Große Freude. Große Erwartung. Großes Zittern. Was, wenn…? Wenn Wesentliches einfach weg ist? Der Zauber verflogen, der Spuk vorbei, der Nervenkitzel im Keller? Wenn Mystery nicht mehr geraunt wird, Mulder Alter-Mann-Husten hat und Scully, ja, nicht mehr Scully ist?

Scully. So schön, so kühl und rothaarig. So unbeeindruckt und erstaunt. So ohne wirklich lächeln zu können, aber mit Augen, die vom Lächeln im richtigen Moment wissen. Dieser Blick. Oh ja. Wer ist The Look? Lauren Bacall. Klar. Charlotte Rampling. Logisch. Gillian Anderson. Auf jeden (finsteren) Fall.

Scully und Mulder 2016

Scully und Mulder 2016

Genug geschwärmt. Dana Scully ist jetzt blond. Und um einige gute Jahre gereift. Fox Mulder alias David Duchovny auch. Natürlich. Immerhin, sie kehren zurück in optischer Top-Form. Ab Montag, 8. Februar, 21.10 Uhr, zeigt ProSieben Staffel 10 der legendären US-amerikanischen Fernsehserie „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ (The X-Files) mit Originalvorspann!, die in der Zeit von 1993 bis 2002 produziert, ausgestrahlt, angeguckt, eingesaugt, verschlungen, gefressen wurde.

Übertrieben? Schön, da gab es auch lahme Folgen, lange Gesichter, kleines verstohlenes Gähnen, krauses Grinsen, Stirnrunzeln (öfter) mal hier, mal da, es war ja nicht immer und überhaupt alles sensationell. Aber grundsätzlich war es verdammt gut.
Und gleichsam grundsätzlich war es jammerschade, als das Licht ausging. Auch, wenn es immer irgendwann tatsächlich Zeit wird, die Koffer zu packen und in der Nacht unterzutauchen. Weil der Wind Staub mit sich schleppt und um frischen Brisen bettelt. Vierzehn Jahre ist das jetzt her, seitdem die Klappe fiel, und gab es auch 2008 diesen einen Film „Jenseits der Wahrheit“ mit den vertrauten Gesichtern, zurück bringen konnte der das alte dunkle Spiel so nicht mehr. Das war die Serie, das bleibt sie.

Genre-Mutter Axte X, dieser genial gemixte Cocktail aus Krimi, Horror und Science-Fiction, löste damals einen regelrechten Hype, eine Mystery-Monsterwelle aus, die Serien wie Fringe, Lost und Supernatural sicher an Land brachte. 202 Episoden entstanden bis 2002, dazwischen wurde ein Kinofilm (1998: Akte X – Der Film) mit durchaus beachtlichem Erfolg eingeworfen. Es boomte. Und wie.

Wird es das wieder? Für Überlebenswichtiges ist zumindest mit der deutschen Synchronstimme von Agentin Scully gesorgt: Die übernimmt, wie gehabt und geliebt, Franziska Pigulla, und die ist Rauch und Gold und leichte Heiserkeit wert.

Mulder klingt jetzt anders, das liegt an Sven Gerhardt, der ihn nach Benjamin Völz (lange Zeit, immer noch gut im Ohr) und Johannes Berenz (kurzes Intermezzo) spricht. Da müssen wir uns dran gewöhnen, mag sein, es funkt. Ach was. Wird schon.

Hauptsache: Es gibt keine neue Skepsis-Scully, keinen neuen Verschwörer-Mulder. Keinen neuen Akte-Macher. Chris Carter, Erfinder der Serie, zur Geburtsstunde der Akte X noch ein rechtes Genre-Grennhorn, ist heute mit achtundfünfzig Jahren im besten Mannesalter und weise genug, für seine (vorerst) sechs Revival-Episoden gezielt auf alte X-Traditionen zu setzen.

Neue Zeit(-en)

Neue Zeit(-en)

Natürlich wird er der Mode gerecht: Das allumfassende Internet als (längst schon) Gottes Wink und Teufels Gruß, Wunderwaffen-Medium der Popkultur in den 1990ern, ist überirdisch präsent mit all seinen Auswüchsen und Trieben. Und überhaupt: Die Technik im neuen Akte-Look ist natürlich erschlagend ausgefeilt, und was da so perfekt Gutes gezeigt wird, verdankt Carter, gleichsam logisch, auch den deutlich besseren finanziellen Möglichkeiten. Der Aufwand kostet. Lohnenswert?

Carter zeigt sich zuversichtlich, denkt an alte Quotenrekorde, träumt ein wenig (darf er) und sagt es selbstbewusst:

„Ich wage zu behaupten dass wir das Genre auf eine clevere Art behandeln. Wir erkunden Dinge, die mit Wissenschaft und Glauben zu tun haben, auf eine Art, wie es kein anderer macht.“ (TV-Spielfilm, Heft 3, 2016)

Wie kein anderer…yes, we can. Oder wie war das? Nach irgendwie unbequemem Start in den Staaten, – die Xphiles, wie die Fans sich nennen, zeigten sich anfangs zwiegespalten, höchst kritisch, aber abwartend, freilich durchaus wohlgesonnen -, soll die Serie noch altvertraut in Fahrt kommen. Angeschimmelt und irgendwie in Endlosschleife erzählt ist wohl nichts. Das klingt blitzsauber, das klingt aber auch nach altbewährtem TV-Konzept:
Da ist der rote Faden, der sich durch alle Stories zieht, da sind die verschiedenen wöchentlichen Monster, Aliens, höchst merkwürdige Phänomene und Kreaturen. Da sind die Regierung, die alles versteckt, und die Außerirdischen im Labor. Da ist die coole Pragmatikerin, da ist der besessene Jäger.

Alles in Ordnung soweit. Und sowieso, es sind jetzt erst einmal diese sechs Folgen, die uns beschäftigen sollten. Produzent Glen Morgan sagt das mal so:

„Die erste und sechste Folge sind der Dienst an der Mythologie, und die in der Mitte können für sich allein stehen.“ (TV-Spielfilm, Heft 3, 2016)

Alte Zeit(-en)

Alte Zeit(-en)

Jetzt wissen wir’s. Wobei das wache Auge grad die Sache mit der Mythologie scharf mustern wird. Immerhin war das teils schon etwas chaotisch, wie da im Galopp verschworen, vertuscht, verfranzt wurde, mag sein, zu viel des Tempos, so mancher Xphile wurde müde.

Hoffentlich ausgeschlafen. Erster Gedanken beim Aufwachen: Wird das wieder so richtig was? Los geht’s auf jeden Fall mit einem fetten Crash. Ufo in New Mexico. Scully und Mulder im nüchternen Wiedersehenstaumel. Hach.

Ergo zweiter Gedanke: Kriegen die sich denn irgendwann richtig? Die beiden? Harry und Sally. Scully und Mulder. Passt doch.

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