Agent Dale Cooper – der exzentrische Schwelger

Twin Peaks; (c) CBS

Er ist einer der zwei berühmtesten (Special) Agents, die wir kennen. Jüngere FBI-Agenten wie Dana Scully und Fox Mulder traten in seine Fußstapfen. Er dürfte die Rolle des Agenten neben James Bond, der allerdings für den MI6 arbeitet, nachhaltig geprägt haben. Sein voller Name ist Dale Bartholomew Cooper. Er wurde gespielt von Kyle MacLachlan. Er ist der von David Lynch und Mark Frost ersonnene Hauptcharakter der Fernsehserie Twin Peaks, die zum ersten Mal mit einer Pilotfolge von dem US-amerikanischen Fernsehsender ABC (American Broadcasting Company) am 8. April 1990 ausgestrahlt wurde. Sie lief im Jahr 1990 / 91, sowie in später und mächtig von den Fans ersehnter Fortsetzung im Jahr 2017. Des Weiteren existiert ein im Nachhinein in Anknüpfung des überraschenden Erfolges der Serie gedrehtes Prequel namens Twin Peaks: Fire walk with me. Der Film feierte am 16. Mai 1992 seine Erstaufführung.

Im Jahr 1989 verschlägt es Agent Dale Cooper in das kleine Nest namens Twin Peaks, das dann doch immerhin, wir erinnern uns an das immer wieder gezeigte Ortsschild im Intro, 51 201 Einwohner zählt, um den grausigen Mord an der High-School-Königin Laura Palmer zu untersuchen.

Harry S. Truman (eine Reminiszenz an den 33. Präsidenten der USA), der hiesige Sheriff von Twin Peaks, sagt über seinen Kollegen:
Agent Cooper is the finest lawman I’ve ever known. I’ve had nothing but respect for him since he arrived in Twin Peaks. (Agent Cooper ist der feinste Gesetzesmann, den ich jemals kennengelernt habe. Ich empfinde nichts als Respekt für ihn, seit er hier in Twin Peaks angekommen ist.)

“Verdammt guter Kaffee!”

Agent Dale Cooper mit seinem Diktiergerät; (c) CBS

Die Figur des Agent Cooper ist schon im Erscheinungsbild keine, die dem Zufall die Führung überlässt. Er tritt stets im Anzug mit Krawatte auf und auch das Haar fügt sich, wie ihm zugedacht. Coop (so wird er von seinen Freunden genannt) lässt sich niemals gehen, riskiert keinen Dreitagebart, keine Unumsichtigkeit. Achtsamkeit und Anstand sind ihm oberste Gebote, wie auch der gepflegte Witz. Was bei einem anderen Menschen aufgesetzt und nicht authentisch wirken würde, entspricht dem Naturell von Dale Cooper. Er beobachtet und inspiziert sein Umfeld stets, nichts entgeht ihm. Nichts, was mit seiner Arbeit zu tun hat und erst rechts nichts, wenn es sich dabei um Dinge handelt, die er von Natur aus zu schätzen weiß, wie z.B. die Douglastannen in der Region, den Kirschkuchen, den er im Double R Diner verspeist, und ganz besonders den Kaffee, den er immer schwarz genießt. Für solches gibt er gerne mit einem breiten Grinsen ein “Daumen-hoch”. Ganz generell sind seine Antworten und Wertungen oft kurz und prägnant. Das Federal Bureau of Investigation schätzt seine Arbeit und auch die Bewohner von Twin Peaks sind von ihm beeindruckt, bringt er doch neues Leben und einen neuen ganz eigenen cooptypischen Schwung in die Kleinstadt.

Der wohl bekannteste Running-Gag ist sein Diktiergerät, das er zu vielen Gelegenheiten stets bei sich tragend verwendet, um einer Diane Nachrichten / Fortschritte hinsichtlich seiner Aufklärungsarbeit im jeweiligen Mordfall zu hinterlassen, aber auch alltägliche Gedanken und Beobachtungen gehören dazu. Jahrelang haben wir gerätselt, wer diese ominöse Diane wohl ist, wie sie aussieht und in welchem persönlichen Verhältnis sie zu Cooper steht. 2017 haben wir es erfahren (aus meiner Sicht wäre das nicht notwendig gewesen, es nimmt den Zauber).

Dale Cooper & Audrey Horne; (c) ABC

Es existiert sogar eine bisher nur englischsprachige Autobiografie mit dem Titel “The Autobiography of F.B.I. Special Agent Dale Cooper: My Life, My Tapes” von Scott Frost, der mit seinem Bruder Mark Frost kurze Zeit mit an der damals jungen TV-Serie gearbeitet hat.

Doch woran liegt es, dass Dale Cooper diese Durchschlagskraft hat, die ihm den Status einer Ikone einbringt?

Eine Antwort wäre zunächst: Es liegt an dem Erfolg der Serie. Ein regelrechter Hype ist damals in den 90ern ausgebrochen, in den USA, wie auch hierzulande. Aber das allein kann es nicht sein!

Dale Cooper als Mr. C und “Dougie”; (c) SHOWTIME

Interessant ist, dass wir kaum etwas über Cooper erfahren, wir wissen nichts von seiner Vergangenheit, kennen kaum seine Gedanken, Ängste und Sehnsüchte. Wir kennen nur seine bereits erwähnten Vorlieben. Wir lassen seine gesamte Erscheinung und Art auf uns wirken, im Grunde sieht er aus wie ein aalglatter werbefähiger Versicherungsvertreter mit einem blitzenden Lächeln, dessen Ansprache auf uns gekünstelt wirken würde. Nicht aber bei ihm. Denn trotz dieser Gegebenheiten erscheint er uns als grundsympatisch und vertrauenswürdig. Es ist als würde er alles mit einer ganz eigenen Note versehen. Vor allem seine Begeisterungsfähigkeit für die “guten Dinge” des Lebens ist für unsere Zutraulichkeit und die der Einwohner der Stadt verantwortlich. Und doch wirkt er, tritt man einszwei Schritte zurück, wie ein Wesen von einem anderen Stern, das anderen kognitiven Gesetzmäßigkeiten gehorcht. Das funktioniert, als hätte man es soeben mit einem Schlüssel aufgezogen, so gleichförmig ist zumeist seine Stimmung. Wechselnde Gefühlslagen sind eine Seltenheit bzw. von keiner allzu großen Bandbreite. Dale Cooper hat sich im Griff. Das erklärt seinen Posten, den er beim FBI innehat. Aber er ist ganz generell der vertrauenswürdige Kandidat, den man rufen würde, läge etwas im Argen oder Mysteriösen, denn niemand scheint dem Paranormalen näher als er, der in der späten Fortsetzung der Serie sein Dasein größtenteils als “Dougie” (Douglas Jones) fristen muss, während sein Schattenselbst mit BOB zu Mr. C verschmolzen ist. Nicht zuletzt aber ist es vor allem Kyle MacLachlans Verdienst, uns Special Agent Dale Cooper glaubhaft geschenkt zu haben. Kein anderer hätte ihn spielen können!

Albera Anders

Albera Anders

Albera Anders wurde 1982 in Wriezen geboren. Ist Dichterin und Malerin. Sie studierte in Heidelberg Germanistik und europäische Kunstgeschichte, lungerte out of order jedoch auch im philosophischen Seminar herum. Lebt und arbeitet in Bayern.

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